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Rundbrief Nummer 21
San Francisco, den 26.05.00
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Aktuelle Diskussion im Forum
Volkszählung
Und eine Volkszählung gab's neulich: Dem Amerikaner ist ja das Einwohnermeldeamt fremd wie dem Deutschen das Freundlichsein. Deswegen hat zum Beispiel die Stadt San Francisco keine Ahnung, wieviele Leute gerade in ihr wohnen. Zieht man um, meldet man sich nirgendwo an oder um -- man zieht einfach um, woher und wohin, das geht niemanden etwas an. Nun will die Stadt natürlich wissen, wieviele Schulen sie bauen muss und welche Straßenbahnlinien und wieviel Geld deshalb in die einzelnen Stadtteile fließen muss -- und hierzu ist sie auf Bevölkerungsdaten angewiesen. Deshalb verteilt die Regierung alle 10 Jahre Fragebögen, die man ausfüllen muss, und nicht nur in San Francisco: Bis zu den Eskimos im hohen Norden Alaskas dringen die Volkszähler vor und registrieren jedes Iglu, wie neulich in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war ( http://www.szarchiv.de/REGIS_A10254455 ).
Ich erinnere mich noch an die Volkszählung in Deutschland. Es muss wohl in den achtziger Jahren gewesen sein. Alle regten sich maßlos auf -- aber gegen diese hier war die damals direkt harmlos. Zwar werden die Daten so anonymisiert, also so statistisch aufbereitet, dass kein Rückschluss mehr auf den betroffenen Einzelhaushalt möglich ist, aber die Fragen waren für uns recht schockierend: Da musste man nicht nur ankreuzen, wieviele Personen im Haushalt wohnen, sondern auch ihre ethnische Abstammung angeben: Schwarze oder weiße Hautfarbe, Latino, Asiate oder Indianer. Das ist deswegen ungewöhnlich, weil sonst großen Wert auf "politisch korrekten" (PC, politically correct) Umgang gelegt wird, also niemand wegen seiner Hautfarbe oder Abstammung benachteiligt werden darf. Einem Bewerbungsschreiben an eine hiesige Firma darf zum Beispiel kein Passfoto beiliegen. Ein Arbeitgeber darf die Entscheidung, einen Kandidaten vorzuladen, nicht von dessen ethnischer Abstammung abhängig machen. In einem Vorstellungsgespräch darf man nicht einmal fragen, aus welchem Land der Kandidat kommt, das wäre illegal.
Angelika füllte jedenfalls den Bogen ohne Murren aus und schickte ihn zurück. Wenn man das nämlich nicht täte, so drohte das Begleitschreiben, würde einem eine Mahnung zugeschickt und ein Beauftrager käme vorbei, den dann hoffentlich ausgefüllten Bogen abzuholen. Wer auch das nicht täte, bei dem kreuzte nach Ablauf einer Frist ein Beauftragter auf, der einem beim Ausfüllen "unterstützte". Die Abbildung oben zeigt den Zensus-Bogen -- wie immer sind die Internetbenutzer im Vorteil, die können das Bild nämlich bis zur Lesbarkeit vergrößern, indem sie mit der Maus draufklicken. Traditionelle Briefempfänger vergrößern das Bild, indem sie den Rundbrief drei Wochen in Kerosin einweichen und dann langsam mit einem Hosenspanner auseinanderziehen.
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