1.11.2000 Deutsch English

South Point

Abbildung [1]: Zwei rabiate Jugendliche springen die 12 Meter hohen Klippen runter

Auf einen mittlerweile erloschenen Vulkan mit dem Namen Mauna Kea kann man mit dem Auto hochfahren. Dort hinauf führt nur eine ziemlich steile, ungeteerte Straße und nur eine einzige lokale Autovermietung (Harper) erlaubt es, die Tour mit den von ihr vermieteten "Toyota Four-Runners" (Vierradgetriebene Sport-Utility-Vehicles) in Angriff zu nehmen. Alle anderen in Amerika bekannten Autovermietungen (Dollar, Alamo, Avis) untersagen im Mietvertrag die Benutzung dieser Straße. Was sich als total lächerlich herausstellte, denn die Straße war zwar tatsächlich ungeteert, aber bestens in Schuss, breit wie eine Autobahn und gegen die 3000km australischer Wüste, die wir vor einigen Jahren in einem Landcruiser zurückgelegt haben, ein Klacks. Die Autovermietung knöpfte uns dann noch 22 Dollar pro Tag für eine Vollkasko-Versicherung ab, die eine Selbstbeteiligung von $5000 aufwies. Manchmal spinnen die Amis echt.

Abbildung [2]: Auf dem Weg zum Gipfel des Vulkans. Am Steuer Michael "Schumi" Schilli

Das schöne an der Fahrt ist freilich, dass man von Meereshöhe in einer halben Stunde auf 4000m hochfährt. Die Sonnenmilchflasche im Auto pumpte es auf wie einen Ballon! Warum? Hier kommt die Antwort aus "Kinder fragen, Nobelpreisträger antworten": Also, Kinder ... das kommt von den, ähm, Molekülen. Die Sonnenmilchmoleküle befinden sich in einem luftdicht abschlossenen Behälter, der Sonnenmilchflasche. Und die Luft in 4000m Höhe ist viel dünner als auf Meereshöhe, weil wir ja schon fast im Weltraum sind, nicht wahr! Deswegen drücken die Luftmoleküle von außen nicht mehr streng auf die Sonnenmilchflasche. In der halbleeren Sonnenmilchflasche sind aber auch noch andere Luftmoleküle, die dort hineingelangten, als wir uns unten am Berg einschmierten. Weil die Flasche hermetisch verschlossen ist, herrscht dort auch am Gipfel immer noch der stärkere Meereshöhenluftdruck. Deswegen führen sich die Luftmolekühle in der Flasche auf wie ein warmes Weißbier, schreien "Boah, ist das eng hier!" und blasen die Flasche auf. Öffnet man den Verschluss, gleicht sich alles mit einem Pfft! wieder aus.

Abbildung [3]: Die 4000 Meter Höhendifferenz blasen sogar die Sonnenmilch von innen auf

Auch den Tank im Auto soll man auf halber Höhe einmal entlüften. Warum, das sollen unsere Schulkinder als Hausaufgabe herausfinden. Explodierte Autos sahen wir allerdings keine. Oben auf dem Berg stehen einige imposante Sternwarten von der NASA und so, weil man über den Wolken in der total klaren Hawaii-Luft die Sterne ungetrübt genießen kann. Außerdem gibt es auf der ganzen Insel nur schwache gelbe Straßenlampen, um die Sterngucker nicht zu beeinträchtigen. Na, dafür zahl' ich gerne Steuern ...

Abbildung [4]: Auf dem Vulkan: Die Sternwarte der NASA
Abbildung [5]: Oben: Über den Wolken. Und keinen Meter zu Fuß!

Unten schlägt die Vegetation wegen des warmen und zugleich feuchten Klimas natürlich total über die Stränge: Urwaldartige Bäume, riesige Farne (auf der Insel Kauwai wurde der Film "Jurassic Park" gedreht) und tropische Früchte hängen an den Bäumen. Auf einem Markt haben wir kleine, frisch gepflückte Bananen gekauft und, mein Lieblingsessen: Passionsfrüchte, süß und zugleich so sauer, dass einem die Augen in den Höhlen herumhüpfen. Natürlich auch Ananas, Mango, Guave und Avocado. Wieder daheim, haben wir uns übrigens den Film "Molokai" aus der Videothek ausgeliehen. Der spielt auf der Nachbarinsel, auf der wir vor zwei Jahren waren. Und wir staunten nicht schlecht, als wir sahen, dass einer der Schauspieler im Film damals unser Fremdenführer war! (Wen's interessiert, der Typ heißt Richard Marx).

Übrigens sprechen die Hawaiianer Hawaii nicht "Hawaii", sondern "Hawa-i" aus. Zuerst das "Hawa", dann eine Zehntelsekunde Pause und dann das "i". In der Pause ist tatsächlich Funkstille, das "a" wird unterbrochen. Dasselbe gilt für die anderen Inseln, es heißt "Moloka-i", "Kawa-i" und so weiter. Aber als die Stewardess unseren Flug aufrief, sagte sie "Hawaiian Airlines" ohne Pause! Nur mit Mühe hielt mich Angelika davon ab, "Excuse me, actually it's pronounced 'Hawa-ii-an Airlines'" zu sagen!

Abbildung [6]: Die Blätter im hawaiianischen Urwald sind größer als sonstwo

Auch im Urlaub muss man einkaufen. Ein Wässerlein hier, ein Sektlein da. Warum nicht im selben Supermarkt wie daheim? In Amerika gibt es dieses Phänomen, dass man, egal wo man ist, immer auf die gleichen Ketten stößt: Den "Starbucks"-Kaffeeladen. Die Imbissbuden "McDonald's", "Wendy's", "Burger King", "Denny's" und "Taco Bell". Die Pizza-Läden "Roundtable" und "Pizza Hut". Den "Safeway" (Lebensmittel). Den "Good Guys" (Elektronik). Und natürlich den "Home Depot" (Heimwerker). Letzterer hat übrigens in San Francisco neuerdings 24 Stunden am Tag auf, damit man auch, wenn man nachts um 2 feststellt, dass man keinen passenden Schraubenschlüssel hat, schnell mit einem 24er-Satz nachrüsten kann. Ein Thema, über das man sich auch in Deutschland nicht scheuen sollte, nachzudenken!


 
 
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Letzte Änderung: 15-Jun-2026