01.06.1997 Deutsch English

Finanzkrise in der Firma

Michael setzt dem bösen Blick auf, weil er beim Arbeiten unterbrochen wurde
Michael setzt dem bösen Blick auf, weil er beim Arbeiten unterbrochen wurde

(Angelika) Die Firma für die Michael arbeitet, hat nämlich gerade ihr Büro in San Francisco geschlossen. Aber ich muss dafür etwas weiter ausholen, sonst versteht mich ja kein Mensch.

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Urlaub auf Kauai/Hawaii

Am Strand von Kauai
Am Strand von Kauai

(Angelika) Nach diesen unsicheren und aufregenden Zeiten sind wir deshalb ersteinmal kurzentschlossen für eine Woche nach Hawaii geflogen. Wir hatten uns für die eine Woche die Insel Kauai ausgesucht, da diese als nicht so touristisch gilt. Und es war wirklich paradiesisch schön: lange weiße Sandstrände, tolles Wetter, ein Ozean mit warmem Wasser und guten Wellen, üppig grüne Vegetation, eine phantastische Landschaft, ein nettes Hotel und freundliche Insulaner. Michael hat sich natürlich im Surfen versucht, ist aber doch an den Wellen gescheitert, was ihn besonders frustriert hat, da die zwölfjährigen Jungs mit Leichtigkeit die Wellen genommen haben. Ich war hingegen froh, dass ich nicht David Hasselhof von Baywatch zum Retten holen musste. Und ich sage euch, dass sah schon manchmal ziemlich gefährlich aus, wenn Michael von den Wellen herumgewirbelt wurde.

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Immigranten-Gedanken

Teilnehmer des Englischkurses am City-College
Teilnehmer des Englischkurses am City-College

(Angelika) Gestern ging übrigens mein erster Englischkurs mit einer Party zu Ende. Und da in dem Kurs zu 95% Lateinamerikaner sind, ging es richtig ab. Es wurde zu heißen Rhythmen getanzt und keiner ist sitzengeblieben. Überhaupt hat mir der Kurs nicht nur geholfen, Englisch zu lernen, sondern ich habe wahnsinnig viel über andere Länder erfahren und wie das Leben als Immigrant in den USA ist. Um euch eine kleine Kostprobe davon zu geben, was wir in dem Kurs gemacht haben, schicke ich euch zwei Texte mit, die in der eigenen College-Zeitung veröffentlicht worden sind. Wir hatten die Aufgabe, über unsere Träume zu schreiben. Ein Text ist von mir und einer von einer Klassenkameradin aus Nicaragua. Der Text von Maria zeigt auch gut, wie das Leben hier als Immigrant sein kann und mit was für unterschiedlichen Erfahrungen und Vorstellungen jeder einzene in die USA kommt.

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Englisch sprechen und verstehen

(Angelika) Apropos Englisch, viele fragen mich immer wieder, ob mein Englisch schon perfekt ist. Ich würde es so sagen, vieles fällt mir leichter (z.B. das Telefonieren), ich verstehe jetzt auch kompliziertere Sachen und ich muss nicht mehr solange überlegen, wenn ich etwas sagen will. Trotzdem stoße ich auch immer wieder an meine sprachliche Grenzen, vor allen Dingen wenn man sich auf einem höheren Niveau unterhalten will. Auch witzig zu sein ist in einer anderen Sprache ziemlich schwierig. Ich denke aber, dass dies normal ist; schließlich spreche ich Deutsch doch schon etwas länger als Englisch. Was mir schon auffällt, ist, dass mir vieles, was ich in der Schule gelernt habe, wieder einfällt (z.B. Grammatik), auch das Schreiben von kleinen Texten klappt wieder ganz gut, das Sprechen fällt mir immer noch am Schwersten, aber das war schon in der Schule so. Ein großes Problem ist auch, dass ich mich oft nicht traue oder Sachen viel zu kompliziert ausdrücken will. Na ja, ich habe ja noch viel Zeit zum Üben. Ab Montag gehe ich ersteinmal in einen vierwöchigen Englisch-Sommerkurs an meinem City-College und dann ist hier ersteinmal alles zu wegen der Sommerferien. Ab 26. Juni bin ich dann in Deutschland. Ich lande zunächst in München und werde dort bis zum 5. Juli bleiben. Ab 5.7. bin ich dann bis zum 22.7. in Oldenburg. Wer mich also sehen möchte, merke sich diese Termine vor.

