09.05.1998 Deutsch English

Die amerikanische Steuererklärung

Angelika fertigt die Steuererklärung für 1997 an
Angelika fertigt die Steuererklärung für 1997 an

(Angelika) Neben der leidigen Geschichte "Buch" hat ein zweites nicht so berauschendes Thema so manche Nachtschicht gefordert, nämlich die Abgabe unserer amerikanischen Steuererklärung. Zunächst einmal möchte ich mit einigen Vorurteilen aufräumen, die scheinbar nicht auszurotten sind: Erstens zahlt man auch in Amerika Steuern und diese sind nicht unbedingt geringer als in Deutschland. Richtig ist hingegen, dass man weniger Sozialabgaben (Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung) zahlt, wobei dabei zu bedenken ist, welchen Preis die Amerikaner dafür zahlen müssen, nämlich dass Millionen nicht krankenversichert sind und dass die Arbeitslosenversicherung und Rentenversicherung eher ein Witz sind, die einen im Notfall eben nicht genügend absichern. Zweitens ist das Ausfüllen der amerikanischen Steuererklärung mindestens genauso kompliziert wie das der deutschen, von wegen hier ist alles einfacher und weniger bürokratisch. Bei den Formularen hat man das Gefühl, der Gestalter hat den Wettbewerb mit dem Thema "Wie drücke ich einen Sachverhalt möglichst kompliziert aus, dass ihn niemand mehr versteht" mit Bravour gewonnen. Echt zum Verrücktwerden. In diesen Situationen war ich immer kurz davor, sämtliche Steuerbücher und Unterlagen aus dem Fenster zu werfen. Ich hatte nämlich dieses Jahr die ehrenvolle Aufgabe, die Unterlagen auszufüllen. Michael hatte wegen seines Buches ja eine gute Ausrede (Nächstes Jahr schreibe ich auch ein Buch!). Außerdem hat er mich mit dem Argument gelockt, dass die Tochter eines Steuerberaters so etwas ja mit links schaffen müsste und dass ich doch eh viel gewissenhafter bin als er usw. usw. Ich wusste gar nicht, was ich alles für Qualitäten habe. Also, habe ich in den sauren Apfel gebissen, sämtliche Steuerbücher gelesen und nächtelang über den Formularen gebrütet. Ihr werdet jetzt vielleicht wissen wollen, warum wir überhaupt als Deutsche in Amerika Steuern zahlen. Das ist nun wieder eine Sache, die eigentlich ganz fair geregelt ist. Wenn man länger als 183 Tage im Land ist, muss man sein weltweites Einkommen in Amerika versteuern (also auch Michaels deutsche Bucheinnahmen). Dem Ami, der 183 Tage in Deutschland lebt, ergeht es genauso, das heißt er muss umgekehrt alles in Deutschland versteuern. Diese Regelung scheint ein Mensch mit gesundem Menschenverstand erfunden zu haben. Vielleicht werdet ihr euch auch wundern, dass wir die Steuererklärung nicht einfach von einem amerikanischen Steuerberater haben machen lassen. Das hätte wir gern getan, schließlich wollen die ja auch was verdienen. Aber unsere deutschen Freunde, die auch hier leben, haben uns dringend davon abgeraten, weil sich keiner mehr auskennt, sobald man sagt, man verdient auch noch in Deutschland etwas.

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Soziale Einrichtungen in Kalifornien

