01.02.2002 Deutsch English

Autos mieten wie die Profis

An der Rückgabestation der Autovermietung
An der Rückgabestation der Autovermietung

(Michael) In der Reihe "Amerika für Profis" bringen wir heute: Wie komme ich preisgünstig an ein Mietauto? Typischerweise bucht der deutsche Tourist das ja von Deutschland aus -- und das ist okay so, denn die Reisebüros handeln meist gute Raten aus. Am Schalter der Autovermietung geht's dann allerdings an's Eingemachte: Der Verkäufer dort wird mit allerlei Tricks versuchen, den Preis in die Höhe zu treiben. Und deswegen nehmen wir heute mal genau durch, was da im Detail abgeht.

Weiterlesen

Deutsche Einflüsse im Englischen

Das "Wind-und-Stürm"-Plastikding
Das "Wind-und-Stürm"-Plastikding

(Michael) Habt ihr schon mal gesehen, dass an manchen Autos am Rahmen des vorderen Seitenfensters so ein kleiner Plastik-Windschutz klebt? Das ist laut "Herrington-Katalog" typisch europäisch und heißt "Wind-und-Stürm-Shield" (Abbildung 1). Derlei Absurditäten findet man übrigens recht häufig, denn der Amerikaner denkt: Deutsch ist's, wenn's ü-ht und ö-ht! Und alles, was aus deutschen Landen stammt, hat den Qualitätsbonus. Ihr glaubt ja nicht, was sich ein Amerikaner darauf einbildet, nicht nur BMW oder Mercedes, nein, auch nur einen Volkswagen zu fahren. Ein Jetta-Fahrer genießt hier in den USA etwa den gleichen Ruf wie ein Alpha-Romeo- oder MG-Fahrer in Deutschland: Jung, dynamisch, sportlich, leicht exotisch.

Weiterlesen

Der Mormonen-Tempel von San Diego

Von der Autobahn aus gut sichtbar: Der Mormonen-Tempel in San Diego
Von der Autobahn aus gut sichtbar: Der Mormonen-Tempel in San Diego

(Michael) Vor einiger Zeit flogen wir ein paar Tage runter nach San Diego. Eine Fahrt auf der Stadt-Autobahn führte uns an dem zackigen Tempel aus Abbildung 2 vorbei. Wir besannen uns auf unsere journalistische Pflichten als Rundbriefreporter, nahmen die nächste Ausfahrt und näherten uns dem strahlend weißen Bauwerk. Es stellte sich als Tempel der Mormonen heraus, oder wie es hier in den USA heißt, "Church of Jesus Christ and Latter Day Saints". Das Gebäude umgab ein hoher weißer Zaun, aber ein Schild lud zur kostenlosen Besichtigung des Geländes ein und wies zur Pforte, die aussah wie die vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Wir parkten, gingen am Zaun entlang zur Pforte, an der uns ein älterer Herr empfing, der sich "Bob" und aus "Utah" kommend vorstellte. Er sagte, dass "Sister Rebecca" sich gleich um uns kümmern würde, sobald sie mit der anderen Gruppe, mit der sie unterwegs war, fertig wäre. Unter Augenrollen Angelikas fragte ich (aber freundlich!), wie lange das denn dauern würde, wurde aber beruhigt, es wäre gleich soweit.

Weiterlesen

Jarrrrritos -- das Rundbrief-Top-Produkt

Die mexikanische Waldmeisterlimonade von Jarritos
Die mexikanische Waldmeisterlimonade von Jarritos

(Michael) Immer wenn ich von zuhause arbeite, hole ich mir mittags von der mexikanischen Wirtschaft um die Ecke einen Burrito. Der Verkaufdialog ist immer dergleiche: "Burrito to go on a wheatflower tortilla, please. Cheese? No cheese. What kinda beans? Refried beans. What kinda meat? Steak. Anything else? Mild salsa, guacamole, sour cream, please." Übersetzung für Nicht-Kalifornier: Burrito (Weizen-Pfannkuchen-Rolle mit Füllung), kein Käse, Bohnenmus, geschnetzeltes Rindfleisch, mildes Salsa (Tomaten und Silantro, bisserl scharf), Guacamole (Avocado-basiertes Mus) und saure Sahne. Der Burrito kostet dann ungefähr fünf Dollar, die Hälfte esse ich und die andere Hälfte wärmt sich Angelika am Abend in der Microwelle auf, wenn sie aus der Fotoschule nach Hause kommt. Seit etwa vier Jahren mache ich das einmal in der Woche. Doch vor kurzem entdeckte ich eine weitere Leckerei im Kühlregal des Mexikaners: die Limonade "Jarritos".