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Trinkgeld

(Angelika) Zunächst ist da das Thema "Trinkgeld" zu erwähnen. Geht man in Amerika auf Reisen, sollte man stets ein ganzes Bündel von Ein-Dollarnoten bei sich tragen, da der Kofferträger im Hotel, das Zimmermädchen usw. dafür sorgen werden, dass dieses Bündel möglichst schnell schrumpft. Aber auch sonst ist es eine absolute Todsünde, kein Trinkgeld zu geben. Das liegt daran, dass z.B. die Bedienung oder der Frisör ein so niedriges Grundgehalt haben, dass sie ohne das zusätzliche Trinkgeld nicht überleben können. Ist der Service also gut, was in Amerika in der Regel immer der Fall ist, gibt man mindestens 15% Trinkgeld, ist der Service spitze, auch 20%. Ich sage euch, in Amerika beruft man sich wieder auf das gute, alte Kopfrechnen. In Kalifornien gibt es allerdings einen ganz einfachen Trick, da die Verkaufssteuer (d.h. was bei uns die Mehrwertsteuer ist) 7,5% beträgt, braucht man nur die einzeln ausgewiesene Verkaufssteuer zu verdoppeln und schon hat man seine 15% ausgerechnet. Aber Vorsicht; da die Steuer in jedem Bundesstaat der USA anders ist (z.B. in Hawaii beträgt sie nur 3%), kann man diesen Trick nicht blind anwenden. Die Verkaufssteuer (sales tax) wird übrigens immer erst beim Bezahlen auf den Preis aufgeschlagen, was dazuführt, dass man wegen der meist krummen Beträge nie so schnell ausrechnen kann, was man eigentlich bezahlen muss und somit nie das passende Kleingeld bereit hat, das heißt man läuft mit einer Unmenge an Kleingeld herum, was man eh nicht wieder los wird aus den eben erwähnten Gründen.

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Schlussverkauf

(Angelika) Bezüglich des Verkaufens gibt es übrigens noch ein weiteres "Naturgesetz", nämlich dass es andauernd irgendwelche Sonderangebote und so etwas wie bei uns Schlussverkäufe gibt, die dann die lustigsten Namen und Anlässe haben. Das große Kaufhaus Macy's hat z.B. in regelmäßigen Abständen den sogenannten "White Flower Sale". Dabei gibt es nicht etwa, wie der Name vermuten ließe, weiße Blumen im Sonderangebot, sondern alles Mögliche. Ich habe bis jetzt immer noch nicht herausgefunden, ob die Bezeichnung einen tieferen Sinn hat. Überhaupt sind die Amerikaner recht erfinderisch, um Kunden zu fangen oder zu behalten. Kauft man in einem Laden bestimmte Sachen immer wieder ein, bekommt man z.B. so etwas wie Bonuspunkte. So bekomme ich z.B. für jede Glückwunschkarte, die ich in meinem Schreibwarengeschäft kaufe, einen Stempel. Habe ich 25 Stempel gesammelt, erhalte ich bei meinem nächsten Kartenkauf 5 Dollar Rabatt. Am lustigsten finde ich aber die Coupons. Diese befinden sich meist in Prospekten, die der Tageszeitung beiliegen oder man bekommt ganze Couponhefte als Wurfsendung mit der Post. Ein Coupon steht meist für ein bestimmtes Produkt z.B. Zahnpasta von Colgate. Kauft man bei seinem nächsten Einkauf diese Marke und legt den Coupon an der Supermarktkasse vor, erhält man ebenfalls einen Preisnachlass oder man wird animiert, zwei Zahnpastatuben zu kaufen, um dann eine umsonst zu bekommen (auf Englisch liest sich das wie folgt: "Buy two, get one free!"). Es gibt da wirklich die tollsten Varianten.