(Angelika) Ansonsten bin ich dieses Semester meinem Ziel, das Fortbildungszertifikat "Kinder und die sich verändernde Familie" an der Universität Berkeley zu erhalten, wieder ein gutes Stück näher gekommen. Ich habe dieses Semester vier Kurse belegt, so dass ich ganz gut mit Arbeit eingedeckt war und bin. Zwei der Kurse haben mir ganz besonders gefallen und viel gebracht. Der eine war über sogenannte "Stepfamilies" und der andere über die sozialen Dienste, die es in Kalifornien für Familien mit Kindern gibt. Der Begriff "Stieffamilie" ("Stepfamily") hört sich für deutsche Ohren vielleicht etwas negativ an, gemeint ist einfach, dass Kinder aus verschiedenen Ehen oder Beziehungen unter einem Dach leben, weil die leiblichen Eltern sich scheiden lassen oder getrennt haben. Da in den USA bekanntlich jede zweite Ehe geschieden wird, ist das ein brandaktuelles Thema. Die Frau, die den Kurs geleitet hat, ist Familientherapeutin und selber aus einer "Stepfamily". Darüber hinaus war sie viermal verheiratet und hat somit eigene Kinder und "Stepchildren" großgezogen. In dem Kurs ging es vor allem darum, zu lernen, durch welche normalen Phasen diese neue Familie geht und wie man sie dabei professionell unterstützen kann, dass das Zusammenleben erleichert wird. In den USA gibt es schon sehr viel Forschungsergebnisse zu diesem Thema und die Kursleiterin gilt als eine Expertin diesbezüglich. Was so viel Spaß gemacht hat, war, dass diese Frau nicht nur eine hervorragende Didaktin war, sondern auch mit viel Elan und Überzeugung das Thema rübergebracht hat. Wir haben trotz des ja eigentlich ernsten Themas viel gelacht und bei mir ist ganz viel hängengeblieben, was ich für meine eigene Arbeit mitnehmen kann. Ich finde übrigens, dass dieses Thema in Deutschland noch viel zu wenig berücksichtigt wird, schließlich sind die Scheidungsraten in Deutschland ja auch nicht unbedingt geringer als hier.

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Wahlkampf für den Govaneursposten

(Angelika) Da ich ja in meinem letzen Rundbrief das Thema "Medien" aufgegriffen habe, will ich euch auch heute noch mit einigen Geschichten diesbezüglich unterhalten. Zunächst einmal herrscht nicht nur bei euch in Deutschland Wahlkampf, auch in Kalifornien wird ein neuer Gouverneur (so etwas wie ein Ministerpräsident) gewählt. Es sind drei demokratische Kandidaten im Rennen und ein Republikaner (ein Republikaner ist von der konservativen Partei; bitte nicht verwechseln mit den rechtsradikalen Republikanern in Deutschland). Nun sollte man ja meinen, dass sich die Demokraten gegen den republikanischen Kandidaten verbünden. Falsch gedacht. Die drei demokratischen Kandidaten liefern sich regelrechte Schlammschlachten im Fernsehen. In den Wahlwerbespots geht es nun nicht mehr darum, was für ein politisches Programm der einzelne hat, sondern nur noch, welche Gemeinheiten der eine über den anderen gesagt hat. Alles dies erfolgt mit Namensnennung, was in Amerika wegen der freien Meinungsäußerung nicht verboten ist. Ein echtes Affentheater. Erschreckend ist auch, dass sich jeder der Kandidaten damit brüstet, für die Todesstrafe zu sein und härter gegen Straftäter vorgehen will. Wohlgemerkt, ich spreche hier von den Demokraten, die eigentlich als liberal gelten. Sehr merkwürdig. Das ist ungefähr so, als wenn sich die Grünen plötzlich für das Senken der Benzinpreise einsetzen würden.

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Seinfeld geht zu Ende

Aus unserer Lieblingsfernsehsendung "Seinfeld"
Aus unserer Lieblingsfernsehsendung "Seinfeld"

(Angelika) Und noch ein Jahrhundert-Ereignis wird nächste Woche medientechnisch stattfinden: Die letzte Folge unserer Lieblingssendung "Seinfeld" wird nach neunjährigem Erfolg ausgestrahlt. Wer uns besucht hat, weiß, was sich hinter "Seinfeld" verbirgt, schließlich haben wir fast alle Besucher gezwungen, mindestens eine Folge mit uns anzuschauen. Für alle anderen von euch versuche ich jetzt zu erklären, was den Reiz dieser Sendung ausmacht:

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Letzte Änderung: 25-May-2024