04.12.2000 Deutsch English

Das Präsidentenwahldesaster

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Florida.
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen in Florida.

(Angelika) Amerika hat noch immer keinen neuen Präsidenten. In Deutschland beobachtet ihr diesen Wahlkrimi sicherlich mit einem Kopfschütteln und vielleicht auch mit ein wenig Schadenfreude, denn es ist schon faszinierend, dass ein Land, das sich immer damit brüstet, führend in diesem und jenem zu sein, es nicht schafft, Wahlstimmen akkurat auszuzählen. In der deutschen Presse wurde zwar ausführlich über die amerikanische Wahl berichtet -- aber trotzdem möchte ich noch einige Details nachreichen, weil sich so einige klassische amerikanische Phänomene zeigen:

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Im Hauptquartier von AOL

Im Hauptquartier von AOL
Im Hauptquartier von AOL

(Michael) Neulich war ich wieder einmal für ein paar Tage in Dulles, Virginia, um dort bei AOL einige Dinge zu erledigen. Als auf dem Heimweg unser Flugzeug Verspätung hatte und wir uns noch schnell ein Mittagessen einverleiben wollten, stießen mein Kollege Chris und ich auf eine Schänke, die mit einem Schild "Oktoberfest" ihr Bier anpries. Nebenan war ein McDonald's und so entschieden wir uns rasch, das Essen von einem Laden und das Getränk des anderen miteinander zu verbinden. Plötzlich rauschte eine Gruppe deutschsprechender Herren vorbei -- und ich traute meinen Augen nicht, unter ihnen der Schauspieler Armin Müller-Stahl! Ihr wisst schon, das ist der Grauhaarige mit dem Schnauzer, der auch viel in amerikanischen Filmen spielt ("Night on Earth" von Jim Jarmusch zum Beispiel). Auch ihm fiel das "Oktoberfest"-Schild auf, er bremste ab und ging zurück, hatte wohl im Auge, sich ein Bier einzuverleiben, überlegte sich's aber dann anders und schwirrte wieder ab. Und das in Dulles/Virginia! Was der wohl da machte?

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Green Day

Eine von Michaels Lieblingsbands: Green Day aus Berkeley
Eine von Michaels Lieblingsbands: Green Day aus Berkeley

(Michael) Nun zu den Lokalnachrichten. Wer das neue Album "Warning" der weltbekannten Gruppe "Green Day" gekauft hat, hat sich vielleicht gewundert, was die folgenden Textzeilen bedeuten:

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Weintipps

Guter Wein: St. Francis, "Old Vines", Zinfandel 1998
Guter Wein: St. Francis, "Old Vines", Zinfandel 1998

(Michael) Zu unserer Wein-Rubrik: Paula Bosch von der Süddeutschen Zeitung hat sich noch nicht gemeldet, also scheinen unsere Tipps zumindest nicht grob falsch zu sein. Hier kommt der nächste: Bei einer unserer Exkursionen durch das Sonoma Valley stolperten wir über einen hervorragenden Zinfandel-Wein. Und ich scheue mich nicht, dies in die Welt hinauszuposaunen: Der St. Francis, "Old Vines", Zinfandel, 1998 ist so kraftvoll, der haut einen glatt um. Ein außergewöhnliches Aroma von Himbeeren und Vanille. Wie schon einmal erwähnt ist das natürlich roter Zinfandel, das rosa Zeug trinkt kein vernünftiger Mensch. Ideal für Gerichte mit Knoblauch oder sonstige scharfe Sachen. Kostet $22, kein Pappenstiel, aber das Geld ist gut angelegt.

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Redefreiheit

Es geht rund bei der Jerry Springer Show. Die Sicherheitsleute hindern die Kandidaten daran, sich gegenseitig zu verprügeln
Es geht rund bei der Jerry Springer Show. Die Sicherheitsleute hindern die Kandidaten daran, sich gegenseitig zu verprügeln

(Michael) Nun zu Michaels heutigem Schwerpunktthema: Redefreiheit in den USA! Der Verfassung hier sind einige Anhänge angeschlossen, die sogenannten Amendments. Das erste Amendment ist "Freedom of Speech", die Redefreiheit, die hier ja wirklich der Rede wert ist und nicht so eingeschränkt wie in Deutschland:

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Localnews

Eine Woche landunter wegen Computerumrüstung
Eine Woche landunter wegen Computerumrüstung

(Michael) Letzte Woche verbrachte ich unter dem Wohnzimmertisch mit meinem aufgeschraubten Computer. Leichtsinnigerweise hatte ich mir von einem Internetversand neue Hardware gekauft. Für die Insider: Eine 30-GB-Festplatte und einen Netgear RT314-Router. Jetzt bin ich im siebten Himmel, und auch Angelika braust von ihrem Computer aus mit Höchstgeschwindigkeit im Internet herum, da das Routerlein aus einem DSL-Anschluss einfach zwei macht. Und noch eine bedauerliche Nachricht: Unser Zeitungshändler kriegt die Süddeutsche Zeitung nicht mehr von seinem Distributor. Das schmerzt sehr, denn wir haben jeden Samstag $4.50 hingelatzt, um das Magazin-Heftchen, das mit der Freitagsausgabe kommt, zu lesen. Tipp für Besucher: Ihr könntet uns eine Riesenfreude bereiten, wenn ihr uns ein, zwei, viele SZ-Magazine mitbringt, von wann ist egal, es ist einfach zeitlos gut.

