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  Rundbrief Nummer 126  
San Francisco, den 23.09.2018


Abbildung [1]: Unser altes Sofa suchte ein neues Zuhause.

Angelika Nachdem ich nach jahrelangem Hinreden an Michael endlich vor anderthalb Jahren ein neues Bett bekam (Rundbrief 12/2016), dachte ich mir, das hat gut geklappt, jetzt muss es auch noch ein neues Sofa sein. Denn unser altes hatten wir auch schon fast 20 Jahre, und es war ein wenig in die Jahre gekommen und auch die Form gefiel mir nicht mehr so gut. Also probesaßen wir diverse Sofas in Möbelläden und fanden dann wieder bei dem kanadischen Möbelhaus EQ3 das passende Modell. Die Wartezeit für das gute Stück betrug wieder schlappe 6-8 Wochen, denn das Sofa wurde im kanadischen Winnepeg für uns gebaut und mit dem feinen Leder, das wir uns ausgesucht hatten, bezogen. Als uns dann die Lieferfirma informierte, dass unser Sofa für den großen Auftritt in unserem Wohnzimmer bereit stand, fingen wir etwas das rotieren an, denn wohin mit dem alten?

Wer schon einmal versucht hat, ein altes Sofa wegzugeben, weiß wovon ich spreche. Unser Sofa war zwar schon älter, aber doch noch in gutem Zustand. Der Stoff war an einer Seite etwas ausgeblichen und nicht mehr ganz so satt rot wie im Neuzustand, aber das Sofa war weder durchgesessen noch kaputt, also viel zu schade für den Sperrmüll. Wir dachten, spenden wir das Sofa einfach bei Goodwill (Rundbrief 03/2003) für einen guten Zweck, aber das war nicht so einfach wie gedacht. Goodwill ist eine große gemeinnützige Organisation, die alle möglichen Sachspenden annimmt, und will sogar Sofas haben. Die Firma arbeitet angeblich mit einem Drittanbieter zusammen, der Sofas abholt, allerdings ging dieser nie ans Telefon oder hörte seinen Anrufbeantworter nur sporadisch ab, denn als er uns endlich nach Wochen zurückrief, waren wir das alte Sofa bereits losgeworden. Auch die Organisation "Salvation Army" nimmt Sofas an und holt diese sogar ab. Allerdings war der nächste verfügbare Abholtermin erst vier Wochen später, und wir wollten dann doch nicht vier Wochen lang zwei Sofas in der Wohnung herum stehen haben.

Also bemühte sich Michael auf "Nextdoor" (Rundbrief 09/2014), dem Nachbarschaftsportal, das Sofa an den Mann zu bringen. Ein älteres Ehepaar hatte auch Interesse und kam zum Probesitzen vorbei, realisierte dann aber, dass unser Sofa zu groß für ihre Wohnung war. Die Maße hatten wir natürlich angegeben, aber das hatten die Beiden wohl geflissentlich übersehen. Also setzte Michael eine Kleinanzeige auf craigslist.org und siehe da, ein gerade nach San Francisco gezogenes Paar aus Singapur zeigte Interesse. Aber die wohnten am anderen Ende der Stadt, wie sollten sie das Sofa von unserer Wohnung in Noe Valley dorthin bekommen? Klar, man kann sich einen Kleintransporter bei der Firma U-Haul ausleihen, was allerdings den Nachteil hat, dass man das Sofa selber zum Transporter schleppen und den Kleintransporter eigenhändig durch die Stadt kutschieren muss.

Abbildung [2]: Mit der App von Lugg bestellt man Möbelpacker im Handumdrehn.

Aber im Zeitalter des Internets ist natürlich schon wieder jemand auf die geniale Idee gekommen, den geeigneten Service dafür anzubieten. Die Firma heißt lugg.com ("to lug" heißt übersetzt "schleppen"), und sie gibt es seit 2015, mittlerweile in mehreren Städten in den USA. Die Idee ist, dass wenn jemand möglichst schnell ein paar Möbel innerhalb einer Stadt von A nach B transportieren möchte, aber weder einen ganzen Möbelwagen braucht oder nicht selber zum Möbelpacker werden möchte, installiert er die App aufs Handy und tippt ein, von wo nach wo der Transport geht. Im nächsten Schritt wählt der Kunde, ob er einen Pickup Truck mit einem sogenannten "Lugger" (also Möbelschlepper) oder zweien braucht oder einen etwas grösseren Kleintransporter. Die billigste Variante für nur ein Möbelstück mit nur einem Möbelschlepper kostete von uns quer durch die Stadt $33 Grundpreis plus $0.85 pro Arbeitsminute. Für zwei "Lugger" erhöht sich der Preis auf $45 plus $1.45 per Arbeitsminute. Wie bei dem Fahrservice "Uber" oder "Lyft" (Rundbrief 03/2013) benutzen die "Lugger" ihr eigenes Fahrzeug. Brillant ist, dass das Ganze schnell geht. Man kann innerhalb von einer halben Stunde den Möbeltransporter vor der Tür stehen haben, aber natürlich auch weiter im Voraus buchen. Also der nächste große Ikeaeinkauf, der dann doch nicht ins Auto passt, ist gerettet, denn Ikeas eigener Transportservice braucht meist wesentlich länger.

The Idee für "lugg.com" hatte Jordan Brown, der für eine kleine Startup-Firma im Gesundheitswesen in Salt Lake City arbeitete und oft auf das Möbeltransportdilemma gestoßen war. Brown entwickelte die App und zog dann nach San Francisco, um "lugg.com" zu starten. Mittlerweile gibt es den Service in San Francisco, Sacramento, Seattle, San Diego, Los Angeles, im Silicon Valley und in Orange County.

Bei uns klappte alles gut. Die "Lugger" schleiften unser Sofa zwar etwas über den Boden, dass mir gleich angst und bange wurde und hatten natürlich wieder keine Sackkarre dabei (das scheint ein gängiges Phänomen auch bei professionellen Möbelpackern zu sein), aber Michael ist in dieser Beziehung gut ausgerüstet. Auf der App konnten die neuen Besitzer das Sofa auf dem Weg in ihre Wohnung verfolgen, und nach einer halben Stunde kam es dort wohlbehalten an. Unser rotes Sofa hat jetzt ein neues Zuhause.

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Letzte Änderung: 09-Dec-2018