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Zwei Deutsche in San Francisco und ihre Sicht der Welt. |
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San Francisco Ansichten: Castro
(Michael) Über unser Nachbarviertel, das Castro, haben wir ja schon oft berichtet. Wohl kaum ein Viertel ist so typisch für San Francisco, und kaum eines ist so aufgeräumt und malerisch. Die früher unter dem Namen "Eureka Valley" bekannte Gegend wurde Anfang der siebziger Jahre zum Zentrum der Schwulenbewegung. Harvey Milk, ein politischer Aktivist, später der erste Stadtrat von San Francisco, der sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte, eröffnete damals im Castro einen Kameraladen. Er wurde später von einem Schwulenhasser erschossen und noch heute erinnert das "Harvey Milk Photo Center" an ihn, in dem Angelika oft ihre Bilder in der Dunkelkammer entwickelt. Wenn jemand auf einer Party erzählt, dass er im Castro wohnt, denkt man innerlich automatisch: "Aha! Schwul." Laut Statistik wohnen 41% gleichgeschlechtlich orientierte Leute im Castro, über die ganze Stadt verteilt sind's nur 11%. Aber, glaubt mir, Schwul/Lesbisch-sein ist in San Francisco völlig normal. Klar, Touristen sind immer geschockt und auch Leute im Silicon Valley kichern verklemmt, wenn sie nach San Francisco kommen und stolpern mit hochrotem Kopf im Castro herum. Aber, machen wir uns doch nichts vor, letztendlich ist das Thema doch irrelevant. Wenn man lange genug in San Francisco wohnt, ignoriert man irgendwann den Unterschied.
Interessant ist freilich, dass das Castro eine relativ wohlhabende Gegend ist, in der fast konservativ angehauchte Leute wohnen. Keiner fährt einfach irgendein Auto, fast immer ist es der neueste Mercedes oder BMW oder Porsche oder Audi. Keiner wohnt in irgendeinem Haus, alles ist ansprechend und liebevoll her- und eingerichtet. Die Läden bieten erlesene Weine und schicke Klamotten an, und selbst der Haushaltswarenladen "Cliff's Variety" führt nur Haushaltsgegenstände für Leute mit Geschmack, die Wert auf Details legen. Angelika hat dort neulich für eine simple Eieruhr zwanzig Dollar ausgegeben! Ein Wahnsinn!
Die Regenbogenfahnen sind im Castro allgegenwärtig und auffallend viele Männer tragen kurze Haare. Es gibt eine reiche Auswahl an ausgezeichneten Restaurants, und die Leute lieben es, durch die Straßen zu flanieren, man hält Schwätzchen, es scheint, als kenne jeder jeden. Das "Castro Theatre" ist eines der ältesten Kinos der Stadt, und es zeigt eine ausgezeichnete Auswahl an alternativen intellektuell angehauchten Filmen. Einmal im Jahr findet dort das so genannte "German Festival" statt, dann werden neue deutsche Filme mit englischen Untertiteln gezeigt.
Allerdings ist das Castro brutal hügelig. Wer mit dem Fahrrad durchfahren möchte, muss sich auf einiges gefasst machen, dort sind einige der steilsten Hügel von San Francisco, und das heißt 30% und aufwärts. Wir Noe-Valley-Bewohner streunen oft im freundlichen Castro herum, denn es gibt viel zu sehen und an erstklassigen Restaurants kann man nie genug haben. |
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Letzte Änderung: 06-Jul-2008 |