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Rundbrief
  Rundbrief Nummer 59  
San Francisco, den 15.02.2006
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Abbildung [1]: Chinesischer Grabstein

Abbildung [2]: Grabsteine von Anno Tuck und Tobak

Halt, das stimmt nicht ganz. Denn drei Friedhöfe blieben wegen ihrer historischen Bedeutung bestehen. Dazu gehört der für Kriegsveteranen reservierte "San Francisco National Cemetery" auf dem Gelände des Presidio, der ehemaligen Militärbasis in der Nähe der Golden Gate Bridge. Nur in Ausnahmefällen wird hier heute noch beerdigt. Nummer zwei ist der zur alten Mission Dolores gehörende Friedhof, auf dem viele Indianer (in Amerika "Native Americans" genannt), die beim Bau der Mission halfen, ihre letzte Ruhestätte fanden. Und dann gibt es noch das "San Francisco Columbarium", ein einzigartiges, neoklassizistisches Gebäude von 1897, das Urnen beherbergt und früher Teil eines Friedhofs namens "Odd Fellows" war.

Abbildung [3]: Im Columbarium von San Francisco

Heute steht nur noch das Columbariums-Gebäude am Ende einer kleinen Stichstraße im Stadtteil Richmond. Dort kann man sich immer noch ein Plätzchen für seine Asche reservieren. Und obwohl das Columbarium das schwere Erdbeben von 1906 und die Zwangsumsiedlung der Friedhöfe überlebte, verfiel es in den Jahren 1934 bis 1979 zunehmend, bis die Neptune Society (ein Einäscherungsunternehmen) es übernahm und liebevoll restaurierte. Jede Urne findet in einem etwa 40x40 cm großen Kasten mit entweder einer Glastür oder einer Kupfertür Platz. Die Kästen sehen wie in die Wand eingelassene Regale in Wandelgängen aus. Viele der Nischen beinhalten mittlerweile nicht nur die Urne mit der Asche, sondern auch kleine Erinnerungsstücke, die die Vorlieben des Toten widerspiegeln. Wenn ihr also zu den Menschen gehört, die Friedhöfe faszinieren und ihr euch einmal wieder in San Francisco aufhaltet, schaut am Columbarium vorbei.

Will man nach seinem Ableben nicht verbrannt werden und hat auch keine Nische im Columbarium reserviert, bleibt einem als Einwohner San Franciscos nur einer der 17 Friedhöfe in Colma. Colma ist umgeben von der San-Bruno-Gebirgskette sowie dem Freeway (Autobahn) 280. Außer den Friedhöfen gibt es in Colma ein paar typische amerikanische Einkaufszentren und Autohäuser. Colma zählt ungefähr 1.300 Einwohner und beherbergt fast 2 Millionen Grabstätten. Zum Vergleich: In San Francisco leben heute etwa 750.000 Menschen.

Abbildung [4]: Vorne: Jüdischer Friedhof. Hinten: Italienischer Friedhof.

Abbildung [5]: Chinesischer Friedhof

Die verschiedenartigen Friedhöfe spiegeln die Kulturenvielfalt von San Francisco und der Umgebung wider. Unter den 17 Friedhöfen sind nämlich u.a. ein italienischer, ein griechisch-orthodoxer, ein jüdischer, ein katholischer, und ein chinesischer zu finden. Als Michael und ich an einem schönen Samstag die unterschiedlichsten Friedhöfe besuchten, überraschten uns die parkähnlichen Anlagen. Schilder wiesen darauf hin, dass das Sonnenbaden im Friedhof nicht gestattet sei und der jüdische Friedhof war wegen des Sabbats ganz geschlossen.

Aber auf den Friedhöfen meinten wir fast, wir wären in einer anderen Welt. Nur die Ausfallstraßen sowie der Toys-R-Us und der Target-Supermarkt im Hintergrund belehrten uns eines Besseren. Auch über die pompösen Mausoleen staunten wir nicht schlecht. Normale Gräber in Amerika haben übrigens keine Grabeinfassung oder -bepflanzung. Nur der Grabstein und ein paar Blümchen schmücken das Grab, das ansonsten vom Friedhofsrasen umgeben ist. Oft ist der Stein eine kleine in den Boden eingelassene quadratische Platte und die Blumen sind aus Plastik. Das macht die Pflege natürlich leichter und passt zur pragmatischen Art der Amerikaner. Und man kann -- typisch für Amerika -- mit dem Auto durch den Friedhof bis ans Grab fahren.

