17.09.2002 Deutsch English

San Diego und Mexiko

Surfer-Dude in San Diego
Surfer-Dude in San Diego

(Angelika) Als Michael sich, wie jedes Jahr, AOL-gesponsert zur Perl-Konferenz ins rund 1000 Kilometer südlich von San Francisco liegende San Diego aufmachte, dachte ich mir: San Diego ist nett, der Ozean im Juli schön warm zum Schwimmen und schwupps packte ich meine Koffer und fuhr mit.

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Bundestagswahl: Im Ausland wählen

(Angelika) Mit Spannung verfolgen wir hier den deutschen Wahlkampf. Schmunzelnd beobachteten wir die Amerikanisierung des Wahlkampfes: Fernsehduelle, eine deutsche Zeitung schlägt vor, welche Partei der Leser am besten wählt -- das gibt es sonst nur in den USA. Erstaunlich ist, wie unreflektiert solche amerikanischen Traditionen auf Deutschland übertragen werden.

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Zurück zur Arbeit

Hier gibt's die "Social Security Number"
Hier gibt's die "Social Security Number"

(Angelika) Michael sehnte diesen Tag seit Jahren herbei: Mit unserer neuen Greencard darf ich wieder arbeiten. Bislang lag ich zwar auch nicht auf der faulen Haut, nur bezahlen durfte mich keiner für mein Engagement. Das Tenderloin Childcare Center, in dem ich fünf Jahre lang zweimal die Woche ehrenamtlich tätig war, bot mir sofort eine Ganztagesstelle an. Ich lehnte allerdings dankend ab, denn die Bezahlung in der Kinderbetreuung ist in Amerika mehr als bescheiden und eine Vollzeitstelle hätte mir keine Zeit mehr für meine Fotografie und diverse andere Aktivitäten gelassen. Aber Springkraft bin ich dort jetzt. Ich kann soviel oder so wenig arbeiten, wie ich will und werde in Gruppen eingesetzt, denen eine Vollzeitkraft aus den verschiedensten Gründen fehlt (Urlaub, Krankheit usw.). Die Einrichtung befindet sich allerdings gerade im Umbruch, denn im August bezog sie ein neues Gebäude im gleichen Viertel. Wir nehmen jetzt nicht nur mehr Kinder auf, sondern stellen auch Plätze für Babys zur Verfügung.

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Ab September: Fingerabdrücke bei der USA-Einreise

(Angelika) Falls ihr demnächst als Tourist, Student oder auch als Geschäftsreisender in die USA einreist und zusäzlich die Kriterien eines potentiellen Terroristen erfüllt, wundert euch nicht, wenn die Einwanderungsbehörde euch eure Fingerabdrücke abnimmt, Lichtbilder macht und euch auffordert, regelmässig den Behörden mitzuteilen, wo ihr euch genau in den USA aufhaltet und was ihr dort macht. Obwohl die Behörden die genauen Kriterien, aufgrund derer sie bestimmte Leute für diese Sonderbehandlung rauspicken, nicht preisgeben, kann ich 1+1 zusammen zählen und mir vorstellen, dass es vorwiegend jüngere Männer aus bestimmten islamischen Ländern treffen wird. Erste Bürgerrechtsgruppen protestieren, dass diese Vorgehensweise gegen Muslime diskriminiert. Ich prophezeihe folgendes: Hin und wieder wird der über 60-jährige deutsche Tourist oder Geschäftsmann bzw. die fünfköpfige Familie zum Abnehmen der Fingerabdrücke herausgezogen werden, damit die Einwanderungsbehörde als "politisch korrekt" dasteht. Die Fingerabdrücke werden übrigens sofort in den Computer gespeist, um zu prüfen, ob etwas vorliegt gegen die betreffende Person.

