(Angelika) Neben der leidigen Geschichte "Buch" hat ein zweites nicht so berauschendes Thema so manche Nachtschicht gefordert, nämlich die Abgabe unserer amerikanischen Steuererklärung. Zunächst einmal möchte ich mit einigen Vorurteilen aufräumen, die scheinbar nicht auszurotten sind: Erstens zahlt man auch in Amerika Steuern und diese sind nicht unbedingt geringer als in Deutschland. Richtig ist hingegen, dass man weniger Sozialabgaben (Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung) zahlt, wobei dabei zu bedenken ist, welchen Preis die Amerikaner dafür zahlen müssen, nämlich dass Millionen nicht krankenversichert sind und dass die Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung eher ein Witz sind, die einen im Notfall eben nicht genügend absichern. Zweitens ist das Ausfüllen der amerikanischen Steuererklärung mindestens genauso kompliziert wie das der deutschen, von wegen hier ist alles einfacher und weniger bürokratisch. Bei den Formularen hat man das Gefühl, der Gestalter hat den Wettbewerb mit dem Thema "Wie drücke ich einen Sachverhalt möglichst kompliziert aus, dass ihn niemand mehr versteht" mit Bravour gewonnen. Echt zum Verrücktwerden. In diesen Situationen war ich immer kurz davor, sämtliche Steuerbücher und Unterlagen aus dem Fenster zu werfen. Ich hatte nämlich dieses Jahr die ehrenvolle Aufgabe, die Unterlagen auszufüllen. Michael hatte wegen seines Buches ja eine gute Ausrede (Nächstes Jahr schreibe ich auch ein Buch!). Außerdem hat er mich mit dem Argument gelockt, dass die Tochter eines Steuerberaters so etwas ja mit links schaffen müsste und dass ich doch eh viel gewissenhafter bin als er usw. usw. Ich wusste gar nicht, was ich alles für Qualitäten habe. Also, habe ich in den sauren Apfel gebissen, sämtliche Steuerbücher gelesen und nächtelang über den Formularen gebrütet. Ihr werdet jetzt vielleicht wissen wollen, warum wir überhaupt als Deutsche in Amerika Steuern zahlen. Das ist nun wieder eine Sache, die eigentlich ganz fair geregelt ist. Wenn man länger als 183 Tage im Land ist, muss man sein weltweites Einkommen in Amerika versteuern (also auch Michaels deutsche Bucheinnahmen). Dem Ami, der 183 Tage in Deutschland lebt, ergeht es genauso, das heißt er muss umgekehrt alles in Deutschland versteuern. Diese Regelung scheint ein Mensch mit gesundem Menschenverstand erfunden zu haben. Vielleicht werdet ihr euch auch wundern, dass wir die Steuererklärung nicht einfach von einem amerikanischen Steuerberater haben machen lassen. Das hätte wir gern getan, schließlich wollen die ja auch was verdienen. Aber unsere deutschen Freunde, die auch hier leben, haben uns dringend davon abgeraten, weil sich keiner mehr auskennt, sobald man sagt, man verdient auch noch in Deutschland etwas.
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