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Rundbrief
  Rundbrief Nummer 36  
San Francisco, den 01.02.2002
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Rundbrief


Abbildung [1]: An der Rückgabestation der Autovermietung

In den USA braucht jeder Autofahrer eine Haftpflichtversicherung. Ohne zu fahren, ist illegal und kann böse enden. Mietet ein deutscher Tourist ein Auto, ist die Haftpflichtversicherung mit hoher Deckungssumme fast immer schon im Mietpreis enthalten, da Deutsche es von Haus aus gewohnt sind, haftpflichtversichert zu sein. Lest aber euren Vertrag genau durch!

Amerikanern hingegen wird die Autovermietung die sogenannte "Extended Liability" ("Erweiterte Haftpflicht") für etwa $10 am Tag verkaufen. In Amerika bietet nämlich die gesetzliche Mindesthaftpflicht nur etwa $30.000 Deckungssumme -- ein Witz! Wenn man nur einen Fußgänger anfährt, kann man Bankrott anmelden. Es ist also wichtig, den Vertrag genau zu lesen und auf eine Deckungssumme von mindestens $500.000 zu achten.

Und noch eine Besonderheit gibt's: Wer in den USA wohnt, ein Auto besitzt und eine Haftpflichtversicherung dafür, genießt in der Regel den Versicherungsschutz nicht nur für das private Auto sondern generell für jedes Auto, das man fährt. Das heißt: Wenn Angelika oder ich in den USA ein Mietauto (oder auch das Auto eines Freundes) fahren, sind wir automatisch haftpflichtversichert. Mieten wir uns ein Mietauto, weil wir zum Beispiel irgendwo hinfliegen und dort mobil sein wollen, kriegen wir das ohne Haftpflichtversicherung. Aber das muß explizit im Vertrag der privaten Autohaftpflicht stehen.

Was aber, wenn jemand das Mietauto klaut oder man es selbst zu Schrott fährt? Dann haftet der Mieter voll und muss der Vermietungsfirma nicht nur den Schaden am Auto bezahlen, sondern auch noch die Ausfallzeit, in der die Firma das Auto nicht mehr vermieten kann, voll ersetzen. Das kann sehr teuer werden. Aber dagegen kann man sich absichern: Die CDW-"Collision Damage Waiver" oder auch LDW-"Loss Damage Waiver" genannte Versicherung der Autovermietung bietet für etwa $10 (hängt von der Größe des Autos ab) gegen eine Selbstbeteiligung eine Art Vollkaskoschutz nach deutschen Maßstäben.

Wer in den USA wohnt und bestimmte Kreditkarten besitzt, hat es auch hier einfacher: Diese übernehmen nämlich die Haftung für selbstverursachte Unfälle (nur am Mietauto, nicht beim Unfallgegner!) und Diebstahl, wenn man die Autovermietungsrechnung mit ihnen bezahlt. Unsere "American Express"-Karte hat dies zum Beispiel im Vertrag -- wenn wir ein Auto mieten, zahlen wir außer dem ausgewiesenen Preis also überhauptnix. Auch wenn der Verkäufer in der Autovermietung Saltos schlägt. Der lässt uns dann jedesmal einige Formulare unterschreiben, dass wir selber voll für alles haften. Aber wir sind jedesmal voll versichert, einmal über die private Haftpflicht und andererseits über die Kreditkarte. Aber nicht alle Bewohner der USA machen sich Gedanken hierüber, gaukeln dem Autovermietungsmann vor, private Versicherungen zu besitzen und fahren dann ohne jegliche Versicherung. Passiert was, müssen sie sich mit dem amerikanischen Strafsystem herumschlagen.

Abbildung [2]: Auch Lastwagen kann man mieten

Deshalb: Niemals an der Versicherung sparen. Habt ihr allerdings eine Versicherung, kann es sein, dass der Verkäufer euch eine sinnlose Zusatzversicherung aufschwatzen will -- da heißt es aufpassen und vor allem den in Deutschland (meist mit dem Reisebüro) abgeschlossenen Vertrag genau zu kennen. Unter den Sachbearbeitern der großen Autovermietungsfirmen gibt es leider viele schwarze Schafe, die Touristen nach Strich und Faden betrügen. Sie nutzen aus, dass die meisten Ausländer sich mit dem amerikanischen Versicherungssystem nicht auskennen und im Zweifelsfall lieber eine Versicherung mehr als eine zu wenig kaufen. Wie immer gilt: Wer schlau ist, ist im Vorteil.

Zwei weitere Versicherungen gibt's noch, die der Verkäufer euch wahrscheinlich andrehen will: Die "Uninsured Motorist Insurance" sichert euch dagegen ab, dass ein Ami ohne Versicherung in euer Auto rauscht. Das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, und deswegen muss ich mittlerweile sagen, dass es unter Umständen sinnvoll ist, diese abzuschließen, wenn sie nicht schon sowieso irgendwo anders enthalten ist. Die sogenannte "Medical"-Versicherung, die zwar irgendwie nur einen Dollar am Tag oder so kostet, ist aber kompletter Humbug, da ihr und eure Mitfahrer hoffentlich eine extra Krankenversicherung habt, wenn ihr in die USA reist, sonst steht ihr eh mit einem Fuß im Grab.

Fazit: Nicht überversichern, aber auf keinen Fall an der Versicherung sparen. Ihr könntet euch echt ruinieren. Was aber nicht heißt, dass ihr nicht knallhart mit den Autovermietungsfirmen um den Preis verhandelt. Faustregel: Ein kleines Mietauto kostet $25 am Tag, CDW/LDW und Haftpflicht zusammen weitere $20. Dann kommen noch $10 Steuern und sonstiger Kleinkram dazu ... wenn also ein deutsches Reisebüro erweiterte Haftplicht und Vollkasko einschließt und DM 110 am Tag oder weniger verlangt -- schlagt zu, denn billiger kriegt ihr's in den USA auch nicht.