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Entensuppe

Mittagessen: Chinesische Entensuppe -- schmackofatz!
Mittagessen: Chinesische Entensuppe -- schmackofatz!

(Michael) Angelika hat mir ja zum Geburtstag eine Digitalkamara geschenkt und damit fotografiere ich jetzt den ganzen Tag die dusseligsten Sachen. Ob beim Einkaufen, zur Arbeit oder Mittagessen -- die Kamera ist überall dabei. Wer sich wundert, wo ich auf dem einen Bild gekonnt mit Stäbchen zu Mittag esse, dem sage ich es frei heraus: In Mountain View gibt es zwar nicht viele gute Restaurants, aber eines, das noch dazu spottbillig ist, suche ich einmal die Woche mit meinem Kollegen Hoang auf: Ein chinesisches Restaurant in der Castro-Street, dessen Namen ich hier nicht nennen kann, schließlich sollen dort nicht Abermillionen von Rundbrieflesern aufkreuzen -- auch ein Superstar braucht seine Privatsphäre! Nur soviel: Es hängen gebratene Enten im Schaufenster. Dort gibt es die beste Nudelsuppe mit Ente auf der ganzen Welt. Leider ist das Foto etwas unscharf, da Hoang beim Fotografieren gelacht hat, der alte Dödel. Ach ja, aber lustig war's!

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Rundbrief-Topprodukt

Das heutige Rundbrief-Top-Produkt: Japanische Miso-Suppe
Das heutige Rundbrief-Top-Produkt: Japanische Miso-Suppe

(Michael) Und nachdem Amerika dem Rest der Welt zumindest im Konsumgüterbereich immer leicht voraus ist, wollen wir euch in Europa mit dem aktuellen Rundbrief-Top-Produkt immer etwas Besonderes vorstellen. Sachen, die ihr noch nicht zu Hause kaufen könnt, die aber vielleicht demnächst rüberschwappen. Dann könnt ihr sagen "Kenn' ich schon, brauch' ich nicht, hab' ich vor einem Jahr schon im Rundbrief gelesen!", wenn euch jemand ein gerade stolz erworbenes Produkt vorstellt. Und damit das klar ist: In Amerikas Waldgebieten oder den Vororten werdet ihr unsere Vorschläge auch nicht finden. Hier geht es nur um die Mega-In-Produkte, die es nur in den Mega-In-Metropolen wie New York oder San Francisco gibt. Mega-in ist hier ja zur Zeit alles Japanische. Man fährt nach Japan in Urlaub -- wir wollen's nächstes Jahr vielleicht mal versuchen. Man geht japanisch essen, wie zum Beispiel in Japantown in San Francisco. Und, topaktuell: Man kauft in japanischen Supermärkten ein, wo selbst eingefleischte Japanfreunde ins Schleudern kommen, weil man nicht mal die Verpackungen der Produkte lesen kann.

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Japanische Supermärkte

(Michael) Mit meiner japanischen Arbeitskollegin Rika fuhr ich mal in der Mittagspause im "Nijia"-Supermarkt vorbei und ließ mir die Waren erklären. Das waren einerseits Sachen, die ich aus Restaurants schon kannte, wie "Edamame" (Sojabohnen als appetitanregende Vorspeise oder auch Knabberzeug, das man kocht, salzt und dann aus der bohnenähnlichen Hülle herauszuzelt), Miso-Suppe (vergorenes Soja mit heißem Wasser aufgegossen und meist mit Seetang und Tofu-Batzen angereichert) und andererseits Produkte, die mir neu waren, wie getrocknete Shrimps, die man wie Kartoffelchips aus einer Tüte isst und die riechen wie Fischfutter für ein Aquarium. Wenn Angelika die isst, wird mir schlecht. Und kalter Kaffee mit Milch und Zucker aus einer Getränkedose, der Name des Produkts: "Boss Sharp". Superlecker! Das heutige Top-Produkt: Die Fertig-Miso-Suppe, die man nur auspacken und mit heißem Wasser übergießen muss. Den Namen des Produkts kann ich euch leider nicht sagen, weil ich kein Japanisch kann. In Abbildung 10 seht ihr aber, wie die Packung aussieht. Es ist wichtig, dieselbe Marke zu kaufen, da, so der Fachmann, die Suppe sonst nicht so gut schmeckt. So, das war's für heute aus unserer kunterbunten Welt in San Francisco. Gehabt's euch wohl, bis zum nächsten Rundbrief!

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Letzte Änderung: 25-May-2024