Abbildung [6]: Quadratische Grabplatten für Otto Normalverbraucher

Abbildung [7]: Ein Mausoleum für Leute mit mehr Zaster

Der neueste Schrei sind aber so genannte grüne Beerdigungen (green burials), die angeblich umweltfreundlicher sind. Die Toten werden nicht einbalsamiert und entweder in einer einfachen, biologisch abbaubaren Holzkiste oder nur in einem Leichentuch unter dem grünen Hügel beerdigt. Der Eingriff in die Landschaft soll möglichst gering sein, d.h. es gibt keine großen Grabsteine, die das Grab kennzeichnen oder die traditionelle Friedhofsanordnung. Angehörige, die später das Grab besuchen möchten, können es mit Hilfe eines zu diesem Zweck vom Friedhofsunternehmen ausgehändigten GPS-System orten.

Nun haltet ihr das Ganze vielleicht für eine amerikanische Erfindung, aber angeblich sind die Engländer bezüglich grüner Beerdigungen Vorreiter. Solche Beerdigungen treffen aber natürlich den Nerv der esoterisch angehauchten und umweltfreundlichen Althippies in Kalifornien. So wundert es mich nicht, dass im Landkreis Marin, der nördlich von San Francisco liegt, bereits ein solcher Friedhof existiert. Der Fernwood Cemetery, neuerdings auch Forever Fernwood genannt, ist nicht der erste amerikanische Friedhof, der grüne Beerdigungen anbietet. Schon 1998 kam Billy Campbell, ein Arzt, in der Stadt Westminster im Bundesstaat South Carolina auf dieselbe Idee. Die Betreiber von Fernwood streben aber nicht nur nach einem alternativen Friedhof, sondern nach einer Art Naturschutzgebiet, das später von der breiten Öffentlichkeit für Wanderungen etc. genutzt werden kann. Deshalb dürfen nur heimische Pflanzen die sowieso unsichtbaren Gräber zieren. Aber nun zurück ins Leben.

San Francisco Ansichten: Bernal Heights

Abbildung [8]: Bernal Heights: Hippie-Haus

Michael In unserer Reihe "San Francisco Ansichten" ist heute die Althippiehochburg "Bernal Heights" dran. Es wird "Bernel Heiz" ausgesprochen. Der Name kommt von Don Jose Cornelio Bernal, einem Rancher, der 1839 das Gebiet des heutigen Bernal Heights zugesprochen bekam, um dort seine Kühe grasen zu lassen. Später, als die Stadt San Francisco zu wachsen begann, war Bernal Heights zunächst schwach besiedelt, bekam allerdings starken Zuwachs, als die auf stabilem Fels fundierende Gegend vom Erdbeben 1906 weitgehend verschont wurde.

Abbildung [9]: Bernal Heights: Altes Auto und Hippie-Häuser

Abbildung [10]: Bernal Heights: Ein neumodisches Haus mit Blick auf die Bay

In Bernal Heights wohnen Horden von steinreichen Althippies. Tagein tagaus mokieren sie sich darüber, dass der Nachbarstadtteil Noe Valley durch den Dot-Com-Boom in den 90er Jahren angeblich total ver-yuppiesiert ist. In ihren Augen wohnen in Bernal Heights noch echte Alternative.

Das ist natürlich Kappes. Die Wahrheit ist, dass in Bernal Heights zwar viele Leute ihre Gärten nicht pflegen und zum Teil uralte Autos auf den Straßen parken, aber die Häuser- und Mietpreise letztendlich auch schwindelerregende Höhen erreicht haben. Wenn ihr die Fotos genau anschaut, werdet ihr feststellen, dass ich sie alle mit einem Filter bearbeitet habe, der sie etwas träumerisch und verschwommen macht. So seht ihr die Gegend in den Augen der Althippies, die darin wohnen!

In Bernal Heights fällt auf, dass es kaum Geschäfte gibt. Kaum jemand ist auf der Straße, alle sitzen in ihren teuren Hippiehäusern und zählen ihr Geld. Um es auszugeben, müssten sie, da es keine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel gibt, zwei Kilometer mit dem Auto nach Noe Valley fahren, aber das wäre ja spießig. Dabei ist die Gegend wirklich schön, sehr gebirgig (der rasende Rundbriefreporter musste den ersten Gang seines Moutainbikes einlegen und einmal sogar schieben) und bietet atemraubende Ausblicke auf die umliegenden Stadtviertel Mission, Downtown, die San Francisco Bay und diverse Autobahnkreuze. An klaren Tagen kann man bis Oakland und Berkeley am anderen Ufer sehen.