Weiterlesen

Marathon und Schokolade

Mr. Muscle beim Silicon-Valley-Marathon-Relay
Mr. Muscle beim Silicon-Valley-Marathon-Relay

(Michael) Wer keinen ganzen Marathon schafft, darf ihn in Amerika auch durch vier Teilen und als Staffel laufen. Einige Kollegen bei Netscape hatten mich genötigt, doch die letzte 6,9-Meilen lange Etappe des Silicon-Valley-Marathons in San Jose zu laufen. Für einen alten Marathon-Veteranen sind 11.1-Kilometer natürlich keine Herausforderung, und so spulte ich sie in nur 57 Minuten runter. Wenn ihr Abbildung 1 vergrößert, seht ihr meine brutalen Beinmuskeln beim Endspurt!

Weiterlesen

Geisterstädte

Die Geisterstadt Bodie
Die Geisterstadt Bodie

(Angelika) Zur Zeit geht eine Kampagne durchs Land, mit dem Ziel, mehr Touristen nach Amerika zu locken. Amerikanische Berühmtheiten werben für die Schönheit der Vereinigten Staaten und hoffen, damit den Touristenrückgang nach den terroristischen Attacken aufzuhalten und die erlahmte Wirtschaft anzukurbeln. Reisen und einkaufen gelten hier in den USA nun als patriotische Verhaltensweisen! Uns treiben allerdings nicht patriotische Motive in die weite Welt hinaus -- unser Ziel ist es, möglichst viel von Kalifornien zu entdecken, während wir hier leben. Bei einer unserer kalifornischen Kurztrips besichtigten wir vor einiger Zeit die ehemalige Goldgräberstadt "Bodie" - eine so genannte Geisterstadt.

Weiterlesen

Lage der Nation

(Angelika) Zur Lage der Nation: Viel Wirbel herrscht zur Zeit in San Francisco und Umgebung um den von den Medien zum amerikanischen Taliban-Kämpfer gekürten John Walker. Der 20-jährige Amerikaner wuchs im reichen "Marin County", dem Landkreis vor den Toren von San Francisco (nördlich der Golden Gate Bridge) auf und konvertierte im zarten Teenageralter zum Islam. Nach Zwischenstationen in verschiedenen arabischen Ländern endete er schließlich in Afghanistan und fiel dort Anfang Dezember US-Truppen in die Hände. Walker steht unter dem Verdacht, an der Seite des Taliban und der Al Qaida gekämpft zu haben und ist deshalb wegen Verschwörung und Ermordung von Amerikanern und wegen Beihilfe zum Terrorismus angeklagt, was bei einer Verurteilung lebenslange Haft bedeutet. In San Francisco hören wir zuweilen schon den ein oder anderen schadenfrohen Kommentar, dass der "Marin County" einen Taliban-Kämpfer hervorbrachte. Das liegt daran, dass San Francisco seit jeher die Nase über "Marin County" rümpft: "Zu weiß" und "zu reich" ist das einhellige Urteil. John Walker, der Sprössling eines wohlhabenden Rechtsanwaltes, passt da ins Bild. Auf nationaler Ebene entfachte "Johnny" eine hitzige Diskussion, über die Ehre, ein amerikanischer Staatsbürger zu sein. Viele erboste sein Verhalten so, dass sie ihm am liebsten gleich die Staatsbürgerschaft aberkennen würden: John Walker als Staatsfeind Nummer 1. Andere zeigten sich mildtätiger und betonten, dass es sich um einen ideologisch verwirrten jungen Mann handele, aber man dürfe bei allem nicht vergessen, dass er Amerikaner sei. Ich als neutraler Beobachter finde interessant, dass Walker nicht etwa wie die afghanischen Gefangenen auf die amerikanische Militärbasis nach Kuba gebracht wurde, sondern auf amerikanischen Boden. Auch erwartet ihn das Bundesgericht in Alexandria (Bundesstaat Virginia) und kein Militärgericht. Da kommt der Verdacht auf, dass die US-Regierung ihn doch mehr als verlorenen Sohn ansieht.

Weiterlesen

Politisch Korrekt

(Angelika) Und noch eine uramerikanische Kontroverse spielte sich in der letzten Woche in New York ab. Dort trug man sich mit dem Gedanken, eine Bronzestatue zu Ehren der nach dem Anschlag auf das World Trade Center im Einsatz umgekommenen Feuerwehrleute zu errichten. Man entschloß sich, die drei Feuerwehrmänner, die kurz nach dem Anschlag eine riesige amerikanische Flagge aufzogen, als Vorbild für die Bronzefiguren (einschließlich der Fahne) zu nehmen. Das Problem war nun, dass die realen drei Feuerwehrmänner alle weiß waren. Dies empfand man als politisch nicht korrekt ("politically incorrect") und -- schwups -- entschied man sich einfach dazu, einen weißen, einen schwarzen und einen lateinamerikanischen Feuerwehrmann darzustellen. Prompt protestierten die Feuerwehrmänner in New York, dass dies die wahre Begebenheit völlig verdrehe. Andere konterten, dass es nicht um die Abbildung der Wirklichkeit gehe sondern um den Symbolgehalt. Fakt ist, dass sich fast das gesamte Korps der Feuerwehr in New York aus Weißen zusammensetzt, was wiederum erstaunt, weil in New York bekanntlich alle Hautfarben vertreten sind. Jedenfalls legte man das Projekt zunächst auf Eis. Der Künstler denkt nun über andere Gestaltungsmöglichkeiten nach.

