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  Rundbrief Nummer 37  
San Francisco, den 24.03.2002


Abbildung [1]: Alter Mann auf Kur

Angelika: Heute öffne ich wieder unser Reisetagebuch: Dieses Mal fuhren wir mit dem "PERL MAN" (Nummernschild unseres Autos) zwei Stunden auf dem Highway 101 (Autobahn mit der Nummer 101) in den Norden Kaliforniens nach Ukiah ins "Vichy Springs Resort". Dort gibt es eine natürliche Heilquelle, aus den Tiefen der Erde kommt das warme, kohlensäurenhaltige und mit Mineralien reich bestückte Wasser, das sowohl getrunken werden kann, aber auch allerlei Gutes verspricht, wenn man in ihm badet. Es hilft nicht nur bei Magengeschwüren, Gicht, Rheumatismus und Arthritis sondern lindert auch Sonnenbrand. Verbrennungen und Verletzungen der Haut heilen schneller ab. Und wer noch nicht über die diversen beschriebenen Zipperlein verfügt, nutzt das wohltuende Wasser einfach, um sich zu entspannen und die Seele baumeln zu lassen. "Vichy Springs" heißt der Ort übrigens, weil das kalifornische Wasser dem französischen Original verblüffend ähnelt -- da zeigt sich der Amerikaner pragmatisch.

Die heilende Wirkung des Quellwassers kannten die Pomo-Indianer schon seit Jahrtausenden. 1854 öffnete das jetzige Resort seine Tore. Nach amerikanischen Maßstäben ist das uralt, eine historische Sensation. In Vichy Springs tummelten sich dann auch Größen wie Mark Twain, Robert Louis Stevenson, Jack London und der ein oder andere amerikanische Präsident. Damals galt man in San Francisco als "megacool", wenn man sich nach Vichy Springs aufmachte. Sogar eine Tanzhalle gab es, um den Vergnügungen nach einem erfrischenden Bad kein abruptes Ende zuzufügen. Heute geht alles etwas beschaulicher zu und man trifft nur noch auf berühmte Perlbuch-Autoren (haha!): Wir schliefen in einem gemütlichen, noch nicht vor allzu langer Zeit renovierten Zimmer und genossen neben ausgiebigen Bädern lange Spaziergänge auf dem riesigen Gelände.

Abbildung [2]: Auf dem Spaziergang in Vichy Springs: Der roteste Baum Amerikas

Das Baden im Heilwasser läuft wie folgt ab: Da es etwas unpraktisch und vielleicht auch nicht super umweltfreundlich wäre, wenn sich alle in der nicht gerade großen Quelle zum Baden einfänden, gibt es diverse, von der Quelle gespeiste Badewannen. Einige dieser Badewannen stehen unter freiem Himmel, andere in einer überdachten, langen Hütte, die mit Wänden unterteilt ist, so dass sich immer zwei Badewannen nebeneinander in einem kleinen Raum befinden. Auch in den überdachten Hütten gilt es, den Badeanzug oder die Badehose anzubehalten, was im prüden Amerika auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich erscheint, allerdings gibt es in Nordkalifornien mehrere Orte mit natürlichen Quellen, in die man auch unbekleidet steigen darf ("clothing optional" heißt das hier). Das liegt vielleicht auch daran, das sich in diese Orten viele freiheitsliebende Alt-Hippies oder "New-Age-Leute" sammeln.

Aber ich schweife ab. Die Badewannen besitzen einen riesigen Stöpsel aus Metall, den man einfach auf der einen Seite herauszieht, um ihn dann auf der anderen Seite wieder einzustöpseln. Schon fängt das Wasser an, zu sprudeln und die Badewanne füllt bis zum Rand, begrenzt durch den natürlichen Wasserdruck der Quelle. Steigt man in das Wasser ein, fühlt es sich zunächst nicht allzu warm an. Der Trick ist, ganz ruhig liegen zu bleiben. Dann legen sich langsam kleine Bläschen wie eine zweite Haut um den eigenen Körper. Die Adern erweitern sich, das Blut kommt in Wallung und der Körper erwärmt sich sozusagen von innen. Meist erwärmt sich zuerst die Magengegend und nacheinander dann die anderen Körperteile. Ein witziges Gefühl. Die Badewannen sind übrigens von den im Wasser enthaltenen Mineralien bräunlich gefärbt. Am ersten Abend stiegen wir im Halbdunkeln in die Bäder und Michael erheiterte mich mit Geschichten, was sich alles auf dem Grund der Badewanne befindet. Gut, dass ich hart gesotten bin. Wenn ihr einmal in der Gegend von Ukiah seid, stoppt in Vichy Springs. Man muss übrigens kein Hotelgast sein, damit man in das heilende Wasser steigen darf. Ein Tagespass verschafft einem den Zutritt.

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