04.07.1998 Deutsch English

Die Freuden der Autofahrer in San Francisco

(Michael) Da bleibt auch wieder Zeit, am Wochenende fortzufahren! Wir haben zwar immer noch kein Auto, aber unser Freund Peter, der fünf Straßen weiter wohnt und in Besitz eines Voyager Minivans ist, verweilt gerade in Deutschland. Nun ist es so, dass man ein Auto in San Francisco nicht einfach ein paar Wochen auf der Straße parken kann: Jede Straße wird an einem anderen Wochentag gekehrt, zu einer Uhrzeit, die ein entsprechendes Straßenschild ausweist. Steht zum Kehrtermin in dieser Straße auf der entsprechenden Straßenseite ein Auto, fährt -- das ist nicht das Problem -- das Kehrauto einfach drumherum, aber leider wird dieses stets von einem Strafzettel-Mann begleitet, der gnadenlos 25-Dollar-Geldbußen verhängt! Momentan haben wir also die Ehre, Peters Auto dauernd umzuparken, und -- als praktischen Nebeneffekt: Einen fahrbaren Untersatz. So waren wir letztes Wochenende in Half-Moon-Bay am Strand und dieses Wochenende am Point Reyes, sehr schön! Leider hat Peters Karre eine Macke: Steht man im Stau, fängt sie an, aus dem Auspuff zu qualmen. Nun muss man wissen, dass die Amerikaner sehr großen Wert auf geringe Emissionswerte legen, so hatte man hier schon Katalysatoren serienmäßig als man in Deutschland das Wort noch gar nicht kannte. Stinkenden Autos wird kurzer Prozeß gemacht: Jeder, der eines sieht, kann eine kostenlose 1-800-Telefonnummer anrufen und das Auto "melden" -- der Eigentümer kriegt dann ein Formular vom Verkehrsamt (DMV) zugeschickt, auf dem er ankreuzen muss, ob er a) zur angegebenen Zeit gar nicht am angegebenen Ort war, das Ganze also offensichtlich ein Irrtum ist, oder b) das Auto schon repariert wurde. Fährt man durch Arme-Leute-Viertel wie die "Mission" bei uns um die Ecke, schert das natürlich niemand, da qualmt jedes Auto, ist man allerdings in "Tiburon", "Sausalito" oder "Palo Alto", wo die ganzen Vorstadt-Schnösel wohnen, kriegt man "Meldungen" am laufenden Band, drei hat allein der Peter schon bekommen. Langsam, wird's auffällig, immer a) anzukreuzen! Am Wochenende haben wir deswegen krampfhaft versucht, jeglichen Stau zu meiden und sind extra hundert Kilometer Umweg gefahren, nur um das Auto nicht qualmen zu lassen. Ja, wir denken mittlerweile auch über ein eigenes Auto nach!

Abbildung [1]: Die kostenlose 1-800-Nummer, mit der man stinkende Autos melden kann.

Nach wie vor fahre ich ja mit dem Fahrrad und dem Zug zur Arbeit, und als ich neulich in San Mateo wieder den Berg hinaufgestrampelt bin, ein Lieferwagen mich überholte und es einen dumpfen Knall gab, wäre ich fast erschrocken! Dann sah ich, dass das der Zeitungsjunge ist, der mit Tempo 20 km/h an den Bungalows vorbeifährt und im Fahren die in Plastikhüllen eingeschweißten Tageszeitungen im 5-Sekunden-Takt in die Einfahrten wirft. Wroom -- Tok! Wrooom -- Tok! Wroom -- Tok! Nachdem der Ami keinen Wert darauf legt, die Zeitung im Briefkasten zu haben, und es ihn nicht stört, dass die Zeitung so mal halb unterm geparkten Auto, mal beim liegengelassenen Kinderspielzeug landet, schafft der Zeitungsjunge einen Schnitt von 12 Zeitungen pro Minute. Clever!


 
 
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Letzte Änderung: 10-Jul-2026