In den USA angekommen, wird der Verkäufer dann allerdings sofort versuchen, euch ein "besseres", also größeres Auto aufzuschwatzen. Er wird argumentieren, dass man z.B. für $10 mehr am Tag ein Cabrio (auf englisch "Convertible") bekommen könnte -- das gilt allerdings nur für den Grundpreis, aus $25 werden so $35, aber auch die Vollkaskoversicherung wird sich damit nicht unwesentlich verteuern und natürlich die Steuer, die prozentual vom Gesamtpreis berechnet wird. Wenn der Verkäufer also sagt "$10 mehr am Tag", sind das im Endeffekt vielleicht $20.

Und noch ein Tipp: Beharrt man auf dem kleineren ursprünglich bestellten Auto, stellt sich oft nachher (Überraschung!) heraus, dass die Firma es gar nicht vorrätig hat. Bleibt ihr hartnäckig, wird euch der Verkäufer irgendwann freudestrahlend mitteilen, dass ihr einen kostenlosen "Upgrade" kriegt, also ein größeres Auto zum Preis des kleinen. Das ist natürlich ein Pokerspiel. So kann es sich zum Beispiel rechnen, bei der Ankunft an einem kleinen Flughafen zu warten, bis alle Touris mit einem kleinen Auto abgezischt sind, bevor man sich seelenruhig zur Autovermietung begibt und auf einem kleinen Auto besteht. Unser größter Coup war bisher in Schottland, wo wir für vier Wochen Urlaub statt einer Gurke einen Volvo 440 zum Gurkenpreis bekamen. Was haben wir gelacht!

Dann fragt der Verkäufer noch, ob man Sprit verbilligt von der Autovermietung kaufen möchte. Benzin in der Bay Area kostet an der Tankstelle momentan etwa $1.35 pro Gallone (etwa 0,40 Euro pro Liter), aber die Autovermietung wird's für $1.10 verkaufen, wenn man einen vollen Tank nimmt. Klingt gut, oder? Ist aber Betrug. Denn der Mieter hat die Wahl, das Auto entweder a) wieder vollgetankt zurückzubringen, oder eben b) einen vollen Tank voll Benzin zu kaufen, damit man die Karre leergefahren zurück auf den Parkplatz stellen kann.

Das Problem ist freilich, dass man den Tank niemals fatzenleer fahren kann (außer natürlich man heißt Günter Speckhofer, der kann mit seinen eisernen Nerven bekanntlich nur noch homöopathische Mengen im Tank belassen), denn wer riskiert schon, auf der Autobahn wegen Benzinmangels liegenzubleiben? Selbst der Ausgebuffteste muss so immer mindestens fünf Liter im Tank lassen (dann ist die Nadel schon weit im Roten) und der Autovermietung schenken -- was natürlich den billigeren Spritpreis total ruiniert. Oder, man fährt gar nicht soviel, dass man den Tank leermacht. Eine Person aus Portland, deren Identität wir hier nicht preisgeben wollen (Richard Patten), hat einmal für einen einen Zwei-Tages-Aufenthalt in San Diego die "Ich kaufe einen vollen Tank"-Option gewählt. Die einzige Möglichkeit, den Tank leerzukriegen, wäre gewesen, den Motor über Nacht laufen zu lassen.

Deswegen: Immer die "Return full"-Option wählen, das Auto also wieder vollgetankt zurückbringen, dann zahlt man garantiert nicht drauf. Manche Autovermietungsfirmen lassen die Kunden auch mit halbvollem Tank wegfahren und verlangen bei der "Return full"-Option, den Tank entsprechend wieder halb zu füllen, wenn der Kunde zurückkehrt. Das ist ebenfalls Betrug, denn niemand kann genau abschätzen, wieviel Liter man tanken muss, damit der Tank eines unbekannten Autos genau halb voll ist.

Abbildung [3]: Dullentabelle einer Autovermietung

Was ist mit Kratzern und Dullen? Die grossen Autovermietungen "Dollar", "Alamo", "Avis" und "Budget" nehmen's damit nicht so genau. Bei der Abgabe prüfen die meist gar nicht mal nach, ob sich ein zusätzlicher Kratzer eingestellt hat. Man fährt mit der Karre vor, ein Angestellter nimmt den Vertag entgegen, liest Tacho und Tankanzeiger ab und druckt auf einem mobilen Computer eine Quittung aus -- fertig ist der Lack. Man nimmt den Shuttle-Bus zum Flughafen und weg ist man. Manche kleineren Firmen (z.B. Enterprise) erstellen bei der Fahrzeugausgabe eine kleine Zeichnung mit den vorhandenen Dullen, die man (Abbildung 3) unterschreiben muss und die wird dann bei der Abgabe wieder mit dem Fahrzeug verglichen.

Wie kommt man an ein günstiges Mietwagenangebot, wenn man sich in den USA aufhält? Man liest entweder die Sonntagszeitung und studiert die großformatigen Anzeigen der oben schon genannten großen Anbieter -- aber aufgepasst, dort steht neben dem Angebot immer ein so genannter "Code". Ruft ihr dann die Autovermietung an, wird euch der Bearbeiter einen höheren als den in der Anzeige ausgewiesenen Preis sagen. Teilt ihr ihm aber den "Code" mit (z.B. "AQ7"), kriegt ihr den Preis in der Anzeige. Allerdings müsst ihr aufpassen, manche Anzeigen gelten nur für bestimmte Locations -- manchmal nur an Flughäfen, manchmal nur in Florida, also genau lesen.