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Das Jury-System im amerikanischen Strafprozess

Die zwölfköpfige Jury im amerikanischen Strafprozess
Die zwölfköpfige Jury im amerikanischen Strafprozess

(Michael) Neuerlich flatterte ein Brief vom "San Francisco Superior Court" ins Haus, dem höchsten Gericht der Stadt. Angelika wurde darin barsch aufgefordert, als Juror an einem Gerichtsverfahren teilzunehmen. Wie ihr wahrscheinlich aus amerikanischen Fernsehserien wisst ("Law und Order" zum Beispiel), bestimmt in Amerika in einem Strafprozess nicht der Richter darüber, ob der Angeklagte schuldig ist oder nicht, sondern eine zwölfköpfige zufällig zusammengewürfelte Gruppe von Laien.

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Geschichten aus der Bierszene

Das Bier "St. Pauli Girl"
Das Bier "St. Pauli Girl"

(Michael) Neben Becks hält der Amerikaner übrigens auch die Marke "St. Pauli Girl" für deutsches Bier. Nur mit Mühe konnte ich einen Arbeitskollegen vom Gegenteil überzeugen. Leider verlor ich deswegen auch noch eine Wette, denn das Gesöff wird laut Webpage ( http://stpauligirl.com ) anscheinend tatsächlich in Bremen (ist das wirklich Deutschland?) gebraut. Zu kaufen sah ich es allerdings in deutschen Landen noch nirgendwo. Es schmeckt außerdem grauenhaft, deswegen glaube ich nicht, dass es in Deutschland jemand kaufen würde.

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Das Rundbrief-Topprodukt

Die Packung mit den Nasenschnullern
Die Packung mit den Nasenschnullern

(Michael) Das "Rundbrief-Top-Produkt" sind heute die Nasenschnuller von Biore. Nasenschnuller? Hä? Das kommt davon, wenn man als Paar jahrelang im Ausland lebt und keinerlei Korrektiv in der täglichen Umgangssprache erfährt: Man erfindet neue deutsche Worte für Dinge, die man bislang noch nicht kannte. Wie nennt man klebrige Papperl, die man sich auf die Nase klebt, damit es die Mitesser aus den Poren rauszieht? Seht ihr, dafür kennt ihr sicher auch kein Wort. Von der französischen Firma Biore gibt's hier in den USA diese praktischen Papperl, die man sich auf die angefeuchtete Nase klebt, zehn Minuten wartet, sie dann abzieht und darauf die herausgezogenen Mitesser bewundert.

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Neu im Fernsehkasten: The Shield

Vic Mackey von "The Shield" heckt mit seinen Kollegen mal wieder was Illegales aus
Vic Mackey von "The Shield" heckt mit seinen Kollegen mal wieder was Illegales aus

(Michael) Eigentlich hätte ich ja gedacht, es gäbe in meinem Leben keine interessanten Krimiserien mehr. Über "Law and Order" oder "NYPD Blue" kann ich nur lachen, das ist typischer Amiquatsch, der einen alten Hund wie mich nicht mehr hinterm Ofen hervorholt. Wenn Angelika die ansieht, höre ich meist mit Kopfhörer Musik.

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Platte des Monats

Die Neue von den Red Hot Chili Peppers: By The Way
Die Neue von den Red Hot Chili Peppers: By The Way

(Michael) Letzten Monat hatte ich ja angekündigt, die neue von den Red Hot Chili Peppers zu besprechen. Diese Band kommt aus Los Angeles und ist für mich der Inbegriff Kaliforniens. Nicht das Todesstrafen-Kalifornien oder das Weißenviertelvorort-Doppelgaragen-Kalifornien, sondern das Kalifornien chaotischer Städte wie Los Angeles oder San Francisco, wo es noch durchgeknallte Leute wie die Red Hot Chili Peppers gibt, die sich um nichts scheren und neue Ideen versprühen. Nach meiner Lieblingssendung "Behind the Music" hat ihr Bassist "Flea" mal bei einem Konzert auf seinen Bass eingehämmert, bis er ein Loch in seinem Daumen hatte! Und aus der Reihe "Behind the Perl" vertraue ich euch heute an, dass ich unter (fast ausschließlichem) Einfluss des Albums "Blood, Sugar, Sex, Magik" damals, vor langer, langer Zeit "Effektives Programmieren mit Perl5" geschrieben habe. Jetzt ist es raus!

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Letzte Änderung: 26-May-2024