Abbildung [11]: Bernal Heights: Viktorianische Häuser

Abbildung [12]: Bernal Heights: Blick auf das Stadviertel "Mission"

Das Satellitenbild von Bernal Heights zeigt den leicht zu lokalisierenden, im Sommer hellbraunen Grashügel, auf dessen Spitze ein Funkturm steht. Wenn man von Bernal Heights in Richtung Osten fährt, gelangt man in ein Viertel, das wir wohl nie in der Reihe "San Francisco Ansichten" bringen werden: Hunter's Point, eines der letzten wirklich gewalttätigen Viertel, in das sich kein Hippie hineinwagt.

Abbildung [13]: GPS-Navigationssystem am Fahrrad in Bernal Heights

Was an Bernal Heights auffällt, ist seine enorme Sackgassendichte. Straßen enden entweder an steilen Hügeln oder an der angrenzenden 280er-Autobahn. Gäbe es eine Statistik über US-amerikanische Stadtviertel mit den meisten Sackgassen, würde es mich nicht wundern, Bernal Heights an der Spitze zu finden. Wer den Fehler macht, ohne Navigationssystem in das Labyrinth einzureisen, findet nie wieder raus. Der rasende Rundbriefreporter hatte natürlich sein neues GPS-System dabei (siehe Abbildung 13) und entkam den alten Hippienarren nach vollendeter Arbeit mit nur wenigen kräftigen Pedalstößen.

Zur Lage der Nation

Abbildung [14]: Angelika mit ihrem Lieblingspräsidenten

Angelika Einmal im Jahr, üblicherweise im Januar, gibt der amtierende amerikanische Präsident im Kongress vor den Abgeordneten und Senatoren sowie einigen geladenen Gästen einen Lagebericht ab, den man "State of the Union" nennt. Ich habe darüber schon einmal zu Clintons Zeiten im Rundbrief 03/2000 geschrieben. Das Gleiche gilt übrigens auch für die jeweiligen "Governors" (= Ministerpräsidenten) der Bundesstaaten und Bürgermeister der Städte, nur heißen die Reden dann "State of the State" bzw. "State of the City".

Die Rede des Präsidenten wird live im Fernsehen übertragen. Ich hatte mir ja eigentlich geschworen, nie mehr eine Rede von Bush anzuschauen, weil das immer damit endet, dass ich auf den Fernseher einschimpfe. Schon das Grinsen von Bush und sein Baden im Applaus finde ich unerträglich. Aber man muss ja informiert sein, um mitreden zu können. An der Rede zur Lage der Nation haben natürlich etliche Redenschreiber über Wochen gefeilt, so hört sich das Ganze toll an, aber mit der Realität hat das Gesagte nur noch wenig zu tun.

Die Rede dient natürlich sowieso dazu, dass Bush sich in möglichst gutem Licht präsentiert. So stellte er den Skandal, dass Amerikaner ohne Gerichtsbeschlüsse abgehört wurden, als legales Terroristen-Überwachungsprogramm ("terrorist-surveillance program") dar. Ansonsten bombardierte er uns mit den bekannten Platittüden: Kampf dem Terror und dem radikalen Islam, Steuersenkungen als Allerheilmittel, Reform der Rentenversicherung, Kampf den explodierenden Kosten im Gesundheitswesen, Amerika als Erretter der Welt. Gähn! Doch dann sagte der mit der Ölindustrie zutiefst verbandelte Präsident: "America is addicted to oil, which is often imported from unstable parts of the world" (Amerika ist süchtig nach Öl, das häufig aus instabilen Teilen dieser Welt importiert wird.).

Und er setzte gleich noch einen drauf, nämlich dass 75% der amerikanischen Ölimporte aus dem Nahen Osten bis zum Jahre 2025 durch alternative Energiequellen ersetzt werden müssen. Das schreckte den saudi-arabischen Botschafter auf, der nach der Rede bestürzt spekulierte, was Bush nun eigentlich genau damit gemeint hätte. Steckt in Bush vielleicht doch ein verkappter Umweltschützer und Demokrat? Nein, denn er sprach nur davon, Öl durch alternative Brennstoffe wie Ethanol zu ersetzen. Er sagte nicht, die Abhängigkeit von den Ölimporten sollte durch Einschränkung des amerikanischen Benzinverbrauchs verringert werden.

Aber die liberalere amerikanische Presse greift diese Idee zunehmend auf. Der Kolumnist und Nah-Ost-Experte Thomas Friedman schreibt sich in der New York Times die Finger darüber wund. Sein Mantra sind sparsamere Autos und eine hohe Benzinsteuer.

