01.08.2000 Deutsch English

Endlich Ikea

Endlich: Ein IKEA in Oakland bei San Francisco.
Endlich: Ein IKEA in Oakland bei San Francisco.

(Michael) Im November 99 hatte ich ja schon einmal berichtet, dass in Oakland, direkt auf der anderen Seite der San-Francisco-Bay, ein großer Ikea aufmachen sollte. Als Europäer kann man es sich wahrscheinlich nicht vorstellen, was es bedeutet, ohne Ikea zu leben. Und der nächste hier war 600km weiter südlich in Los Angeles! Nun, es wurde wahr, mit großem Spektakel wurde die Eröffnung angekündigt. Während der ersten paar Tage wurde jede Stunde eine Kasse ausgelost, und wer gerade dort stand, gewann seine Einkäufe, ohne etwas bezahlen zu müssen. An einem Wochenende schafften wir es dann auch einmal, dort vorbei zu schauen. Von München, wo es am Wochenende in Eching regelmäßig den sogenannten "Ikea-Stau" auf der Autobahn gibt, waren wir ja einiges gewohnt, aber so etwas hatten wir noch nicht gesehen. Der neue Ikea in Oakland ist zwar riesig groß und hat so viele Parkplätze wie ein Fußballstadion, aber die andrängende Menschenmassen waren so groß, dass Sicherheitsbeamte teilweise den Parkplatz dichtmachen mussten. Die Fahrzeuge wurden dann mit roten Hütchen auf der Straße in ein undurchsichtiges Labyrinth gelotst, an dessen Ende sie, ehe sie sich's versahen, wieder auf die Autobahn auffahren mussten. Wir kannten die Gegend, fuhren in ein benachbartes Industriegebiet und gingen zu Fuß zum Laden zurück.

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Bay to Breakers

Die Rennstrecke des Bay-To-Breakers-Laufs quer durch San Francisco.
Die Rennstrecke des Bay-To-Breakers-Laufs quer durch San Francisco.

(Michael) Wie jedes Jahr fand auch heuer im Mai der Stadtlauf "Bay to Breakers" statt, an dem euer werter Erzähler ja traditionsgemäß teilnimmt. Im Rahmen des Rundbriefs wurde ja schon einmal darüber berichtet, da aber ein Rundbriefleser, den ich hier nicht beim Namen nennen will (Günter Speckhofer, die Red.) neulich wieder mit der Frage ankam, was "Bay to Breakers" denn nun heißt, hier nochmal die Fakten: Das ist so ein lustiges Rennen, von der San Francisco Bay im Osten, quer durch die Stadt bis zum Ozean im Westen (Breakers sind die hereinbrechenden Wellen), an dem 70.000 Leute teilnehmen. Viele treten verkleidet oder in Gruppen an, die Straßen werden gesperrt.

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Amerikanisch sprechen mit den Profis

(Michael) Und hier ist wieder die Rubrik "Lerne Amerikanisch sprechen mit den Profis"! Heute geht es los mit zwei Wörtern, mit denen man hohe Tiere, Wichtigtuer und Gschaftelhuber bezeichnet: "Bigwig" (wörtlich: "Große Perücke") und, was ich gerne sage, "Muckety-Muck" (sprich: "Mackettimack", Betonung auf dem ersten "a" und dem zweiten "a"). "The big muckety-muck decided otherwise again!" -- der Chef hat sich mal wieder umentschieden. Bei Netscape haben übrigens sieben Leute aus unserer Gruppe eine Basketballmannschaft gegründet, die im Netscape-internen Turnier mitspielt und die "Muckety-Mucks" heißt. Was natürlich ironisch gemeint ist! Und, weil wir vorher von Restaurants sprachen: Schafft man sein Essen mal nicht, und möchte es mit heimnehmen, fragt man "Could you get me a doggie-bag, please?" Eine Tüte für den Hund also, auch wenn man vor hat, das Zeug später selber zu essen. Und die Bedienung wird die Reste ohne mit der Wimper zu zucken in eine kleine Styropor- oder Plastikschachtel einpacken. Daheim wird's dann meist mit der Mikrowelle am nächsten Tag aufgewärmt. Oder auch nicht! Wir haben uns das allmählich abgewöhnt, weil das im Allgemeinen dazu führt, dass das Zeug zwei Wochen im Kühlschrank vergammelt und dann mit spitzen Fingern herausgeholt und weggeworfen wird.

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US-Warenkorb

Immer wieder lustig: Touristen!
Immer wieder lustig: Touristen!

(Michael) Wir wohnen ja nun auch schon fast vier Jahre im Ausland! Immer wenn Besuch aus deutschen Landen bei uns in San Francisco eintrudelt, wird uns diese Tatsache bewusst. Ich glaube, diesen Sommer waren ungefähr 20 Leute da -- mal sehen, ob ich alle zusammenkriege: (Günter, Thomas & Helmut & Konrad, Matthias, Fritz & Traudl, Ursel & Peter, Heinz & Ursel & Bernd & Julian & Yves-Ole, Susanne, Christian, Markus).