Noch eine Sache: Autos werden immer tageweise vermietet. Wenn ihr den Karren also um 19:00 abholt, solltet ihr als Abgabezeit auch wieder 19:00 sagen. Sagt ihr 18:00 als Abgabezeit, müsst ihr den Karren unnötigerweise eine Stunde früher abgeben, ohne dass ihr dabei Geld spart. Kreuzt ihr dann doch schon um 18:00 bei der Autovermietung auf, ist das kein Problem. Umgekehrt, wenn ihr den Karren um 19:00 abholt und als Abholzeit 20:00 angebt, wird euch die Autovermietung einen ganzen Tag auf die Rechnung draufschlagen! Wenn ihr den Karren übrigens länger als bestellt behalten wollt, einfach anrufen, das geht meistens. Das Gleiche gilt bei einem Unfall: Sofort bei der Autovermietung anrufen und um Rat fragen, die Zentralen sind rund um die Uhr besetzt.

Bei der Reservierung per Telefon müsst ihr noch nichts bezahlen, da wird nur gefragt, ob man später mit einer "Major Credit Card" zahlen wird -- also mit American Express, Visa oder Mastercard. Dann kriegt ihr eine Reservierungsnummer, mit der ihr später einfach bei der Autovermietung aufkreuzt. Seit neuestem sind übrigens auch die Internetseiten recht gut. Ich habe bei www.dollar.com schon sehr gute Deals an Land gezogen. Dort kann man fest buchen und dann geht man mit der ausgedruckten Reservierung später zur jeweiligen Niederlassung.

Dort legt man Führerschein und Kreditkarte vor und erwirbt die notwendigen Versicherungen. Es kann übrigens sein, dass der Bearbeiter euch bittet, den Vertrag nicht nur unten zu unterschreiben, sondern auch eure "Initials" an bestimmte Stellen zu setzen. Indem ihr eure Initialen (z.B. "M.S.") dorthin malt, willigt ihr in die entsprechenden Klauseln ein, und ihr könnt nachher nicht sagen, ihr hättet es nicht gelesen. Wenn ihr zu zweit oder mehr seid, müsst ihr dem Verkäufer sagen, wer alles fahren will. Es ist nämlich meist nur der versichert, der im Vertrag steht. Bei Ehepaaren gibt's Ausnahmen, aber immer nachfragen und den Führerschein vorlegen -- alle Fahrer müssen persönlich anwesend sein. Oft kostet ein zusätzlicher Fahrer Geld, $3 am Tag sind üblich. Und Warnung an unsere lieben Jungspunde: Wer unter 25 oder so ist, muss mehr zahlen. Dann kriegt man den Schlüssel, geht zur Garage und kriegt ein Auto zugewiesen. Übrigens immer mit Automatik und mit einem Innenraumspray ausparfümiert -- puuh! Und los geht's!

So, das sollte genügen, damit ihr den Autovermietungsgaunern nicht auf den Leim geht. Jawohl, ich scheue mich nicht, dies in die Welt hinauszuposaunen: Alle amerikanischen Autovermieter sind Gauner! Oder sehr, ähm, geschäftstüchtig, wie der Amerikaner sagt. Kämpft mit harten Bandagen!

Deutsche Einflüsse im Englischen

Habt ihr schon mal gesehen, dass an manchen Autos am Rahmen des vorderen Seitenfensters so ein kleiner Plastik-Windschutz klebt? Das ist laut "Herrington-Katalog" typisch europäisch und heißt "Wind-und-Stürm-Shield" (Abbildung 4). Derlei Absurditäten findet man übrigens recht häufig, denn der Amerikaner denkt: Deutsch ist's, wenn's ü-ht und ö-ht! Und alles, was aus deutschen Landen stammt, hat den Qualitätsbonus. Ihr glaubt ja nicht, was sich ein Amerikaner darauf einbildet, nicht nur BMW oder Mercedes, nein, auch nur einen Volkswagen zu fahren. Ein Jetta-Fahrer genießt hier in den USA etwa den gleichen Ruf wie ein Alpha-Romeo- oder MG-Fahrer in Deutschland: Jung, dynamisch, sportlich, leicht exotisch.

Abbildung [4]: Das "Wind-und-Stürm"-Plastikding

Abbildung [5]: Das Autoputzmittel "Klasse"

Aber das bringt mich auf ein interessantes Thema: Die Durchsetzung der englischen Sprache mit deutschen Wörtern, auch das gibt's! In Deutschland benutzt man ja oft englische Wörter, um cool dazustehen. "Networking" statt "Kontakte knüpfen" zum Beispiel. Deutsche Wörter in der englischen Sprache hingegen dienen hauptsächlich dazu, den eh schon mit ungewöhnlichen Worten hantierenden Schreiber als besonders gebildet herauszustellen, da das vielleicht nur 5% der Amerikaner verstehen.