Weiterlesen

Folgen des 11. Septembers

Die Fernsehsendung "Law \& Order"
Die Fernsehsendung "Law \& Order"

(Angelika) Aber nun nocheinmal zurück nach New York. Vor kurzem errichtete die Stadt am früheren World Trade Plaza eine Aussichtsplattform, um Schaulustigen zu ermöglichen, sich das zerstörte Gebiet "Ground Zero", wo früher die Zwillingtürme standen, anzuschauen. Weil der Ansturm gewaltig ist, gibt man mittlerweile Eintrittskarten aus, die aber -- wohlgemerkt -- nichts kosten. Bleibt trotzdem die Frage: pietätlos oder pragmatisch? Die Antwort überlasse ich euch.

Weiterlesen

Amerikanische Rasterfahndung

(Angelika) Was dem Deutschen die Rasterfahndung, ist dem Amerikaner das so genannte "racial profiling". Darunter versteht man, eine Person allein aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Hautfarbe oder Nationalität herauszupicken. Theoretisch ist das "racial profiling" verboten. Die Polizei darf deshalb nicht einfach jemanden aufgrund seiner Hautfarbe verdächtigen, anhalten oder festnehmen. In der Praxis hört man aber immer wieder von Fällen, dass dies gerade schwarzen jungen Männern passiert. "Racial profiling" ist wieder in aller Munde, seitdem Justizminister Ashcroft anordnete, 5000 Ausländer, die sich auf Touristen-, Geschäfts- oder Studentenvisum in den USA aufhalten, im Zusammenhang mit den Terroranschlägen zu befragen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Männer zwischen 18 und 33 Jahren, die aus dem Nahen Osten stammen. Ashcroft betonte zwar gleich vorbeugend, dass die Interviews auf freiwilliger Basis stattfinden und dass die Männer nicht als Verdächtige gelten, aber das macht es gerade zum "racial profiling", denn nur die Natitionalität bestimmte, wem man zum Interview einlud. Kritik gegen dieses Vorgehen kam aus ungewöhnlicher Ecke. Der Polizeichef von Portland (Bundesstaat Oregon) weigerte sich, 200 Männer, die in seiner Region zu befragen waren, ausfindig zu machen, da die angeordneten Interviews seiner Meinung nach nicht mit den Gesetzen seines Bundesstaates konform gingen. In Oregon ist es der Polizei nämlich untersagt, eine Person nach ihren politischen oder religiösen Ansichten zu befragen, es sei denn, die Person ist eines Verbrechens verdächtigt und die Fragen könnten helfen, dieses aufzuklären. Die angeordneten, standardisierten Interviewfragen zielten aber darauf ab, politische und religiöse Ideen herauszukitzeln. Ashcroft erwartet u.a. Auskunft darüber, wie sich die betreffende Person fühlte, als sie von den Anschlägen am 11. September hörte und ob sie mit den Flugzeugentführern sympathisierte. Eine andere Frage zielt darauf ab, herauszubekomen, welche Städte und Sehenswürdigkeiten die Personen in den USA besuchten. Wie man aus dieser Antwort auf möglichen Terrorismus schließen kann, ist mir ein Rätsel. Denn jeder der z.B. New York besuchte, fuhr auch auf die Aussichtsplattform des World Trade Centers. Der Polizeichef von San Francisco verweigerte übrigens ebenfalls die Mithilfe bei den Interviews.

Weiterlesen

Schnee im Silicon Valley

(Angelika) Nun aber zu einem ganz unpolitischen und dennoch außergewöhnlichen Ereignis: Südlich und nördlich von San Francisco schneite es heute (28.1.). San Francisco blieb die weiße Pracht allerdings erspart. Da Schnee in dieser Region nur alle zig Jahre einmal vorkommt, waren alle ganz aus dem Häuschen. Selbst die lokalen Nachrichtensprecher und Wetterfüchse bekamen ein kindliches Leuchten in den Augen. Für viele Kinder war das der erste Schnee in ihrem Leben. In Petaluma (nördlich von San Francisco gelegen) bauten sie fröhlich Schneemänner und in vielen Gebieten gab es schulfrei wegen des Schnees. Welch ein Freudentag.

Weiterlesen

 
 
Impressum
Letzte Änderung: 06-Apr-2026