Nach der Rede erhält die Opposition die Gelegenheit einer Gegendarstellung, dem so genannten "Rebuttal". Das Ganze findet dann aber nicht mehr im Kongress mit Publikum statt. Dieses Jahr sprachen für die Demokraten Governeur Tim Kane aus Virgina und Bürgermeister Antonio Villaraigosa aus Los Angeles, der seine Antwort übrigens auf spanisch vortrug. Da staunt ihr, oder?

Müll

Abbildung [15]: Drei Tonnen für Glas/Papier/Plastik, Normalmüll, und Kompost

Unsere Besucher aus Deutschland wundern sich immer, dass auch in San Francisco recycelt wird. Amerika haftet einfach der Ruf des Verpackungswahns und der Wegwerfgesellschaft an. Und überwiegend stimmt das ja auch, so fortschrittlich wie die Deutschen recyclen die Amis noch lange nicht. Bei privaten größeren Festen finden es die meisten zum Beispiel immer noch ganz normal, von Papptellern und mit Plastikbesteck zu essen. Oder man denke nur daran, wieviel Papierkaffeetassen die Kaffeehauskette Starbucks täglich ausgibt.

Doch Mülltrennung gibt es in San Francisco, nur funktioniert sie hier anders. Papier, Pappe, Glas, Aluminium und Plastik: Alles kommt zusammen in eine große blaue Mülltonne oder Kiste, die an einem bestimmten Tag an die Straße zu stellen ist. Das Sortieren übernimmt das Müllwerk. Man will es dem Kunden so einfach wie möglich machen. Nur eventuell anfallender Kompost kommt gesondert in eine grüne Tonne.

Abbildung [16]: Diese recyclebare Plastikflasche ist vom Typ 1.

Sachen aus Plastik sind hingegen auch hier eine Wissenschaft für sich. Nur Plastikflaschen mit den Nummern 1 bis 7 und Plastikbecher und Deckel mit den Nummern 2, 4, 5 kommen in die blaue Tonne. Die Nummer befindet sich eingestanzt am Flaschen- oder Becherboden -- der amerikanische grüne Punkt. Die Wasserflasche in Abbildung 16 führt zum Beispiel die Nummer 1 im eingestanzten Recycel-Dreieck auf dem Flaschenboden. Rein in die Tonne!

Deckel von Glas- oder Plastikflaschen sowie Kronkorken werden nicht recycelt, was Michael bis heute noch nicht begriffen hat, obwohl mittlerweile schon ein großes Poster bei uns am Kühlschrank hängt, das die Dinge zeigt, die in die blaue Tonne dürfen. Recyceln wird in Amerika immer populärer. Viele Städte haben ähnliche Blaue-Tonnen-Programme wie San Francisco. In abgelegeneren Gegenden muss man meist selbst Hand anlegen und das Papier, das Glas und die Dosen zu bereitgestellten Containern bringen. So fuhren wir während unseres letzten Urlaubs auf Kauai mit einem Haufen Altglas auf der Insel kilometerlang spazieren, bis wir endlich den einzigen Altglascontainer der Insel fanden.

Grüne Tonnen, die für kompostierbare Abfälle vorgesehen sind, tauchen ebenfalls immer häufiger vor den Häusern in San Francisco auf. An dem städtischen Kompost-Programm beteiligen sich viele Restaurants und Hotels. Die Bioabfälle werden von der Firma Jepson Prairie Organics zu Kompost verarbeitet. Weingüter in Napa und Sonoma streuen ihn zwischen ihre Rebstöcke, damit die feinen Trauben für kalifornischen Wein gut gedeihen. Und da wir gerade bei Grünzeug sind: Selbst Weihnachstbäume werden in San Francisco recycelt. Wir müssen nur den abgeräumten Baum Anfang Januar vor die Haustür legen.

Abbildung [17]: In die Altglastonne kommt auch Papier und Plastik mit rein

Auch wenn das Recyceln allgemein kein amerikanisches Fremdwort mehr ist, so nimmt Kalifornien/San Francisco doch oft eine Vorreiterstellung ein, wenn es um Umweltschutz geht. Anfang Februar trat z.B. in Kalifornien ein Gesetz in Kraft, das es verbietet, alte Batterien, Neonröhren, Quecksilberthermometer und so genannten elektronischen Müll (Handys, Drucker, Computermonitore, Fernseher, Videorecorder) im Hausmüll zu entsorgen. Das mag euch jetzt als nicht besonders bahnbrechend vorkommen, aber das Gesetz gilt als eines der weit reichensten in den USA. Ab Juli müssen desweiteren Läden, die Handys verkaufen, alte zurücknehmen. Da gleichen wir uns doch einmal zur Abwechselung europäischen Bestimmungen an.