"The New Yorker" zum Beispiel ist eine nicht nur in New York City sondern landesweit gelesene wöchentlich erscheinende Zeitschrift mit ellenlangen Artikeln, die selbst ich mit fünf Jahren Amerika auf dem Buckel noch mit einem Wörterbuch durcharbeiten muss. Oder weiß von euch rundbrieflesenden Klugschnackern vielleicht, was "impetuous", "to imbue", "swashbuckler", "prescience", "apt" oder "to rummage" heißen? "Portend", "putative", "to loathe" oder "tizzy"? Ha! Falls es euch interessiert: "ungestüm", "durchtränken", "Säbelrassler", "Voraussicht", "passend", "stöbern". Und "Omen", "vermeintlich", "verabscheuen" und "Aufregung". Aber was ich eigentlich sagen wollte: Der Amerikaner verwendet manchmal deutsche Wörter, um Sachen auszudrücken, für die es kein englisches Wort gibt. "Schadenfreude" zum Beispiel. Steht in dem Buch "Word Freak" von Stefan Fatsis (Abbildung 6). Ihr habt richtig gehört, es gibt kein englisches Wort für die schönste aller Freuden! Oder "Doppelgänger". Stand neulich im New Yorker (Abbildung 7).

Abbildung [6]: Das englische Wort "schadenfreude"

Abbildung [7]: Das englische Wort "doppelgänger"

Zwar gibt es das Wort "look-alike" für Leute, die andern (meist Prominenten) zum Verwechseln ähnlich sehen, aber die gespenstische Vorstellung, dass es jemanden gibt, der nicht nur so aussieht wie man selber, sondern auch noch ein vergleichbares Leben führt und vielleicht auch noch die Identität des Orginals gestohlen hat, diesen Alptraum drückt nur das englische Wort "doppelgänger" aus. Auf "Kindergarten" muss ich nicht eingehen, dass weiß eh jeder.

Abbildung [8]: Das Wort "schtick" in einer Filmkritik

Auch aus dem Jüdischen stammt so mancher amerikanische Ausdruck, der irgendwie deutsch klingt. Wenn zum Beispiel der bekannte Filmkritiker Roger Ebert über den alten Film "Dead Poet's Society" (Club der toten Dichter) schreibt, Hauptdarsteller Robin Williams wandele zwischen "restraint and schtick" (Abbildung 8), dann wissen gebildete Amerikaner, dass Williams zwischen Zurückhaltung und gimmickhafter Routine schwankt. Ein "Schtick" ist im umgangssprachlichen Gebrauch entweder ein charakteristisches "Stück" von irgendwas oder aber ein Gimmick, den irgendjemand immer wieder runterspult. Was, ihr glaubt mir nicht? In Abbildung 9 seht ihr den Eintrag im Webster's Dictionary, dem "Duden" der englischsprachigen Welt. Hier wird erläutert, dass "Schtick" oder "Shtick" jiddisch ist und ursprünglich aus dem Deutschen stammt. Ein weiteres Beispiel ist "to schlep" für schleppen: "I don't like to shlep my bags!" ist durchaus verständliches Englisch, wenn ihr auf jemanden mit mindestens Hauptschulabschluss trefft. Unter http://koshernosh.com/yiddish.htm findet ihr die gängigsten Phrasen.

Abbildung [9]: Das Wort "schtick" im Wörterbuch

Und manche Ausdrücke klingen zwar wie ihre deutschen "doppelgänger", meinen aber etwas geringfügig Anderes: "Spiel" zum Beispiel: Mit "we went through the same spiel again" meint der Amerikaner, dass wieder mal das gleiche Theater abgelaufen ist. Und das englische Wort "angst" meint nicht exakt die deutsche Furcht, sondern eher Existenzangst mit Freud-(oder was auch immer für ein Psychodaddel)schen Unterton.

Neulich in einem Meeting, in dem der Dieter (der andere Bayer bei Netscape) und ich mit etwa zehn weiteren Leuten saßen, wollte der Chef der Qualitätssicherung über etwas berichten, was ein Manager mit dem recht deutsch klingenden Namen "Rick Gruenhagen" (ein Amerikaner) gesagt hatte -- und nannte ihn aus Versehen "Rick Grugenheimer". Grugenheimer! Da gab's für den Dieter und mich kein Halten mehr. Wir lachten, bis wir beide Tränen in den Augen hatten. Und die nächsten 15 Minuten konnte keiner mehr etwas sagen, denn jedesmal, wenn wir uns anschauten, heulte wieder einer los. Die Teilnehmer an der Besprechung, die sich über's Telefon eingewählt hatten, kapierten überhaupt nicht, was los war. Und noch heute, wenn ich "Grugenheimer!" sage, kugeln wir vor Lachen.

Und noch etwas anderes: Manchmal flattert Werbung ins Haus, da könnte ich mich scheckig lachen. Vielleicht liegt's daran, dass ich leicht zu erheitern bin, aber ein Staubsauger mit dem Namen "ORECK" -- da gibt's bei mir kein Halten mehr.

Abbildung [10]: Der Super-Staubsauger "ORECK"

Ich habe die Postwurfsendung dem lieben Rundbriefpublikum in Abbildung 10 eingescannt -- sendet bitte eure Humornoten! In Deutschland hätte der wohl keine Marktchance, zu groß ist die Verwechslungsgefahr mit dem Wort "Dreck". Das erinnert mich an die Geschichte mit dem deutschen Katzenfutter "Kinky", das eine Werbeagentur in den Achzigern angeblich im letzten Moment zurückzog, weil "Kinky" auf Englisch schlicht und einfach "pervers" heißt( http://www.BerlinOnline.de/wissen/berliner_zeitung/archiv/2001/0605/medien/0008/index.html ).

