Mike Schilli Angelika Schilli
Zwei Deutsche in San Francisco
und ihre Sicht der Welt.

  Rundbrief Nummer 24  
San Francisco, den 05.09.00

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Die Fernsehsendung "Survivor"

Schon öfter haben wir ja von amerikanischen Medienereignissen berichtet. Und dieses Mal ist es wieder so weit. Wie wir in der Süddeutschen Zeitung lesen konnten, erfreut sich in Deutschland die Reality-Show (für die mit der englischen Sprache nicht so vertrauten: Reality = Wirklichkeit) "Big Brother" ja beim jüngeren Publikum erstaunlicher Beliebtheit. In den USA hat "Big Brother " aber überraschenderweise kaum Erfolg, sondern wurde von der Reality-Show "Survivor" (Survivor englisch für Überlebender) vom Fernsehsender CBS in den Schatten gestellt. Worum geht es nun bei "Survivor"? 16 Kandidaten ganz unterschiedlichen Alters, Geschlecht und Persönlichkeit, werden auf einer Insel mit dem wohlklingenden Namen "Pulau Tiga" in der Nähe von Malaysia ausgesetzt. 39 Tage sind für den "Überlebenskampf" angesetzt, ausgestrahlt in 13 Fernsehfolgen. Die Mitspieler werden zunächst in zwei rivalisierende Stämme (Tagi und Pagong Tribe) aufgeteilt und müssen nicht nur den Alltag mit primitivsten Mitteln gestalten (alles von Feuer machen, Fische fangen, Hütten bauen usw.), sondern in verschiedenen Wettbewerben gegeneinander antreten. Das ist dann fast so wie "Spiel ohne Grenzen". Es geht um Wettrudern, Speere werfen, wer am längsten tauchen kann; aber auch Würmer müssen verzehrt werden. Die Mannschaft, die verliert, muss einen aus ihrer Mitte abwählen, der sofort die Insel verlassen muss. Das geschieht am Ende jeder Show in einem feierlichen Tribunal. Nach mehreren Folgen werden die Stämme zusammengelegt. Weiter findet an jedem Ausstrahlungstag ein Wettbewerb statt, nur dass jetzt der Gewinner einen Talisman als Preis erhält, der verhindert, dass er abgewählt werden kann. Der allerletzte "Survivor" erhält als Gewinn eine Million Dollar und wird in der letzten Sendung von den sieben Leuten gewählt, die die Insel zuletzt verlassen mussten.

Abbildung [1]: Das Motto der Survivor-Show: Outwit-Outplay-Outlast (Austricksen-Ausspielen-Durchhalten)
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Ihr werdet euch jetzt vielleicht fragen, was denn an der Sendung so besonders ist und dass dies mit Realität ja wohl überhaupt nichts zu tun hat. Ich gebe zu, dass laufende Kameras und Fernsehcrews wohl kaum ein echtes Robinson-Crusoe-Gefühl aufkommen lassen, aber irgendetwas ist an der Show dran. Jeder kennt sie, jeder redet darüber, was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass durchschnittlich 24.5 Millionen Zuschauer zugeschaltet waren. Als die letzte Episode von Survivor I ausgestrahlt wurde, gab es überall "Survivor-Parties". Ironischerweise hat übrigens der Kandidat gewonnen, der von Anfang an kalt kalkulierend und strategisch gespielt hat und nicht gerade beliebt war in der Zuschauergunst. Das machte vielleicht auch die Faszination aus. Das Ganze gleicht mehr einem sozialpsychologischen Experiment über menschliches Verhalten in Gruppen. Um zu gewinnen, muss man sich nämlich sowohl mit Einzelnen verbünden als auch versuchen, stärkere Mitspieler gezielt auszuschalten. Man darf sich aber auch nicht zu sehr daneben benehmen und die anderen Teammitglieder verägern, da ja die letzten sieben den Gewinner wählen. Glück kommt auch dazu, denn man kann Immunität erhalten, in dem man die Wettbewerbe gewinnt. Kein Wunder also, dass die amerikanischen Medien voll von psychologischen Analysen waren, warum Richard (so heißt der glückliche Gewinner) gewonnen hat und die anderen nicht usw. Und natürlich kommen auch philosophische Fragen auf wie "Ist nun der Mensch von Grund auf böse oder gut?", "Hängt dies von der Situation, der Umgebung und Erziehung ab oder einer Belohnung, die ausgesetzt wird (1 Million Dollar)?". Na ja, ihr könnt euch sicher bald selber ein Urteil bilden. Die Sendung kommt bestimmt nach Deutschland. Auch Survivor II ist schon in Planung. Dieses Mal wird der Überlebenskampf in Australien stattfinden, wo es ja bekanntlich auch so einiges an lebensgefährlichem Getier gibt.

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Letzte Änderung: 06-Jul-2008