20.11.1999 Deutsch English

Tahiti

Over-Water-Bungalows auf Tahiti
Over-Water-Bungalows auf Tahiti

Michael Wir sind zurück! Eine Woche Erholungsurlaub auf Tahiti, da gibt's wieder einiges zu berichten, da werd's spitzen! Wir Ärmsten haben ja nur zwei Wochen Urlaub im Jahr, da kann man schon mal auf den Putz hauen: Ein auf Pfählen ins Wasser einer Lagune mit türkisblauem Wasser gebauter Bungalow musste es dann schon sein (Abbildung 1). Links oben im Bild seht ihr den Rand der Lagune, da brechen sich die Wellen des Süd-Pazifiks. Tahiti liegt knapp unterhalb des Äquators und längengradmäßig zwei Stunden von der Datumsgrenze entfernt, wo 1789 die Meuterei auf der Bounty ausbrach (Abbildung 2).

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Steuern und Sozialversicherungen in den USA

Steuern in Amerika
Steuern in Amerika

(Michael) Zurück im rauhen Alltag! Was ich schon immer mal loswerden wollte: Auch in Amerika zahlt man Steuern, und das nicht zu knapp! In Deutschland schielt jeder nach USA und jammert: Oh mei, oh mei, wie viel Steuern muss ich zahlen! Und wie kompliziert ist der Jahressteuerausgleich! Do driam is ois fui bessa und dausndmoi oafocha! Aber ich sage euch: Wer einmal ein 1040-Formular der amerikanischen Steuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) ausgefüllt hat, wird nie wieder über die deutsche Steuer jammern. Zwar gibt sich die Behörde zeitgemäß und stellt die Formulare auf dem Internet bereit, von wo man sie runterladen und daheim ausdrucken kann, aber sieht man sich diese näher an, kommt man zu dem Schluss, dass das IRS extra Verrückte beschäftigt, die sich diese Monster ausdenken.

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Religionsfreiheit

Wunderheiler Benny Hinn
Wunderheiler Benny Hinn

(Michael) Ach ja, und Kirchensteuer gibt's keine, da Staat und Religion streng getrennt sind. Wenn ich in der Arbeit erzähle, dass in Deutschland die Kirchensteuer automatisch vom Gehalt abgezogen wird, wenn man nicht explizit aus der Kirche austritt, ernte ich ungläubiges Staunen. Amerika behandelt übrigens auch alle Religionen gleich. Eine meiner Lieblings-Fernsehsendungen sind die Übertragungen eines Fernsehpredigers namens Benny Hinn.

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Möbel

(Michael) Womit wir immer noch Schwierigkeiten haben, ist, passende Möbel für unsere Wohnung zu finden. Es gibt hier in Amerika zwei Stilrichtungen: Einmal den rustikalen mit Vier-Meter-Eichen-Schrankwand und Ledercouch oder Sachen der Marke Billig-Klump. Ich neige ja eher zu letzterem, wohingegen Angelika auch gerne mal schönere Sachen um sich hat. Wir leben ja noch immer von heute auf morgen, weil wir nie wissen, ob wir nicht urplötzlich mal überstürzt abreisen müssen und dann hätten wir den ganzen Krempel teuer zu verschiffen. Halt, eine Stilrichtung habe ich noch vergessen: Den 1000-Dollar-Schrank-aber-die-Türen-gehen-nicht-richtig-zu-Stil, der besonders in neumodischen Yuppie-Geschäften vertrieben wird. So ist es uns bis jetzt nicht gelungen, ein dringend benötigtes Regal zu kaufen -- doch es ist Hoffnung in Sicht: Im Frühjahr 2000 soll in Berkeley ein riesiger IKEA aufmachen! Mann, ich kann's nicht erwarten.

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Neuer Fernseh

(Michael) Unser Fernseh' hatte nach drei Jahren einige schwere Macken, so beliebte es ihm, nur noch die Programme 7 bis 50 darzustellen. Nachdem in Amerika aber in den oberen Kanälen nur Schrott und Verkaufsshows kommen, während die interessanten Dinge in den unteren Kanälen (so auch unsere Lieblingsshow "Seinfeld") laufen, standen wir vor dem Dilemma, ihn reparieren zu lassen, was hier recht schwierig ist, da gute Handwerker rar sind, oder uns ganz der amerikanischen Wegwerfgesellschaft hinzugeben und einen neuen zu kaufen. Als Angelika in Portland war, nutzte ich die Gunst der Stunde, und fuhr die Elektronik-Supermärkte des Silicon-Valley nach dem günstigsten Angebot ab. Einmal, bei "The Good Guys" nahm der Verkäufer schon meinen Namen und Adresse entgegen, um darauf zu behaupten, der von mir georderte Fernseher wäre nicht vorrätig. Von dem supergünstigen Angebot wären heute nur 3 verfügbar gewesen, und zwar für alle Filialen im ganzen Silicon Valley. Das Modell könne erst in 3 Wochen geliefert werden, aber er würde mir gerne die teueren Modelle vorführen. Denkste Puppe, dachte ich und verließ den Laden.