Der Mormonen-Tempel von San Diego

Vor einiger Zeit flogen wir ein paar Tage runter nach San Diego. Eine Fahrt auf der Stadt-Autobahn führte uns an dem zackigen Tempel aus Abbildung 12 vorbei. Wir besannen uns auf unsere journalistische Pflichten als Rundbriefreporter, nahmen die nächste Ausfahrt und näherten uns dem strahlend weißen Bauwerk. Es stellte sich als Tempel der Mormonen heraus, oder wie es hier in den USA heißt, "Church of Jesus Christ and Latter Day Saints". Das Gebäude umgab ein hoher weißer Zaun, aber ein Schild lud zur kostenlosen Besichtigung des Geländes ein und wies zur Pforte, die aussah wie die vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Wir parkten, gingen am Zaun entlang zur Pforte, an der uns ein älterer Herr empfing, der sich "Bob" und aus "Utah" kommend vorstellte. Er sagte, dass "Sister Rebecca" sich gleich um uns kümmern würde, sobald sie mit der anderen Gruppe, mit der sie unterwegs war, fertig wäre. Unter Augenrollen Angelikas fragte ich (aber freundlich!), wie lange das denn dauern würde, wurde aber beruhigt, es wäre gleich soweit.

Abbildung [11]: Von der Autobahn aus gut sichtbar: Der Mormonen-Tempel in San Diego

Abbildung [12]: Die Rundbriefreporter wurden bis in den Innenhof vorgelassen.

"Sister Rebecca" stellte sich dann als Frau von "Bob" heraus und führte uns durch die Gartenanlagen des Tempels. Der Tempel ist das Heiligtum der Mormonen und wird auch von Anhängern der Religion nur zu besonderen Festen besucht, zum Beispiel um zu heiraten. Sonst versammeln die Gläubigen sich in eher normalen Gebäuden zur sonntäglichen Kirche. Wir durften nicht rein in den Tempel, erfuhren aber auf Nachfrage, dass man als Mormone ein kleines Kärtchen bekommt, das einem den Zutritt gestattet. Angelika war schon ein wenig vorgebildet und wusste, dass Mormonen keinen Alkohol oder Koffein zu sich nehmen und fragte als alte Kaffeetante, wie das denn wäre, mit dem Kaffee und so. Alkohol und Kaffee seien in der Tat tabu, so kam die Antwort (zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Ganze abgehakt), aber Coca-Cola sei hingegen durchaus okay in Amerika. Interessant! Wir konnten uns dann nur schwer loseisen, da uns von verschiedenen Leuten immer wieder ein Video angeboten wurde, das sie an unsere Heim-Adresse schicken wollten -- aber wir blieben hart und gingen.

Jarrrrritos -- das Rundbrief-Top-Produkt

Immer wenn ich von zuhause arbeite, hole ich mir mittags von der mexikanischen Wirtschaft um die Ecke einen Burrito. Der Verkaufdialog ist immer dergleiche: "Burrito to go on a wheatflower tortilla, please. Cheese? No cheese. What kinda beans? Refried beans. What kinda meat? Steak. Anything else? Mild salsa, guacamole, sour cream, please." Übersetzung für Nicht-Kalifornier: Burrito (Weizen-Pfannkuchen-Rolle mit Füllung), kein Käse, Bohnenmus, geschnetzeltes Rindfleisch, mildes Salsa (Tomaten und Silantro, bisserl scharf), Guacamole (Avocado-basiertes Mus) und saure Sahne. Der Burrito kostet dann ungefähr fünf Dollar, die Hälfte esse ich und die andere Hälfte wärmt sich Angelika am Abend in der Microwelle auf, wenn sie aus der Fotoschule nach Hause kommt. Seit etwa vier Jahren mache ich das einmal in der Woche. Doch vor kurzem entdeckte ich eine weitere Leckerei im Kühlregal des Mexikaners: die Limonade "Jarritos".

Abbildung [13]: Die mexikanische Waldmeisterlimonade von Jarritos

Ein echtes "Product of Mexico", wie das Schild ausweist, und sicher mit in Deutschland unzulässigen Zusatzstoffen hergestellt. Wie sonst könnte diese köstliche Limonade in der Ausführung "Lemón" schmecken wie die Waldmeisterbrause, die es in den siebziger Jahren am Kiosk deutscher Schwimmbäder zu trinken gab? Wenn ihr einmal in Kalifornien oder Mexiko seid, müsst ihr die unbedingt mal probieren. Ach, all die Süße der Jugend steckt in dieser Flasche!

Marathon und Schokolade

Abbildung [14]: Mr. Muscle beim Silicon-Valley-Marathon-Relay

Wer keinen ganzen Marathon schafft, darf ihn in Amerika auch durch vier Teilen und als Staffel laufen. Einige Kollegen bei Netscape hatten mich genötigt, doch die letzte 6,9-Meilen lange Etappe des Silicon-Valley-Marathons in San Jose zu laufen. Für einen alten Marathon-Veteranen sind 11.1-Kilometer natürlich keine Herausforderung, und so spulte ich sie in nur 57 Minuten runter. Wenn ihr Abbildung 14 vergrößert, seht ihr meine brutalen Beinmuskeln beim Endspurt!

Abbildung [15]: Mit Schokolade sind wir eingedeckt

Kurz vor Weihnachten musste unser Postbote schwer schleppen, weil die ganzen Pakete aus Deutschland ankamen -- die Kinder unseres Nachbarn wurden schon richtig neugierig. Danke an alle, die uns mit Geschenken eingedeckt haben -- anscheinend hat sich rumgesprochen, dass wir Milka-Schokoloade lieben, die es hier nicht zu kaufen gibt. Abbildung 15 zeigt die Ausbeute -- wir sind eingedeckt, besten Dank an alle! Bahn frei für Angelika!

