Mike Schilli Angelika Schilli
Zwei Deutsche in San Francisco
und ihre Sicht der Welt.

  Rundbrief Nummer 80  
San Francisco, den 29.05.2009

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Schweinegrippe

Abbildung [1]: Huch, steck mich nicht an!
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Angelika Zum Glück hat sich die Hysterie um die sogenannte Schweinegrippe etwas gelegt, und wir mussten nicht alle in Quarantäne. In San Francisco sah ich vereinzelt Leute mit Masken, wenn ich mit der BART (U-Bahn) fuhr und beim Cinco-de-Mayo Festival im Dolores Park in San Francisco gab es ein Zelt, indem man sich untersuchen lassen konnte. Auch appellierten verzweifelte Angestellte der Gesundheitsbehörde von San Francisco, dass doch nicht jeder mit Grippesymptomen in den Notfallaufmahmen der Krankenhäuser auftauchen sollte, denn die wurden dem Andrang zeitweise nicht mehr Herr.

Auch unser Präsident hielt mit schlichten Ratschlägen nicht hinter dem Berg: Bleibt zu Hause, wenn ihr krank seid, und schickt kranke Kinder nicht in die Schule. Hört sich ja vernünftig an, bloß ist das leichter gesagt als getan in einen Land, in dem fast 50% der Ganztagsbeschäftigten im privaten Sektor keine bezahlten Krankheitstage erhalten oder zu Hause bleiben können, um ihre kranken Kinder zu pflegen (Rundbrief 06/2007).

Bei den Halbtagskräften schnellt die Zahl gleich auf fast 80% hoch. Und nur 14% der Beschäftigten, die mit Essen hantieren, erhalten Geld, wenn sie sich krank melden. Auch verdienen die meist so wenig, dass sie sich nicht leisten können, bezahlte Arbeitstage zu verlieren. Eine ganz reizende Vorstellung, dass der Koch hoch fiebrig am Herd steht und der Kellner beherzt auf Essensteller hustet. Ich habe dann auch die Augen gerollt, wenn es etwas arrogant hieß, dass es in Mexiko mehr Todesfälle gibt, weil die Gesundheitsversorgung schlechter ist, und Mexikaner grundsätzlich erst, wenn es gar nicht mehr geht, zum Arzt gehen und sich viele die notwendigen Medikamente nicht leisten können. Hmm, in den USA gibt es mittlerweile 50 Millionen Bürger ohne Krankenkasse, denen auch nichts anderes übrigbleibt als sich in die Notfallaufnahmen ("Emergency Rooms") der Krankenhäuser zu begeben, wenn sie ernsthaft krank sind. Das Krankenhaus wird anschließend zwar versuchen, das Geld einzutreiben, aber wer nichts hat, bei dem ist auch nichts zu holen.

Aber Obama werkelt ja schon an seinem Krankenkassenplan, und vielleicht erhalten wir auch bald gesetzlich vorgeschriebene bezahlte Krankheitstage. Der "Healthy Families Act", der schon im Repräsentantenhaus herumschwirrt, würde bis zu sieben bezahlte Krankheitstage gewähren. Unter Bush wurde er bereits abgeschmettert, aber jetzt besteht Hoffnung, dass er im Repräsentantenhaus und Senat Zustimmung findet, gerade auch weil die Schweinegrippe noch in den Köpfen der Politiker präsent ist. Würden bezahlte Krankheitstage in den USA zum Gesetz, dann gehörten wir endlich zu den mindestens 145 Ländern, die eine Form von Bezahlung im Krankheitsfall garantieren.

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Letzte Änderung: 03-Sep-2009