Wörter, die niemand kennt

Michael In der Reihe "Wörter, die niemand kennt", bringen wir englische Wörter, die auch die ausgebufftesten Englischsprecher nicht kennen, aber in Amerika jedes Kind. Wir garantieren, dass man damit sogar Englischlehrer am Gymnasium in den Wahnsinn treiben kann! Nutzt deshalb unsere Wörter fleißig in Schulaufsätzen! Heute: Wie heißt die Eisbearbeitungsmaschine für Eishallen? Ihr wisst schon, diese Riesenkärren auf vier Rädern mit einem Eishobel hintendran, der die Eisfläche in Stadien zwischen Eishockeyspielen oder Schlittschuhlaufveranstaltungen wieder schön glatt macht.

Das ist ein "Zamboni". So benannt nach ihrem Erfinder Frank J. Zamboni, der von 1901 bis 1988 lebte. Wie so oft steht auch dieses Wort mit extrem liebevoll detaillierten Ausführungen in der Wikipedia, dem Lexikon der Zukunft. Schlagt einfach unter Zamboni auf Wikipedia.org nach und schon wisst ihr alles Wissenswerte.

Toppprodukt: Roomba

Abbildung [18]: Der kleine Roomba huscht auf dem Teppich in meinem Arbeitszimmer herum.

Niemand nimmt gerne den Staubsauger zur Hand. Das schwere Ding durch die Wohnung zu schieben und dann auch noch fünfmal auf jeder Fussel hin- und herzufahren, bis er sie endlich einsaugt -- das geht tierisch auf die Nerven.

Zum Glück gibt es seit einiger Zeit kleine Staubsaugroboter wie den "Roomba", den man nur anschaltet und der dann selbständig die Wohnung erforscht. Der untertassenförmige Zwerg merkt sich dabei, gegen welche Hindernisse er stößt und baut so langsam intern einen Wohnungsplan auf. Wenn er alle Ecken abgeklappert hat, was je nach Raumgröße etwa eine halbe Stunde dauert, piepst er eine lustige Melodie und stellt sich ab. Der kleine Kerl ist erstaunlich effektiv, er fährt auch unter die Couch und unters Bett, wo ein normaler Staubsauger nie hinkäme.

Allerdings ist das Teil noch nicht perfekt, so kann es schon mal passieren, dass er etwas Dreck verliert oder sich an Teppichfransen festfrisst. Aber meist arbeitet er sich aus dem Schlamassel selbständig wieder heraus, indem er solange verschiedene Strategien (rückwärts, vorwärts, drehend) probiert, bis er wieder ungehindert fahren kann. Ein Höllenspaß, ihm zuzusehen!

Der Roomba läuft mit seiner aufladbaren Batterie etwa eine Stunde lang, dann muss er zurück an seine Ladestation. Wenn man nicht will, das er durch die ganze Wohnung fährt, kann man seinen Aktionsradius mit so genannten "Virtual Walls" begrenzen. Diese ebenfalls batteriebetriebenen Klötze senden ein linienförmiges Funksignal in eine Richtung und bauen so etwas wie eine Lichtschranke für den Roomba auf, an der er sofort umdreht.

Video: Der Roomba in Aktion.

Ich habe ein kleines Video mit dem Roomba in Aktion gedreht, wie er gerade unter unser Bett saust, wieder herausfährt und sich anschließend den Schmutz unter der Kommode vornimmt. Es gibt übrigens noch ein zweites Video von einem anderen Roomba-Besitzer, das sehr lustig ist: Der Roomba erschreckt eine Hauskatze.

Ich kann den Roomba nur empfehlen, es ist einfach unbeschreiblich cool, ihn in einem Zimmer einzusperren und eine halbe Stunde lang werkeln zu lassen, während dessen man den Fernseher anschaltet oder am Computer herumklimpert.

Die besten Klos der Innenstadt

Abbildung [19]: Hervorragende Örtlichkeiten: Bed, Bath, and Beyond

Man kennt das ja: Man ist in der Innenstadt und muss aufs Klo. Restaurants und Cafes sehen es nicht gerne, wenn man einfach ihre Toiletten benutzt und machen es zum Teil sehr schwer, falls man nicht dort einkehrt. Aber wenn man sich auskennt, ist es relativ einfach, Etablissements ausfindig zu machen, die es einem erlauben, aufs Klo zu gehen, ohne irgendwelche Pseudoeinkäufe tätigen zu müssen.

