Mike Schilli Angelika Schilli
Zwei Deutsche in San Francisco
und ihre Sicht der Welt.

  Rundbrief Nummer 68  
San Francisco, den 10.06.2007

Bermuda    Smogtest auf dem Internet    Lichtschutzfaktor Sonnencreme    Sudafed PE und Sudafed    Toppprodukt: Helm-Rückspiegel    Post vom Wasserwerk    Bezahlte Krankheitstage    Mexikanische Polka

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Sudafed PE und Sudafed

Abbildung [1]: Das lasche Sudafed PE.
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Angelika Michael hat im Rundbrief 11/2006 das Rachenpflaster Sudafed PE ja als Schrottprodukt bewertet. Wir dachten damals, die schlechte Qualität läge an der Verabreichung als Streifen statt der bewährten Pillenform. Neulich erwähnte ein Kollege von Michael aber, dass er es langsam leid wäre, immer seinen Ausweis vorzeigen zu müssen, wenn er das Original "Sudafed" kauft, um seine chronischen Nebenhöhlenprobleme zu bekämpfen. Hmm, das machte uns stutzig und ich ging zur Drogeriekette "Walgreens", um der Sache auf den Grund zu gehen.

Zunächst müsst ihr wissen, dass weder Sudafed noch Sudafed PE in Amerika verschreibungspflichtig sind. Nicht rezeptpflichtige Medikamente stehen in Amerika in Drogerien und Supermärkten in der Regel wie die Zahnpasta einfach im Regal. Der Kunde schnappt sich das Medikament und geht zum Bezahlen an eine beliebige Kasse in dem jeweiligen Geschäft. Für verschreibungspflichtige Medikamente muss man hingegen das Rezept vom Doktor an einem Tresen abgeben und das Medikament wird wie in deutschen Apotheken von Angestellten aus Regalen hinter dem Tresen geholt.

Aber nun zurück zu meiner Walgreens-Recherche. Ich suchte also brav die Gänge mit den Medikamenten nach Sudafed ab und fand auch ziemlich schnell Sudafed PE in Schachtelform. Beim Original-Sudafed steckte allerdings nur ein Kärtchen im Regal, auf dem stand, dass man mit diesem zum "Apothekertresen" gehen solle. Ich gab das Kärtchen daraufhin bei der freundlichen Dame hinter dem Tresen ab, woraufhin diese mich nach einem Ausweis ("ID") fragte. Also kramte ich meinen kalifornischen Führerschein hervor, der von ihr mit dem Magnetstreifen durch die Kasse gezogen wurde. Dann tippte sie noch wild etwas in den Computer ein, ich musste eine Unterschrift leisten und endlich durfte ich das Sudafed bezahlen und mitnehmen.

Abbildung [2]: Das wahre Sudafed -- gibt es nur noch gegen Vorlage eines Ausweises.
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Nun werdet ihr euch fragen, was der ganze Blödsinn soll. Der Wirkstoff ist des Rätsels Lösung. Das Original Sudafed enthält nämlich "Pseudoephedrin", aus dem relativ einfach die Droge Methamphetamin (Meth oder auch Crystal genannt) hergestellt werden kann, während Sudafed PE den Wirkstoff Phenylephrin beinhaltet, bei dem das nicht funktioniert.

Um zu verhindern, dass Methabhängige Sudafed in großen Mengen kaufen, um im Hinterstübchen ihre Droge zusammenzubrauen, ist der Kauf von Produkten mit Pseudoephedrin oder auch Ephedrin seit neuestem reglementiert in den USA. Das Gesetz "The Combat Methamphetamine Epidemic Act" machte es auf nationaler Ebene möglich, nachdem einige Bundesstaaten schon länger ähnliche Bestimmungen praktizierten. Seit September 2006 darf jeder Kunde wöchentlich nur 3.6 Gramm Pseudoephedrin oder Ephedrin kaufen bzw. 9 Gramm im Monat. Deshalb der Firlefanz mit dem Vorzeigen meines Ausweises und der Registrierung, wieviel Sudafed ich wann gekauft habe.

Die Droge "Meth" hat sich epidemieartig in den USA ausgebreitet. Sie wirkt stark aufputschend und sorgt dafür, das große Mengen des Neurotransmitters "Dopamin" ausgeschüttet werden, was zu euphorischen Glückszuständen führt. Das Problem an der Sache ist, dass die Leute abhängig von dem Zeug werden und ohne die Droge dann keine Glücksgefühle mehr erleben können, weil die Dopamin-Rezeptoren im Gehirn geschädigt werden. Schlaganfälle, Nervenschäden, Psychosen, faulende Zähne sind bei längerem Mißbrauch ebenfalls keine Seltenheit. Zur Abschreckung zeigt das Fernsehen hier öfter einmal Fotos von Methabhängigen. Wenn euch nichts so leicht umhaut, schaut euch mal die die Wikipedia-Seite zum Thema "Meth Mouth" an. Mahlzeit!

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Letzte Änderung: 06-Jul-2008