Geisterstädte

Abbildung [16]: Die Geisterstadt Bodie

Angelika: Zur Zeit geht eine Kampagne durchs Land, mit dem Ziel, mehr Touristen nach Amerika zu locken. Amerikanische Berühmtheiten werben für die Schönheit der Vereinigten Staaten und hoffen, damit den Touristenrückgang nach den terroristischen Attacken aufzuhalten und die erlahmte Wirtschaft anzukurbeln. Reisen und einkaufen gelten hier in den USA nun als patriotische Verhaltensweisen! Uns treiben allerdings nicht patriotische Motive in die weite Welt hinaus -- unser Ziel ist es, möglichst viel von Kalifornien zu entdecken, während wir hier leben. Bei einer unserer kalifornischen Kurztrips besichtigten wir vor einiger Zeit die ehemalige Goldgräberstadt "Bodie" - eine so genannte Geisterstadt.

Abbildung [17]: Ein altes Wohnzimmer in Bodie

Bodie liegt mitten in der kalifornischen Pampa kurz vor der Grenze zu Nevada und etwa 100 Meilen nördöstlich vom Yosemite Nationalpark. Als sich unser schon etwas in die Jahre gekommenes Auto über Gebirgspässe und die letzten drei Meilen über ungeteerte Straße quälte, fragten wir uns unentwegt, was die Menschen anno dazumal bewegte, ihre Zelte in diesem unwegsamen Gelände aufzuschlagen. Natürlich lockte das Gold. Aber die Winter sind in dieser Region äußerst streng (ja, auch das gibt es in Kalifornien). Auch heute noch sind die Orte für Monate von der übrigen Welt abgeschnitten, weil die Pässe über die Bergkette der Sierra Nevada nicht passierbar sind. 1859 entdeckte man in einer Stadt namens Bodie Gold. Zur Hochzeit des Goldrauschs, um 1879, lebten in Bodie um die 10000 Menschen. Es gab u.a. 65 Saloons. Nachdem die Goldminen nichts mehr hergaben, verließen die Bewohner Bodie nach und nach und nahmen mit, was sie tragen konnten, ließen aber auch etliches zurück. Durch die isolierte Lage blieb vieles so erhalten, wie die Bewohner es hinterließen: Teilweise steht das Geschirr noch in den Schränken. Obwohl heute nur noch etwa fünf Prozent der Gebäude stehen, brauchten wir Stunden, um uns alles anzuschauen. Die Gebäude werden übrigens nicht restauriert, sondern nur minimal instand gehalten, z.B. abgestützt, wenn sie einzufallen drohen. Westernliebhaber oder auch eingefleischte Fans der Fernsehserie "Unsere kleine Farm" schweben in "Bodie" im siebten Himmel. Ich hätte mich nicht gewundert, auf Laura Ingalls zu treffen. Wenn ihr in der Gegend seid, schaut euch Bodie an.

Abbildung [18]: Auslage einer Apotheke in Bodie

Lage der Nation

Zur Lage der Nation: Viel Wirbel herrscht zur Zeit in San Francisco und Umgebung um den von den Medien zum amerikanischen Taliban-Kämpfer gekürten John Walker. Der 20-jährige Amerikaner wuchs im reichen "Marin County", dem Landkreis vor den Toren von San Francisco (nördlich der Golden Gate Bridge) auf und konvertierte im zarten Teenageralter zum Islam. Nach Zwischenstationen in verschiedenen arabischen Ländern endete er schließlich in Afghanistan und fiel dort Anfang Dezember US-Truppen in die Hände. Walker steht unter dem Verdacht, an der Seite des Taliban und der Al Qaida gekämpft zu haben und ist deshalb wegen Verschwörung und Ermordung von Amerikanern und wegen Beihilfe zum Terrorismus angeklagt, was bei einer Verurteilung lebenslange Haft bedeutet. In San Francisco hören wir zuweilen schon den ein oder anderen schadenfrohen Kommentar, dass der "Marin County" einen Taliban-Kämpfer hervorbrachte. Das liegt daran, dass San Francisco seit jeher die Nase über "Marin County" rümpft: "Zu weiß" und "zu reich" ist das einhellige Urteil. John Walker, der Sprössling eines wohlhabenden Rechtsanwaltes, passt da ins Bild. Auf nationaler Ebene entfachte "Johnny" eine hitzige Diskussion, über die Ehre, ein amerikanischer Staatsbürger zu sein. Viele erboste sein Verhalten so, dass sie ihm am liebsten gleich die Staatsbürgerschaft aberkennen würden: John Walker als Staatsfeind Nummer 1. Andere zeigten sich mildtätiger und betonten, dass es sich um einen ideologisch verwirrten jungen Mann handele, aber man dürfe bei allem nicht vergessen, dass er Amerikaner sei. Ich als neutraler Beobachter finde interessant, dass Walker nicht etwa wie die afghanischen Gefangenen auf die amerikanische Militärbasis nach Kuba gebracht wurde, sondern auf amerikanischen Boden. Auch erwartet ihn das Bundesgericht in Alexandria (Bundesstaat Virginia) und kein Militärgericht. Da kommt der Verdacht auf, dass die US-Regierung ihn doch mehr als verlorenen Sohn ansieht.