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Anti-Raucher-Kampagnen

Anti-Raucher-Werbung
Anti-Raucher-Werbung

(Angelika) Ein weiteres unerschöpfliches Thema ist hier nach wie vor das Thema "Rauchen", was sich mittlerweile zum richtigen Krieg zwischen Rauchern und Nichtrauchern entwickelt hat. In öffentlichen Gebäuden wie z.B. Flughäfen darf man schon lange nicht mehr zur Zigarette greifen, ebenso in Büros. Das, denke ich, ist noch vergleichbar mit deutschen Verhältnissen. Aber seit neustem gibt es auch keine Raucherzonen in Restaurants mehr, das heißt überall, wo Essen serviert wird, darf gar nicht mehr geraucht werden. Die Raucher können nur noch auf Bars oder die Straße ausweichen, aber in San Francisco wurden bereits Vorstöße gemacht, dass auch in Bars nicht mehr geraucht werden darf, was dann allerdings doch die Raucher und einige liberalere Nichtraucher hat aufbegehren lassen, so dass man es noch nicht durchsetzen konnte. Einige Politiker diskutieren auch allen Ernstes, dass das Rauchen auf der Straße verboten werden soll. Mittlerweile gibt es auch verschiedene Gegenreklamen zur Zigarettenwerbung, so gibt es z.B. ein Plakat mit den Marlboro- Cowboys, wo der eine dem anderen von seinem Lungenödem erzählt. Raucher sieht man meist nur noch verstohlen in der Ecke stehen. Mich erinnert das oft an Jugendliche, die heimlich rauchen. Obwohl ich selber Nichtraucherin bin und die Luft in den Restaurants sehr genieße, amüsiert mich doch die Verbissenheit, mit der das Thema diskutiert wird. Da werden Schadensersatzklagen gegen Zigarettenhersteller geführt, weil Raucher erkrankt sind. Ich halte das doch etwas für übertrieben, denn schließlich wird ja keiner gezwungen zu rauchen. Überhaupt kann ich nicht nachvollziehen, wie in einem Land, in dem es riesige Proteste gibt, wenn die Waffenfreiheit eingeschränkt werden soll, auf der anderen Seite Raucher fast wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden, die uns den sicheren Tod bringen werden. Schließlich würde ich behaupten, dass hier mehr Menschen Opfer einer Waffe werden als Opfer des passiven Rauchens. Bezüglich der Waffen scheint dann doch wieder die alte Cowboymentalität durchzukommen. Und zum Abschluss dieses Themas noch ein Zitat des Piloten bei unserer Landung in San Francisco nach unserem Trip nach Las Vegas. Er informierte uns, dass in San Francisco nicht geraucht werden darf. Er meinte natürlich nur den Flughafen, obwohl seine Aussage den Nagel auf den Kopf getroffen hat. So, das waren für heute die Alltagsgeschichten. Bevor ich den Brief beende, möchte ich euch aber noch mit zwei weiteren Dingen unterhalten:

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Golf

(Angelika) Zunächst einmal hat Michael das Golfspielen entdeckt. Das liegt natürlich daran, dass Golfspielen hier eher ein Sport für jedermann ist und somit auch nicht astronomische Summen kostet. Auf jeden Fall geht er jetzt jede Woche zum Golfspielen und findet es großartig. Letzte Woche kam er gleich mit lauter Schwielen an den Händen zurück. Nun versucht er, mich auch zum Spielen zu bewegen, aber irgendwie kann ich mich noch nicht so richtig mit diesem Gedanken anfreunden. Ich habe einfach noch nicht verstanden, was so toll daran ist, einen Ball über die grüne Wiese zu schießen, um ihn dann irgendwann in ein Loch zu verfrachten. Ja ja, die höheren Weihen des Golfens!

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Die Glide-Memorial-Church

(Angelika) Und zum guten Schluss möchte ich euch noch kurz von unserem Gottesdienstbesuch in der Glide Memorial Church in San Francisco berichten. Die Kirche befindet sich zunächst einmal in einem ziemlich schlechtem Viertel in San Francisco. Das hat uns aber trotzdem nicht davon abgehalten, uns dort eines sonntags hinzubegeben. Und ihr könnt euch echt nicht vorstellen, wie es in dem Gottesdienst abging. Zunächst einmal sang der total peppige Gospelchor, wobei die Gottesdienstbesucher im Takt mitklatschten und tanzten. Die Predigt des schwarzen Pfarrers wurde immer wieder durch enthusiastische Zwischenrufe unterbrochen wie "Amen" oder "Yes, he is right!" und war auch so ziemlich lebendig und modern. Die Gottesdienstbesucher hatten alle möglichen Hautfarben, kamen aus unterschiedlichsten Bildungsschichten und Religionen und jedes Alter war vertreten. Ich bin mir nicht sicher, ob jedem von euch so eine Art "Show" gefallen würde, aber wir haben uns wohlgefühlt. Irgendwie war in dem Gottesdienst das San Francisco vertreten, das Michael und mir besonders gefällt: "Liberal, lebendig, farbenfroh!" Die Gemeinde ist übrigens nicht nur wegen ihrer extravaganten Gottesdienste sondern wegen ihres sozialen Engagements bekannt. Da in dem Viertel, in dem sich die Kirche befindet, die Obdachlosen-, Drogen- und Gewaltproblematik sehr stark präsent ist, gibt die Gemeinde nicht nur drei Mahlzeiten pro Tag an bis zu 3500 Personen aus, sondern hat auch eine Tageseinrichtung für Kinder, Computerkurse, um die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, Programme gegen Drogen und Aids, Projekte zur Reduzierung der Gewalt in den Familien usw. Die Gemeinde arbeitet viel mit Freiwilligen (bis zu 5000 pro Jahr) und ich bin stark am überlegen, ob ich mich nicht für den vorschulischen Bereich melde, in dem Kinder aus schwierigen Familien täglich betreut werden. Aber zunächst steht ja ersteinmal mein Deutschlandbesuch an.

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Letzte Änderung: 25-May-2024