Mike Schilli Angelika Schilli
Zwei Deutsche in San Francisco
und ihre Sicht der Welt.

  Rundbrief Nummer 37  
San Francisco, den 24.03.2002

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Schon öfter habe ich geschrieben, dass es in den USA ganz wichtig ist, auf's Geld zu schauen. Es ist hier eine Art Volkssport, Waren immer dort zu kaufen, wo sie am billigsten sind, auch wenn's manchmal etwas umständlich ist. So senden zum Beispiel die Supermärkte hier laufend Werbung raus, an der sogenannte "Coupons" heften. Legt man den Coupon im Laden vor, kriegt man die Ware zum offerierten Preis, kauft man sie ohne Coupon, zahlt man mehr. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wieviele Leute tatsächlich die Coupons aus der Zeitung ausschneiden, im Supermarkt vorlegen und dann einen Dollar sparen, wenn sie 3 Packungen des angepriesenen Produkts kaufen. Das ist in den USA ganz normal und man wird keineswegs schief angesehen, wenn man an der Kasse 20 zusammengesammelte Coupons abgibt. Außer natürlich, derjenige hat das Pech, dass ich weiter hinten in der Schlange stehe -- ich bin der, der provozierend ausatmet und mit den Augen rollt. Auf den Coupons sind Barcodes und die Kassencomputer sind so schlau, dass sie, wenn sie die Coupons einscannen, den richtigen Rabatt von der Gesamtrechnung abziehen, auch wenn man sie erst hinterher aus der Tasche zieht und dem Kassierer gibt oder die im Kleingedruckten festgelegte Grenze von "nur einmal pro Haushalt" überschreitet -- der Kassierer gibt sie dem Computer zu fressen und der erledigt den Rest, geht ganz schnell.

Abbildung [1]: Eine Anzeige für Katzenfutter in der Zeitung. Kauft man zwei Dosen, kriegt man eine umsonst, wenn man den Coupon vorlegt!
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Heute vertraue ich euch mal exklusiv meine persönliche Theorie darüber an, warum der eklatante Unterschied zwischen Arm und Reich in Amerika noch keine Revolution ausgelöst hat: Man kann nämlich hier mit total wenig Geld auskommen, wenn man systematisch Sonderangebote ausnutzt. Nehmt nur einmal McDonald's: Ein Hamburger kostet irgendwie 29 Cents. In einem traditionellen Restaurant kostet ein (zugegebenermaßen besserer) Hamburger 6 Dollar. 100g Hackfleisch im Supermarkt kosten 50 Cents. 100g Filet Mignon hingegen 6 Dollar. Das Billigste ist in den USA also immer extrem billig, auch im internationalen Vergleich. Will man aber etwas, das nur ein bißchen besser ist, kostet's gleich das Zehnfache.

Abbildung [2]: Werbung im Briefkasten: Tollwutimpfung für Katzen (nur 4 Dollar), Sushi (5 Dollar Ermäßigung bei einer Zeche von 25 Dollar), Zähneweißmachen beim Zahnarzt (nur 99 Dollar statt 250 Dollar).
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Abbildung [3]: Ein Zahnarzt lässt Zettel verteilen, um Werbung für seine Praxis zu betreiben
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Zusätzlich zu den Coupons in Zeitungsanzeigen kommt bei uns einmal im Monat ein Briefumschlag voll mit Coupons für die Geschäfte um die Ecke an. Während ich den Umschlag sonst ungeöffnet wegwerfe, habe ich für den Rundbrief einmal einen genauen Blick hinein geworfen: Wie ihr in Abbildung 2 seht, ist alles dabei: Von der Tollwutimpfung für Katzen (4 Dollar) über japanisches Sushi ($5 Ermäßigung bei einer Zeche von $25) und einem Coupon für einen Zahnarzt, der die Zähne weißer macht und dafür als Sonderangebot nur $99 statt sonst $250 verlangt. Die Gemeinschaftspraxis von Terry Nguyen (klingt vietnamesisch) und David Barrelier (offensichtlich französchischer Abstammung), beide DDS, also Zahnärzte, macht's möglich. Na, aber mit dem Team von Jang Associates können die beiden wohl nicht mithalten!

Damit ist Schluss für heute, liebe Freunde im fernen Deutschland! Euch allen:

Frohe Ostern!

Angelika und Michael

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Letzte Änderung: 06-Jul-2008