Mike Schilli Angelika Schilli
Zwei Deutsche in San Francisco
und ihre Sicht der Welt.

  Rundbrief Nummer 62  
San Francisco, den 20.07.2006

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Spare the Air

Abbildung [1]: Spare the Air Day -- Fahr' und spar
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(Angelika) San Francisco ist berühmt-berüchtigt für seine automatische Klimaanlage, sprich die kühle Luft und den Nebel, der so manchen nur in T-Shirt und kurzer Hose bekleideten Touristen in den Sommermonaten schlottern lässt. Der Nebel ensteht, weil die heiße Luft vom Inland gen Ozean strömt, dieser aber recht kalt ist, und -- schwupps -- schon ist alles wie in Watte gehüllt. Die Meteorologen unter euch mögen mir diese vereinfachte Erklärung verzeihen.

Da der Temperaturunterschied in den Sommermonaten besonders groß ist, gibt es zwischen Juni und August auch den meisten Nebel. Nun müsst ihr nicht denken, dass wir ständig in einer grauen Suppe sitzen. Tagsüber verzieht der Nebel sich, die Stadt heizt sich bis auf über 30 Grad auf, und erst später kriecht er dann am späten Nachmittag langsam wieder in die Stadt. Die Stadtteile, die nah am Ozean liegen, sind am stärksten betroffen, wer im "Richmond" oder "Sunset" wohnt, zahlt weniger Miete, sitzt aber öfter in der Suppe. Unser Stadtteil "Noe Valley" und die nahegelegene "Mission", gelten hingegen als die sonnigsten. Der Stadt San Francisco beschert das Nebelphänomen aber das ein oder andere Lüftchen, und damit in der Regel gute Luft. Smog, so lästern wir gern, überlassen wir großzügig Los Angeles.

Allerdings gibt es dann hin und wieder heiße Tage ohne Wind, die die Ozonwerte drastisch in die Höhe schnellen lassen. Und wenn in San Francisco das Thermometer steigt, stöhnen und ächzen die Menschen in der übrigen Bay Area erst recht, denn in Städten, die wie Mountain View oder San Jose weiter inlands liegen, steigt das Thermometer dann über 40 Grad und die Hitze wird unerträglich. Um die Qualität der Luft an solchen Tagen zu verbessern, führte der "Bay Area Air Quality Management District" 1991 die so genannten "Spare-the-Air"-Tage ("verschone die Luft") ein.

Übersteigen die Ozonwerte voraussichtlich einen bestimmten Wert, wird der Tag im voraus zum "Spare the Air Day" erklärt. Um die Leute dann aus ihren luftverschmutzenden Autos zu bekommen, sind alle öffentlichen Verkehrsmittel in San Francisco und der weiteren Umgebung ("Bay Area") kostenlos. Auch die Eisenbahn, die von San Francisco über das Silicon Valley nach San Jose fährt, ist dann ganztags kostenlos. Bis dato galt das nur für die Hinfahrt am Morgen, aber dieses Jahr erweiterte man es auf den ganzen Tag. Da staunt ihr, oder? Das Ganze scheint tatsächlich auch zu funktioneren, denn 10% mehr benutzen öffentliche Verkehrsmittel an solchen Tagen. Außerden erhofft man sich, dass der ein oder andere auf den Geschmack kommt und U-Bahn, Straßenbahn, Eisenbahn und Bussen treu bleibt.

Abbildung [2]: Fahrkartenentwerter sind zugeklebt am "Spare the Air Day".
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Leider gab es gleich im Juni drei heiße Tage, die zum "Spare-the-Air" deklariert wurden und damit war das Budget für diese Saison, die für das "Spare-the-Air"-Programm von Juni bis Mitte Oktober läuft, aufgebraucht. Hmmm! Nun kratzten die zuständigen Behörden aber weitere 5.3 Millionen, unter anderem aus dem Topf der "Vehicle Registration" (so etwas wie die deutsche Kraftfahrzeugsteuer), zusammen. Die Summe reicht wahrscheinlich für drei weitere Tage dieses Jahr. Die verschiedenen Verkehrsbetriebe bekommen nämlich das Geld, das sie verlieren, aus dieser Quelle erstattet.

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Letzte Änderung: 06-Jul-2008