Von öffentlichen Toiletten muss ich abraten. Erstens wurden alle U-Bahn-Toiletten im Zuge des Attentats vom 11. September 2001 kurzerhand geschlossen. Anscheinend vermisst sie niemand, denn bis heute hat man sie nicht wieder aufgesperrt. Zweitens sind alle öffentlichen Toilettenhäuschen in San Francisco unzugänglich, weil sie von Drogenabhängigen zur Billigprostitution genutzt werden. Wohin geht also der Normalbürger? Nicht in die Gaunerlokale, die "No Public Bathroom" oder "Bathrooms for Patrons only" ausschildern. Und auch nicht zur Gaunerplattenverkäuferfirma "Virgin" am Powell, die zwar massenweise CDs anbietet, aber ein Klo hat, das entweder nicht existiert oder dauernd belegt ist -- die Details herauszufinden habe ich mir erspart. Eine Katastrophe.

Die besten Klos der Innenstadt haben die Buchläden. Der "Borders" auf der Powell Street (zwischen Geary und Post) liegt nicht nur direkt an der Cable-Car-Strecke, sondern hat auch ordentliche Toiletten, wenn man zwei Rolltreppenstrecken nach ganz oben fährt.

Auf der Market Street (Ecke 2nd Street) ist der unabhängige Buchladen "Stacey's", der -- ebenfalls im oberen Stockwerk (Treppe nach oben, dann direkt hinter der Auskunftstheke neben den Zeitschriftenständern) -- exzellente Räumlichkeiten aufweist. Stacey's ist übrigens ein unabhängiger Buchladen, den man unterstützen muss, sonst geht er bald pleite, also kauft ruhig eure Reiseführer dort.

Nachtrag der Redaktion: Im Januar 2009 kündigte Stacey's an, den Laden im März dichtzumachen. Grund: Rückläufiger Umsatz, ausgelöst durch Konkurrenz wie Buchketten ("Barnes and Nobles", "Borders") und Internetseller ("Amazon"): Stacey's Bookstore schließt

Falls ihr im SoMa (Rundbrief 05/2003) seid, findet sich an der Ecke von 9th Street und Bryant ein Laden namens "Bed, Bath, and Beyond", der nicht nur exzellente Produkte zu niedrigen Preisen führt, sondern im ersten Stock (mit der Rolltreppe hochfahren) im hintersten Winkel bei den Federbetten ein nicht nur geräumiges, sondern ausgesprochen sauberes Klo hat. Da geh' ich gerne hin, das ist ein Hochgenuss.

Ähnliches gilt für die Gegend um Fisherman's Wharf, dort steht eine Filiale der Buchladenkette "Barnes & Noble", die sogar im Erdgeschoss neben der Kinderbuchabteilung wunderbare Toiletten anbietet. McDonald's- und Burger-King-Filialen haben ebenfalls meist brauchbare Klos. Allerdings geben sie wie Starbucks-Filialen und Tankstellen manchmal an der Kasse einen Schlüssel mit einem überdimensionalen Anhänger aus, mit dem man das Klo aufsperren kann. Das ist kleinkariert und mies, und zeugt zudem von schlechtem Geschäftssinn, deswegen sollte man diese Ketten eigentlich boykottieren.

Auch in Einkaufszentren müsst ihr nie mit verkniffenem Gesicht herumlaufen, da jeder Target, Walmart, Home Depot, Circuit City und Costco ein Klo hat.

Mit Kündigung drohen

Die USA sind ja weltweit führend im Verkauf. Hier wird auf Teufel komm raus verkauft, und das mit den besten Methoden, die zum Teil sogar etwas fragwürdig sind, wenn man europäische Maßstäbe zugrunde legt.

Allerdings hat das für den Konsumenten oft auch Vorteile. Wenn mehrere Anbieter die gleiche Leistung anbieten, wie zum Beispiel einen Internet-Anschluss, ist es für den Dienstleister ein Desaster ersten Ranges, einen Kunden zu verlieren. Es ist erstens extrem teuer, neue Kunden durch Werbung anzulocken, die Kosten liegen bei etwa 10 Monatsbeiträgen. Und, was fast ebenso wichtig ist, es ist dem Image der Firma abträglich, wenn aus 5 Millionen Kunden auf einmal 4 Millionen werden. Dann fällt der Aktienkurs an der Börse und niemand springt auf einen bremsenden Zug auf. Deswegen versuchen Firmen alles, ich betone: alles, um ihre Kunden zu halten.

