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Rundbrief Nummer 64
San Francisco, den 24.11.2006
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Aktuelle Diskussion im Forum
Das Kreuz mit dem Alk
Michael Mormonen trinken ja bekanntlich keinen Alkohol und keine koffeinhaltigen Getränke. Und im Mormonen-Bundesstaat Utah wird diese religiöse Verordnung von der Regierung sogar rechthaberisch auf Nicht-Mormonen ausgedehnt.
Supermärkte dürfen grundsätzlich keinen Wein oder Schnaps verkaufen. Nur spezielle Liquor-Stores dürfen es, allerdings gibt es davon so wenige, dass wir auf unserer gesamten Reise keinen einzigen gesichtet haben. Ganze 37 "Full Service Liquor Stores" und 97 "Package Agencies" (mit kleinerer Auswahl) gibt's im ganzen Bundesstaat Utah! In anderen Bundesstaaten gibt es ja ebenfalls Regelungen, die den Verkauf von Alkohol im Supermarkt untersagen, aber da ist dann wenigstens der Liquor-Store meist gleich nebenan.
Und, noch schlimmer: An Sonntagen gibt's in Utah auch kein Bier im Supermarkt. Über dem Bierregal eines von uns besuchten Ladens hing am Sonntag folgendes Schild: "Die städtische Verordnung von XYZ untersagt uns leider, am Sonntag Bier zu verkaufen. Wir bitten um ihr Verständnis." Und die schäumenden Kehlenkühler standen den ganzen Sonntag unnütz im Kühlregal herum, bis die Nicht-Mormonen sie am Montag wieder kaufen konnten. Denn unter der Woche erlaubt der Mormonen-Klüngel den Verkauf großzügig. Und in Gaststätten mit entsprechender Lizenz ist's auch noch nicht verboten, selbst am Sonntag nicht.
Dabei wird in Utah streng zwischen Bars und Speiselokalen unterschieden. Serviert ein Etablissement kein Essen, erhält der Laden nur eine Lizenz als "Private Club". Und in dem muss man "Mitglied" werden, bevor man dort einkehren darf. So geschehen im "Spencer's Steak and Chops", ein Speiselokal mit angeschlossener Bar, wo Angelika und ich zum Schlagerpreis von $4 eine dreiwöchige temporäre Mitgliedschaft erhielten, damit wir die legendären Steaks nebst zwei Gläsern Wein/Bier probieren konnten. Die Steaks (sehr zu empfehlen: das 12 Oz. New York Strip Steak zu $34) waren aber auch wirklich erstklassig, das muss sogar ich als Grillmeister zugeben. Insgesamt hat Utah etwa 300 dieser "Private Clubs".
Bis vor kurzem war es in Utah auch noch illegal, wenn zwei alkoholische Getränke gleichzeitig vor einem Gast standen. Hatte ein Schlemmer zum Beispiel seinen Weißwein noch nicht ganz ausgetrunken, aber für den zweiten Gang schon einen Rotwein bestellt, musste der Kellner darauf bestehen, das Weißweinglas abzuräumen, bevor das Rotweinglas auf den Tisch kam. Allerdings ist Utah, schätzungsweise seit der Winterolympiade vor einigen Jahren, moderner geworden und dieses absurde Gesetz fiel weg. Der USAToday-Artikel "What's up with Utah's liquor laws?" bietet eine amüsante Zusammenfassung der bizarren Situation.
In Salt Lake City gibt es sogar den guten Brewpub "Squatters", der ausgezeichnetes Bier braut und ausschenkt. Bier in Utah darf nur 4% Alkohol enthalten, während im Rest des Landes 6% üblich sind. Die Etiketten auf den Flaschen deuten mit Augenzwinkern auf die prekäre Lage im Bundesstaat hin: Das Porter Ale heißt "Polygamy Porter" und spielt wohl auf einige Extrem-Mormonen an, die mehrere Frauen heiraten, und das Pilsner heißt "Provo Girl", in Anspielung auf den Salt Lake City vorgelagerten Ort Provo, in dem viele konservative Mormonen wohnen.
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