Apropos verwirrte junge Männer: Sicherlich kam euch auch in Deutschland zu Ohren, dass ein 15-Jähriger in Florida die Terroranschläge auf das World Trade Center nachahmte, um Selbstmord zu begehen. Er flog mit einem Kleinflugzeug ins Bank-of-America-Gebäude in Tampa. Angeblich drückte er in seinem Abschiedsbrief Bewunderung für Osama Bin Laden aus. Sofort diskutierte man die Sicherheitsbestimmungen auf Flughäfen mit Privatmaschinen und betrieb Ursachenforschung hinsichtlich des Selbstmordes. Sogar die Akne-Medizin des 15-Jährigen kam auf die Liste: Sie steht im Verdacht, schwere Depressionen auszulösen. Mit Erstaunen verfolgte ich, dass niemand in Frage stellte, dass es einem 15-Jährigen in diesem Land erlaubt ist, das Fliegen zu erlernen, wo er in den meisten Bundesstaaten noch nicht einmal Alkohol käuflich erwerben konnte, weil er unter 21 ist. Sicherlich durfte er nur mit einem Fluglehrer in die Lüfte steigen, aber man sieht ja, wie leicht es für den 15-Jährigen war, den Lehrer auszutricksen und alleine in die Cessna zu springen.

Politisch Korrekt

Und noch eine uramerikanische Kontroverse spielte sich in der letzten Woche in New York ab. Dort trug man sich mit dem Gedanken, eine Bronzestatue zu Ehren der nach dem Anschlag auf das World Trade Center im Einsatz umgekommenen Feuerwehrleute zu errichten. Man entschloß sich, die drei Feuerwehrmänner, die kurz nach dem Anschlag eine riesige amerikanische Flagge aufzogen, als Vorbild für die Bronzefiguren (einschließlich der Fahne) zu nehmen. Das Problem war nun, dass die realen drei Feuerwehrmänner alle weiß waren. Dies empfand man als politisch nicht korrekt ("politically incorrect") und -- schwups -- entschied man sich einfach dazu, einen weißen, einen schwarzen und einen lateinamerikanischen Feuerwehrmann darzustellen. Prompt protestierten die Feuerwehrmänner in New York, dass dies die wahre Begebenheit völlig verdrehe. Andere konterten, dass es nicht um die Abbildung der Wirklichkeit gehe sondern um den Symbolgehalt. Fakt ist, dass sich fast das gesamte Korps der Feuerwehr in New York aus Weißen zusammensetzt, was wiederum erstaunt, weil in New York bekanntlich alle Hautfarben vertreten sind. Jedenfalls legte man das Projekt zunächst auf Eis. Der Künstler denkt nun über andere Gestaltungsmöglichkeiten nach.

Sich politisch korrekt zu verhalten, gehört besonders in San Francisco zum guten Ton; manchmal treibt das Ganze allerdings die ein oder andere Stilblüte. Aber prinzipell ist es ja eine gute Sache, sich nicht wie ein unsensibles Trampeltier aufzuführen und z.B. seine Worte überlegt zu wählen. Und damit ihr bei eurem nächsten Amerikabesuch gewappnet seid, hier schnell ein "Crash-Kurs": Schwarze Amerikaner bezeichnet man als "African American". Man sollte tunlichst vermeiden, die Bezeichnungen, die Schwarze untereinander verwenden, zu benutzen, wenn man selber eine andere Hautfarbe hat, denn dies können durchaus die übelsten Schimpfwörter sein.

Ein Indianer ist nicht etwa ein "Indian" sondern ein "Native American". Das Wort "Indian" charakterisiert heutzutage eine Person, die aus Indien stammt. Asiaten als "Oriental" zu bezeichnen, handelt einem viele böse Blicke ein, "Asian-American" heißt es. Überhaupt ist Vorsicht angebracht: Nicht jeder asiatisch aussehende Mensch stammt aus China, also lieber die umfassendere Kategorie "Asian American" wählen.

Menschen aus Lateinamerika bezeichnet man hier entweder als "Latinos" oder "Hispanics", wobei es endlose Diskussionen darüber gibt, welcher Ausdruck der bessere ist. Das fängt schon mit der Definition von Lateinamerika an: Welche Länder gehören dazu, welche nicht? Viele stört, dass der Begriff "Hispanic" zu sehr die spanischen Wurzeln betont, denn Spanien dominierte und unterdrückte schließlich Lateinamerika. Andere finden, dass beide Begriffe stark verallgemeinern, so wollen viele Mexikaner, die hier leben, z.B. lieber "Mexican American" o.ä. genannt werden. Kurz gesagt, zur Zeit liegt man weder mit "Latino" noch mit "Hispanic" total daneben.

Füllt man in Amerika offizielle Formulare aus, stößt man in der Regel auf das Phänomen, seine ethnische Zugehörigkeit ankreuzen zu müssen. Das ist für mich immer noch befremdlich und so gar nicht politisch korrekt. Ich weiß noch, als ich das erste Mal auf den Begriff "Caucasian" stieß und absolut nichts damit anzufangen wusste. Vor lauter Verzweifelung kreuzte ich die Kategorie "Other" ("andere") an und schrieb auf die entsprechende Linie "white" ("weiß"), was sich später als überflüssig herausstellte, denn "caucasian" meint genau das. Die Kategorie "Other" fehlt jetzt übrigens auf keinem Formular mehr, da viele die Zuordnung zu einer bestimmten ethnischen Gruppe und/oder Terminologie für schwierig halten.

Folgen des 11. Septembers

Aber nun nocheinmal zurück nach New York. Vor kurzem errichtete die Stadt am früheren World Trade Plaza eine Aussichtsplattform, um Schaulustigen zu ermöglichen, sich das zerstörte Gebiet "Ground Zero", wo früher die Zwillingtürme standen, anzuschauen. Weil der Ansturm gewaltig ist, gibt man mittlerweile Eintrittskarten aus, die aber -- wohlgemerkt -- nichts kosten. Bleibt trotzdem die Frage: pietätlos oder pragmatisch? Die Antwort überlasse ich euch.

