Mike Schilli Angelika Schilli
Zwei Deutsche in San Francisco
und ihre Sicht der Welt.

  Rundbrief Nummer 40  
San Francisco, den 02.06.2002

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Taxis

Taxifahren in Japan ist ein besonderes Erlebnis. Zunächst gibt es in Japan keine ausländischen Taxifahrer. Wenn man wie wir an amerikanische Verhältnisse gewöhnt ist, staunt man darüber nicht schlecht, denn in San Francisco trifft man so gut wie nie auf einen amerikanischen Taxifahrer. Auch weibliche Taxifahrer sichteten wir in Japan nicht. Die Taxifahrer tragen in der Regel Anzug mit Krawatte und eine Mütze, die der eines Schaffners aus meinem alten Bilderbuch gleicht. Der absolute Hit sind aber die weißen Handschuhe, die viele tragen. Jedes Taxi, mit dem wir fuhren, war blitzsauber und die Sitze schmückten weiße Spitzenüberzüge. Taxifahrer sprechen überhaupt kein Englisch und ich war froh, dass wir von unserer Japanischlehrerin gelernt hatten, wie man sagt, wo man hinwill. Das Problem ist nur, dass es nicht ausreicht, dem Taxifahrer eine Adresse (möglichst in Schriftzeichen aufgeschrieben) zu zeigen. Er braucht in der Regel eine ganz genaue Wegbeschreibung. Das liegt an dem chaotischen System, in dem in Japan Adressen aufgeschrieben werden: Es geht hierachisch nach Gebieten (zunächst der Landkreis, dann die Stadt, gefolgt vom Stadtviertel, einzelnen Straßenzügen und Gebäuden) und nicht nach Straßennamen. Hausnummern steigen nicht notwendigerweise auf- oder ab, es kann durchaus sein, dass das Gebäude Nummer 20 neben Gebäude Nummer 1 liegt.

Abbildung [1]: Japanische Taxifahrer, weiße Sitzbezüge, weiße Handschuhe
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Natürlich wissen die Taxifahrer, wo der Bahnhof, größere Hotels oder andere Sehenswürdigkeiten liegen. Nur leider weiß der Tourist oft nicht, neben welcher bekannten Sehenswürdigkeit das Restaurant liegt, in das er möchte. Japanische Taxifahrer sind aber grundehrlich und hauen einen nicht übers Ohr. Können sie die Adresse nicht ausfindig machen, fahren sie das nächste Koban-Häuschen im gewünschten Stadtviertel an und fragen nach dem Weg. Hinter "Koban" verbirgt sich eine kleine Polizeistation. In jedem Stadtteil sind diese anzutreffen, oft nicht größer als ein Kiosk. Hier gibt es einen detaillierten Stadtplan von dem Stadtteil, in dem sich das betreffende Polizeihäuschen befindet.

Abbildung [2]: Das Koban-Häuschen. Gut, um nach dem Weg zu fragen.
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In Tokio (und unserer Erfahrung nach auch in anderen japanischen Städten) kommt erschwerend hinzu, dass nur die größeren Straßen Namen haben. Etwas zu finden, stellt selbst für einen Pfadfinder mit Kompass eine Herausforderung dar, denn es gibt tausende von kleinsten Gässchen in Tokio, die alle nicht mit Namen in Straßenkarten eingezeichnet sind. Oft suchten wir nach einem im Reiseführer beschriebenen Restaurant und gaben trotz Karte frustriert auf. Hinzu kommt, dass Restaurantnamen in der Regel Kanji-Schriftzeichen beinhalten, die im gedruckten Reiseführer zwar wunderbar zu entziffern sind, bloß mit dem Schild in der realen Welt nicht viel zu tun haben, da diese designermäßig "verschönert" wurden.

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Letzte Änderung: 06-Jul-2008