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Fitness-Studio

(Michael) Da ich auch nicht mehr der Jüngste bin und angeblich, wie mir Angelika immer wieder einzureden versucht, Fett ansetze, habe ich mich eines samstags ins Auto gesetzt und kurzerhand beim Fitness-Center angemeldet. 24-Hour-Fitness heißt der Laden, eine Kette, die in vielen Städten der USA vertreten ist und, wie der Name sagt, 24 Stunden am Tag geöffnet ist. Man könnte also auch nachts um Drei Gewichte heben, wenn man das wollte, das war mir wichtig, haha. Ich bin ja fitnessmäßig überhaupt nicht auf dem Laufenden und es ist ja wirklich erstaunlich, wie computerisiert die Gerätschaften heutzutage sind. Im Center stehen Hunderte von Geräten rum, es gibt die guten alten Gymnastikfahrräder auf denen man rumstrampelt, aber die sind natürlich heute alle computergesteuert. Wenn man sich auf ein Gerät draufsetzt, muss man zunächst sein Alter und die gewünschte Herzfrequenz eingeben, dann strampelt man los und der Computer macht das Fahrradfahren gerade so schwer, dass der Puls, der mit raffinierter Technik über die Hände, die Griffe umfassen, gemessen wird, nach einer Aufwärmphase langsam ansteigt, die eingestellte Höchstmarke erreicht und die eingestellte Zeitspanne hält und nicht überschreitet. Auf den Skalen rattern dann, während man strampelt, unzählige Messwerte vorbei: Wieviele Kalorien pro Stunde man jetzt genau verbrennt, wieviele Meilen man schon gefahren ist usw. Weiter gibt's die Stepmaster, wo einem eine Rolltreppe entgegenkommt und man hochlaufen muss, auch alles computergesteuert. Stepper, wo man auf zwei Pedalen steht, und auch wie auf einer Treppe hochläuft, da kann man dem Computer richtige Gebirgstrecken vorgeben, wo steile Passagen sich mit flacheren abwechseln.

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Rätsellösung

(Angelika) So, jetzt bin ich aber auch einmal dran. Zunächst will ich den glücklichen Gewinner unseres letzten Quizzes bekanntgeben. Wir gratulieren herzlich Martin Weishaupt, der zielsicher und schnell alle bewohnten Inseln Hawaiis benennnen konnte (Hawaii oder Big Island, Maui, Kauai, Molokai, Oahu, Lanai, Niihau) und sich somit ein echtes Surfer-T-Shirt von der Firma Quiksilver sicherte. Und auch dieses Mal wollen wir wieder eure Weltoffenheit auf die Probe stellen. Unsere Quizfrage lautet nämlich: Wie sagt man auf tahitianisch "danke"? Wer das Rätsel knackt, bekommt ein Geschenk ins Haus, das euch Silvester verschönern wird, denn schließlich ist es ja nicht mehr weit bis zum Jahr 2000 - oh, Schreck. Bis dahin muss ich aber noch zwei Abschlussprojekte für meine Fotokurse fertigstellen (für beide Kurse jeweils 10 Fotos, perfekt vergrößert, retouchiert und mit einem Passepartout versehen), zwei dieser "Meisterwerke" (hm ja) werden nämlich wieder von Januar bis Februar in den Hallen der Universität Berkeley Extension in San Francisco ausgestellt.

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Fotostunde

(Angelika) Mittlerweile werde ich dort nur noch als "Egglady" ("Eierdame") gehandelt, da sieben meiner Stillleben mit Eiern ausgestellt worden sind (ich hatte davon in dem letzten Rundbrief berichtet). Das Problem ist nur, dass ich meine Eierphase überwunden habe und auf Selbstportraits umgestiegen bin. Mal sehen, was sich daraus für ein Spitzname ergeben wird. Auch in meinem Monitorjob in der Dunkelkammer gehe ich nach wie vor auf. Es macht viel Spass und ist insofern ideal, als ich meine Fotografier- und Lehrleidenschaft verbinden kann. Natürlich gehe ich nach wie vor zweimal die Woche ins Tenderloin zu den Kindern (einige von euch haben danach in ihren Briefen gefragt), schließlich bin ich vor den Sommerferien zum Volunteer Nummer 1 gewählt worden, so etwas verpflichtet.

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Bürgermeisterwahl in San Francisco

(Angelika) San Francisco stand übrigens in den letzten Wochen ganz unter dem Einfluss der Bürgermeisterwahl und dazu gibt es einiges Interessantes anzumerken. Wie ihr vielleicht wisst, war und ist Willie Brown Bürgermeister von San Francisco. Er ist Mitglied der amerikanischen demokratischen Partei, was die liberalere, "linkere" Partei Amerikas ist. Nun muss man wissen, dass in San Francisco alle Kandidaten, die aufgestellt waren, der demokratischen Partei angehören, ein Republikaner (das ist die konservative Partei in Amerika, aber bitte nicht mit unseren Republikanern verwechseln) hätte in dem liberalen Klima der Stadt von vornherein keine Chance. Da viele Leute in San Francisco ziemlich unzufrieden mit Willie Brown waren, da er das Obdachlosenproblem und das Problem des öffentlichen Verkehrssystem mit dem Namen "MUNI" nicht in den Griff bekommen hat und außerdem als korrupt gilt, war die Stadt sehr im Wahlkampffieber.

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Letzte Änderung: 22-Jan-2025