Kein Geld zum Bezahlen der Rechnung? Kein Problem, dann wird halt der Preis halbiert. Immer noch zu teuer? Dann gibt's die Leistung halt eine Weile umsonst. Ihr glaubt, dass ich übertreibe? Lest mal durch, wie man seine Kabelrechnung halbiert.

Ruft man bei einem Service an und sagt, man möchte kündigen, tun die Sachbearbeiter verständnisvoll und verbinden einen sofort mit der so genannten "Customer-Rentention"-Abteilung. Dort kriegt man dann Spezialisten ans Telefon, die alles versuchen, um einen als Kunden zu halten. Will man wirklich kündigen, ist das ganz schön nervenaufreibend, denn man muss hundertmal erklären, dass man wirklich nicht an dem extrem günstigen Ersatzangebot interessiert ist, sondern tatsächlich dem Anbieter den Rücken kehren will.

Das hat zur Folge, dass viele Leute einfach anrufen, mit Kündigung drohen, und dann für eine üblicherweise begrenzte Zeit die Leistung zu einem völlig lächerlichen Preis bekommen. DSL gibt es so zur Zeit für $14.99 im Monat. Angelika hat mir allerdings verboten, einen niedrigeren Preis durchzudrücken, weil sie Angst hat, man könnte meinen Bluff durchschauen und uns tatsächlich das Kabel oder das Telefon abdrehen.

In-N-Out Burger

Imbissketten wie McDonald's, Burger King und Wendy's haben ja alle ihre Wurzeln in den USA. Da liegt die Frage nahe, wo's die besten Burger gibt. Ich muss hinzufügen, dass ich vielleicht einmal in drei Monaten einen Burger esse. Leider gibt es in unserem Stadtviertel keine einzige Burgerkette. Vor einigen Monaten war bei uns gegenüber eine Großbaustelle und ich hatte schon gehofft, dass wir endlich eine bekämen. Statt dessen kam eine Bank und ein Fitnesscenter rein. Meine Herrn! Und da ich nur noch ganz selten mit dem Auto fahre, komme ich auch kaum noch an Burgerketten vorbei.

Haltet mich für einen Snob, aber statt 50 Cents für einen Müllburger zu zahlen, gebe ich lieber $2.50 für einen anständigen von "In 'N Out" aus. Und ich würde sogar $5 für einen zahlen, wenn mir die Qualität des Fleisches garantiert würde. Aber "In 'N Out" ist schon ziemlich gut. Dort gibt's den Double-Double, einen Burger mit zwei Lagen Fleisch und zwei Lagen Käse.

Eine wenig bekannte Tatsache über diese Kette ist, dass man die Anzahl der Fleisch- und Käselagen selbst bestimmen kann. Würde man zum Beispiel einen Triple-Triple bestellen, käme ein Burger mit drei Lagen Fleisch und drei Lagen Käse daher. Das ganze lässt sich natürlich leicht bis in den Irrsinn steigern: Quadruple-Quadruple, Quintuple-Quintuple und so weiter. So dachte sich eine Gruppe von Leuten im Silicon Valley, jetzt fahr'n wir mal nach Las Vegas und bestellen wir einfach mal einen 100x100 Burger. Also eine untere Brötchenhälfte, dann jeweils 100 Lagen Fleisch und Käse und dann die obere Brötchenhälfte. Der unappetitliche 100x100-Burger ist auf dem Internet zu bestaunen.

Das erinnert mich an die Dokumentation "Supersize me" von Morgan Spurlock, in der der Hauptdarsteller unter ärztlicher Betreuung einen Monat lang nur Fast-Food von McDonald's isst. Die Spielregel: Jedesmal wenn die McDonald's-Mitarbeiter fragen: "Do you want to supersize it? (Wollen sie die Riesenportion?)" muss er zustimmen und das ganze Menü vertilgen. McDonald's hat diese Praxis mittlerweile eingestellt, aber damals war das so, dass man für ein paar Cent mehr absolute Rübezahl-Portionen bekam, eine ganze Schachtel voll Pommes Frites und ein halbes Fass Cola. Die darin enthaltenen Kalorien sorgten natürlich dafür, dass der Testesser innerhalb des Testzeitraums gesundheitsbedrohlich zunahm, so dass der betreuende Arzt die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Sehenswerte Dokumentation, erhältlich als DVD.