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Was Deutsche falsch machen in Amerika

Kreditkartenabschnitt für das Lokal
Kreditkartenabschnitt für das Lokal

(Michael) Nun zu unserer neuen Rubrik: Was Deutsche immer falsch machen in Amerika. Sie setzen sich ins Restaurant, und, kommt der Kellner und fragt, was man bestellen will, sagen sie: "I take the steak". Aaah! Das entlarvt den Besteller natürlich sofort als deutschen Touristen, denn Amerikaner sagen "I'll have the Steak, please". Spätestens dann beginnt der Kellner mit seinen Kollegen zu tuscheln und mit den Augen zu rollen, denn Deutsche haben keinen guten Ruf in der amerikanischen Gastronomieszene. Grund: In Deutschland gibt's fünf Prozent Trinkgeld, wenn's hoch kommt, in Amerika erwartet der Kellner aber mindestens 15%, in besseren Restaurants sogar 20%.

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Ritschratschklick und Thump!

Der "Perlman" vor der Mission nahe der Stadt San Luis Obispo
Der "Perlman" vor der Mission nahe der Stadt San Luis Obispo

(Michael) Angelika hat im Rahmen ihrer Fotografie-Kurse festgestellt, dass traditionelle Spiegelreflexkameras keineswegs die Bildqualität liefern, die die Dame sich vorstellt, hust, hust. In der Tat gibt es sogenannte Mittelformatkameras (medium format cameras), deren Negativ 6 mal 6 (oder auch 6 mal 7, je nach Modell) Zentimeter gross ist, also etwa die vierfache Fläche herkömmlicher Filme aufweist. Dies resultiert in doppelter Auflösung und bestechender Bildqualität -- die Kameras dafür sind allerdings ziemlich wuchtig und teuer. In San Francisco gibt es aber Fotoläden, in denen man sich eine solche Kamera für nur wenig Geld übers Wochenende ausleihen kann, und das taten wir dann auch, als wir letztens für ein verlängertes Wochenende runter nach San Luis Obispo (etwa auf halber Strecke zwischen San Francisco und Los Angeles) fuhren.

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Abenteuer Spülmaschine

Die neue rollende Geschirrspülmaschine
Die neue rollende Geschirrspülmaschine

(Angelika) Und von noch einem bahnbrechenden Ereignis will ich berichten. Wir haben uns nach fast vier Jahren eine Spülmaschine gekauft. Nun werdet ihr das vielleicht für nicht allzu spannend halten, aber ich sage euch, wer weiß, wie Michael und ich das Abwaschen hassen, und wer als Besucher hautnah erleben durfte, wie sich das Geschirr bei uns stapelt und in den Abwaschturnus mit einsteigen musste, wird sich nicht nur mit uns freuen, sondern uns auf Knien danken. He, stoppt das Augenrollen und Lästern. Jetzt kommt nämlich der lustige Teil der Geschichte. In unserer Küche ist es nämlich unmöglich, eine Geschirrspülmaschine einzubauen, weil die Schränke neben der Spüle so eingebaut sind, dass man sie nicht einen Zentimeter bewegen kann. Dies scheint übrigens ein sehr gängiges Problem in amerikanischen Mietwohnungen zu sein, denn es gibt rollende Geschirrspülmaschinen zu kaufen. Vielleicht könnt ihr euch darunter jetzt nichts vorstellen, aber wie der Name schon sagt, rollt man die Geschirrspülmaschine an die Spüle, schließt sie da an den Wasserhahn an, und los geht es. Das ist natürlich nicht gerade die eleganteste Lösung der Welt, da man die Maschine dann mitten im Weg rumstehen hat und in unserem Fall, da unsere Küche so klein ist, weder an den Kühlschrank geschweige denn an irgendwelche Schränke gelangt, wenn sie in Betrieb ist. Ja, lacht nur, ich frage mich auch täglich, wie es sein kann, dass man sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten manchmal ins Steinzeitalter versetzt fühlt, aber wir nehmen alles in Kauf, wenn wir nur nicht mehr abwaschen müssen. Zur Maschine sind wir übrigens durch Michaels Arbeitskollegen und Freund Greg gelangt. Der ist nämlich von Mountain View nach San Francisco gezogen und, oh Wunder, in seiner neuen Wohnung war bereits eine Spülmaschine eingebaut. So bot er uns seine rollende zum Verkauf an. Da er uns versicherte, dass sie leise ist und nicht das ganze Haus in Vibration versetzt (Das war unsere Angst, die uns bisher vom Kauf abgehalten hatte -- ihr wisst ja, wir wohnen in einem Holzhaus und die Nachbarin unter uns ist eine meckernde Ziege.), sind wir nun wieder stolze Besitzer einer Geschirrspülmaschine. HURRA!!!

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Mietbedingungen in San Francisco

(Angelika) Michael hat sich ja die Mühe gemacht und euch mit einem Warenkorb beglückt. Vielleicht habt ihr dabei im ersten Moment gedacht, bei dem Preis von $2000 für eine Zweizimmerwohnung in unserem Viertel handelt es sich um einen Druckfehler. Schön wär's! Nein, die schwindelerregend hohen Mieten sind leider bittere Realität in San Francisco.

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Letzte Änderung: 25-May-2024