Und noch eine Kuriosität begegnet uns in letzter Zeit immer häufiger: Fernsehsendungen, die in New York spielen, berücksichtigen die Ereignisse des 11. Septembers. Schaut man Serien wie "Law and Order" (Krimiserie, in der Polizei und Staatsanwalt zusammen einen Mord klären) oder NYPD Blue (ebenfalls im Krimi-Genre anzusiedeln, NYPD steht für New York Police Department; es geht immer um Mord, der dann von den Mitgliedern der New Yorker Mordkommission aufzuklären ist) an, hört man die Schauspieler des öfteren Bezug auf die Terroranschläge nehmen. Eine Folge ging sogar soweit, dass jemand die Ermordung einer Frau dadurch zu vertuschen suchte, indem er behauptete, sie sei im World Trade Center umgekommen. Schon erstaunlich, wie schnell die Serienschreiber die Geschehnisse in ihre Geschichten einbauen.

Abbildung [19]: Die Fernsehsendung "Law & Order"

Amerikanische Rasterfahndung

Was dem Deutschen die Rasterfahndung, ist dem Amerikaner das so genannte "racial profiling". Darunter versteht man, eine Person allein aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Hautfarbe oder Nationalität herauszupicken. Theoretisch ist das "racial profiling" verboten. Die Polizei darf deshalb nicht einfach jemanden aufgrund seiner Hautfarbe verdächtigen, anhalten oder festnehmen. In der Praxis hört man aber immer wieder von Fällen, dass dies gerade schwarzen jungen Männern passiert. "Racial profiling" ist wieder in aller Munde, seitdem Justizminister Ashcroft anordnete, 5000 Ausländer, die sich auf Touristen-, Geschäfts- oder Studentenvisum in den USA aufhalten, im Zusammenhang mit den Terroranschlägen zu befragen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Männer zwischen 18 und 33 Jahren, die aus dem Nahen Osten stammen. Ashcroft betonte zwar gleich vorbeugend, dass die Interviews auf freiwilliger Basis stattfinden und dass die Männer nicht als Verdächtige gelten, aber das macht es gerade zum "racial profiling", denn nur die Natitionalität bestimmte, wem man zum Interview einlud. Kritik gegen dieses Vorgehen kam aus ungewöhnlicher Ecke. Der Polizeichef von Portland (Bundesstaat Oregon) weigerte sich, 200 Männer, die in seiner Region zu befragen waren, ausfindig zu machen, da die angeordneten Interviews seiner Meinung nach nicht mit den Gesetzen seines Bundesstaates konform gingen. In Oregon ist es der Polizei nämlich untersagt, eine Person nach ihren politischen oder religiösen Ansichten zu befragen, es sei denn, die Person ist eines Verbrechens verdächtigt und die Fragen könnten helfen, dieses aufzuklären. Die angeordneten, standardisierten Interviewfragen zielten aber darauf ab, politische und religiöse Ideen herauszukitzeln. Ashcroft erwartet u.a. Auskunft darüber, wie sich die betreffende Person fühlte, als sie von den Anschlägen am 11. September hörte und ob sie mit den Flugzeugentführern sympathisierte. Eine andere Frage zielt darauf ab, herauszubekomen, welche Städte und Sehenswürdigkeiten die Personen in den USA besuchten. Wie man aus dieser Antwort auf möglichen Terrorismus schließen kann, ist mir ein Rätsel. Denn jeder der z.B. New York besuchte, fuhr auch auf die Aussichtsplattform des World Trade Centers. Der Polizeichef von San Francisco verweigerte übrigens ebenfalls die Mithilfe bei den Interviews.

Aber nicht nur die Peitsche schwingt man hierzulande bei der Terrorismusbekämpfung, auch mit dem Zuckerbrot winkt man: Ausländer, die nützliche Hinweise zu der Ergreifung der Terroristen liefern, lockt man mit der möglichen Einwanderung in die USA. Dafür gibt es schon seit 1994 eine spezielle Visumskategorie, die es einem erlaubt, für drei Jahre im Land zu bleiben, selbst wenn man sich illegal in den USA aufhält. Die Überlegung ist nicht dumm, denn Personen, die unerlaubter Weise im Land sind, schweigen aus Angst, deportiert zu werden. Justizminister Ashcroft versicherte, dass auch Personen, die sich zur Zeit nicht in den USA aufhalten, ein Anrecht auf dieses spezielle Visum haben: Sachdienliche Hinweise hinsichtlich der Terroristen nehme jede amerikanische Botschaft entgegen. Und obwohl das Visum nur drei Jahre gilt, stellte Ashcroft sogar die amerikanische Staatsbürgerschaft auf lange Sicht für die Informanten in Aussicht. Wie das zu bewerkstelligen ist, blieb allerdings im Dunkeln.

Schnee im Silicon Valley

Nun aber zu einem ganz unpolitischen und dennoch außergewöhnlichen Ereignis: Südlich und nördlich von San Francisco schneite es heute (28.1.). San Francisco blieb die weiße Pracht allerdings erspart. Da Schnee in dieser Region nur alle zig Jahre einmal vorkommt, waren alle ganz aus dem Häuschen. Selbst die lokalen Nachrichtensprecher und Wetterfüchse bekamen ein kindliches Leuchten in den Augen. Für viele Kinder war das der erste Schnee in ihrem Leben. In Petaluma (nördlich von San Francisco gelegen) bauten sie fröhlich Schneemänner und in vielen Gebieten gab es schulfrei wegen des Schnees. Welch ein Freudentag.

In diesem Sinne, viele Grüsse aus dem bitterkalten San Francisco!

Angelika und Michael

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Letzte Änderung: 11-Mar-2017