Do-not-call-List

Abbildung [20]: Der kleine Caller-ID-Kasten, der die Telefonnummer des Anrufers anzeigt.

In den USA ist es ja erlaubt, dass Firmen zuhause anrufen, um einem irgendwelchen Quatsch zu verkaufen. Das klingt zwar zunächst ganz lustig, ist aber auf die Dauer nervenaufreibend. Klar, wir haben natürlich daheim die so genannte "Caller-ID" (kostet unverschämte 6 Dollar im Monat), damit die Telefongesellschaft die Nummer des Anrufers durchschleust. Klingelt das Telefon, kann ich auf einem Display ablesen, was die Nummer des Anrufers ist. Und unser Anrufbeantworter spricht die Nummer sogar, während es klingelt, sodass wir gar nicht erst vom Sofa aufstehen müssen, wenn wieder ein Werbefritze anruft.

Falls man übrigens rangeht, wenn ein Werbeanruf kommt, hört man typischerweise 5 Sekunden lang überhaupt nichts. Man bellt "Hello? Hello??" ins Telefon, bis der automatische Wähler der Werbebombardierer zum nächsten Werbefritzen durchstellt. Die fragen dann meistens "How are you doing today?" und dann legt man meistens schon entnervt auf. Einer meiner Kollegen betreibt die folgende Strategie: Ruft ein Werbedepp an, sagt er "Einen Moment bitte" er hätte nämlich gerade etwas auf dem Herd stehen. Nach 60 Sekunden meldet er sich wieder und sagt, es dauere noch etwas länger. So muss der Werbedepp in der Leitung bleiben und warten, ohne dass er andere Leute belästigen kann. Gut gedacht, aber es geht auch einfacher.

Denn es gibt die Do-Not-Call-List. Wessen Telefonnummer auf dieser USA-weiten Liste steht, den dürfen die Werbedeppen nicht anrufen. Falls sie es doch tun, drohen ihnen so hohe Strafen, dass sie es tatsächlich bleiben lassen. Ich war zunächst etwas skeptisch, aber ich muss sagen, dass wir kaum noch Werbeanrufe bekommen, seit unsere Nummer auf dieser Liste steht. Ausnahme sind Firmen, mit denen man bereits Verträge hat (zum Beispiel die Telefongesellschaft) oder Non-Profit-Gesellschaften, die Spenden eintreiben wollen. Die eigene Telefonnummer auf die Liste zu setzen, dauert etwa 30 Sekunden. Man geht einfach zu www.donotcall.gov, trägt die Nummer ein, und fertig ist der Lack. Nach etwa zwei Wochen kommt fast kein Werbeanruf mehr an. Falls doch, sage ich meist "You realize that what you're doing is illegal?" und dann sind die meisten Werbedeppen geschockt.

Baby Bullet

Abbildung [21]: Ein Geschenk für die Leute, die die mit der ersten "Baby Bullet" gefahren sind

Man höre und staune, hier im Silicon Valley wurden die öffentlichen Verkehrsmittel verbessert, und das im Land der Autonarren! Über die uralten Caltrain-Züge habe ich ja schon einmal geschrieben. Ich bin mit ihnen jahrelang jeden Tag etwa eine Stunde lang von San Francisco ins 50km südlich gelegene Mountain View und zurück gefahren. Nun gibt es schon seit einiger Zeit Züge, die nicht mehr an jeder Milchkanne halten, sondern nur noch an drei Stationen. Das verkürzt die Fahrzeit auf 45 Minuten! Das Angebot ist so gut und die Benzinpreise so hoch, dass mittlerweile scharenweise Leute den Zug ins Silicon Valley nehmen. Teilweise fährt der Zug mit neuen leiseren Waggons und er wird "Baby Bullet" genannt, wohl in Anlehnung an die japanischen Bullet-Hochgeschwindigkeits-Züge. Der Vergleich ist natürlich lachhaft, denn der Silicon-Valley-Rumpelzug bringt's nur auf etwa 120 km/h, aber wir sind in einem Entwicklungsland, da kann man nicht meckern.

Am ersten Tag, an dem der neue Baby-Bullet-Zug fuhr, händigten die Schaffner an die treuen Fahrgäste Kaffeebecher mit dem Aufdruck "Baby Bullet" aus, und ich habe mir natürlich einen gesichert. In zehn Jahren wird der auf Ebay ein Vermögen wert sein, bahahaha!

Grüße aus dem Land der zukünftigen Umweltengel:

Angelika & Michael

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Letzte Änderung: 17-Mar-2017