5.4.2026   Deutsch English

  Rundbrief Nummer 162  
San Francisco, den 5.4.2026


Abbildung [1]: Darf man mit Bier durch die Selbstbedienungskasse?

Michael Ihr seid als Rundbriefleser ja alle enorm gebildet und wisst bestimmt, dass man in den gesamten USA unter 21 keine alkoholhaltigen Getränke kaufen kann. Und da selbst alkoholfreies Bier normalerweise Spuren von Alkohol enthält, gibt's auch das nicht für die jungen Hüpfer. Wie ist das aber an den heutzutage allgegenwärtigen Selbstbedienungskassen im Supermarkt? Bei unserem Whole Foods um die Ecke steht zum Beispiel vor den Scannern ein Schild (Abbildung 4) mit dem Text, dass man mit Alkohol im Wagen rüber zur normalen bemannten Kasse muss. Und dass das auch bei alkoholfreiem Bier gilt, habe ich persönlich schon einmal ausprobiert. Das Selbstbedienungsgerät sperrte sich, und ein Mitarbeiter kam angelaufen, um mich zur bedienten Kasse zu dirigieren.

Abbildung [2]: Testkäufer Michael macht für den Rundbrief die Probe aufs Exempel.

Im Urlaub auf Hawaii passierte es mir aber einmal, dass ich in einem Supermarkt ein Sixpack Bier erwerben wollte, und mich ein Angestellter darauf hinwies, dass ich, statt mich lange an der Kasse mit Bedienung anzustellen, rüber zum Self-Checkout gehen könne. Verduzt fragte ich, ob das auch mit Bier möglich sei, und er bejahte, denn die SB-Kasse brächte eine Meldung hoch, worauf ein Angestellter herbeieilen und mein Alter verifizieren würde. Und tatsächlich, als ich das Sixpack über den Scanner zog, kam ein Dialog hoch und eine Angestellte angewatschelt, die mich kurz musterte, anscheinend für alt genug befand (unerhört!) und einen Code eingab, auf dass der Scanner mit dem Bezahlvorgang fortfuhr.

Abbildung [3]: Auch das alkoholfreie Bier muss durch die bemannte Kasse.

Eine gute Geschichte witternd, begann ich daheim, nachzuforschen. Und, in der Tat, Kalifornien hat schon im Jahre 2011 die Assembly Bill 183 Section 23394.7 verabschiedet, die den Verkauf von Alkohol an Selbstbedienungskassen allgemein untersagte. Als Gründe gibt das Gesetz an, dass sonst Jugendliche leichter an Alkohol gelangten, dass bereits sturzbetrunkene Menschen sich ohne menschliche Intervention dem Dämon noch tiefer hingeben könnten, und dass dies dem Fuseldiebstahl Tür und Tor öffnen würde.

Abbildung [4]: Kein Alkohol durch den Self-Checkout beim Whole-Foods-Supermarkt

Zwei Jahre später, im Jahre 2013, dachten sich einige Supermarktbetreiber aber dann "Sackelzement, aber wir können ja auch im Selbstbedienungsbereich Kontrollen durchführen, mit den Kassen hat das nichts zu tun" und reichten Klage ein. Aber nein, der California District Court of Appeal stellte sich stur und entschied, dass Alkohol in Kalifornien grundsätzlich nur an bemannten Kassen verkauft werden dürfe, und alle Supermärkte, die Selbstbedienungskassen mit menschlicher Alterskontrolle bei Bedarf betrieben, dies unverzüglich einzustellen hätten.

Abbildung [5]: Die Selbstbedienungskassen des Supermarkts Whole Foods.

An diesem Beispiel könnt ihr ersehen, dass es in Kalifornien nicht ausreicht, dass es ein Gesetz gibt, nach dem der Alkoholverkauf an unter 21-Jährige verboten ist. Vielmehr muss sich der Bundesstaat explizit per Gesetz darum kümmern, dass es Supermärkten technisch unmöglich gemacht wird, gegen bereits bestehende Gesetze zu verstoßen. Dies erklärt auch, warum Kalifornien im Rest der USA als "Nanny-State" gesehen wird, und warum unser Gouverneur Gavin Newsom, der 2028 die Präsidentschaft anstrebt, es schwer haben wird, sich außerhalb Kaliforniens durchzusetzen.

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Letzte Änderung: 05-Apr-2026