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Zwei Deutsche in San Francisco und ihre Sicht der Welt. |
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Aktuelle Diskussion im Forum
Mit dem Fahrrad durch SF und das Silicon ValleyIch fahre ja weiterhin jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit, und mein altes Rösschen hat schon schwer geschnauft, brrr, brrr, braaaav. Der Regen blieb bislang aus, "El Ninjo", ein vielzitiertes Wetterphänomen, kristallisiert sich als Hirngespinst unterbeschäftigter Fernseh-Wetterfritzen heraus. Und so geige ich jeden Tag zum Bahnhof, runter die 24te, zummm, und schwupp! wird aus dem Yuppie-Viertel, in dem wir wohnen, innerhalb von 500 Metern ein südamerikanisches! Da spielt mexikanische Volksmusik (die übrigens verblüffende Ähnlichkeit mit bayrischem Humpa-Dumpa hat) laut aus den Autoradios, die paar billigen Cafes, die um diese Zeit schon geöffnet haben, sind nur mit weißen Plastikstühlen ausgestattet, mehr Leute nehmen den Bus, mehr Obdachlose hängen rum. Mit dem Abfall geht's nicht so genau, da fegen schon mal alte Zeitungen durch die Seitenstraßen. Hin und wieder sieht man einen Indio mit Poncho und Cowboyhut lässig an der Straßenecke lehnen - ganz so wie Clint Eastwood in "Für eine Handvoll Dollars". Wenn ich dann links in die Hampshire-Straße, die in der Mitte ein böses Loch hat, abbiege, muss ich immer an das Münchner Busunglück denken - wie der Bus in der Baugrube versunken ist! Na, so schlimm ist's wohl nicht, aber für die Straßen von San Francisco braucht man dicke Profilreifen, soviel Glasscherben und Nägel wie da rumliegen!
Rauf auf eine kleine Anhöhe, keuch, vorbei am UPS-Gebäude, wo morgens um halb acht die Paketboten schon in ihren braunen Uniformen rumgschafteln, den Berg runter, unter der 101er-Autobahn durch und vorsicht! Am Kreisverkehr zur Townsend-Straße steht neuerdings ein Polizist mit einem Fahrrad und passt auf, dass auch jeder brav am Stoppschild stehen bleibt. Keiner da? Rauf aufs Gas in die lange Gerade durch das SoMa-Viertel (South of Market), wo Lagerhallen und Kunstgalerien sich abwechseln - da kommt gerne mal der 21te Gang rein!
Dann: Rein in den Bahnhof, das Rad in den speziell dafür vorgesehenen Bike-Wagon gestellt, der Schaffner hat ein Auge drauf! Man kennt sich. Dann geht's noch schnell zur Kaffeeverkäuferin einen "Small Coffee" und eine mexikanische Zimtrolle geholt, rein in den Zug und ab geht die Post!
Laptop raus, rumgeklimpert oder die Zeitschriften weggelesen! Natürlich nur meine eigenen Artikel, die anderen schreiben eh nur Blödsinn, giggle! Neuerdings höre ich übrigens Cassetten von Antony Robbins im Walkman. "Personal Power II", das ist so eine amerikanische Motivationsserie, wie werde ich Millionär in 14 Tagen oder so. Superlustig!
Wuuuuuups, nächste Station Hillsdale! Schnell raus mit dem Rad - ich krieg die Krise! Hat mich wieder ein Depp zugeparkt! Es ist nämlich so, dass jeder an seinem Rad ein Schild hat, auf dem steht, wohin er fährt. Bayshore, Palo Alto, San Jose, was weiß ich. In einem Radständer im Zug parken nämlich vier Räder. Damit der, der zuerst raus muss, nicht den ganzen Wagon auf den Kopf stellen muss, um an sein Radl zu kommen, parken die Leute die Räder so, dass der, der zuerst raus muss, sein Fahrrad vorne dran hat. Sagte ich, alle haben ein Schild an ihrem Rad? Nicht alle! M.S. z.B. hat einen total unauffälligen Aufkleber "San Francisco - Hillsdale" auf seinem, den sieht keiner! Aber andere Leute haben z.B. ueberhaupts keine Aufkleber nicht. Kommt jetzt jemand Neues in den Wagon, will sein Fahrrad abstellen und hat die Qual der Wahl zwischen mehreren Fahrradständern, in denen das vorderste Rad jeweils keinerlei Beschriftung aufweist, schreit er laut in den Wagon "Where's the red Specialized goin'??" und meint damit, dass er wissen will, wohin das rote Rennrad der Marke 'Specialized' mitsamt seinem Eigentümer denn fährt. Wenn der Eigentümer aufpasst, schreit der z.B. zurück "It's goin' to Belmont!" und jeder weiss Bescheid. Kommt keine Antwort, muss das Rad Herrn Schilli gehören, der gerade Walkman hört oder sonstigerweise geistig abwesend ist. Gnadenlos wird das Rad zugeparkt ... Ja, raus, raus, raus, aus dem Zug, gerade noch geschafft! Puh! Jetzt geht's durch das Hillsdale-Einkaufszentrum, das ist eine riesige Shopping-Mall mit so Giga-Kaufhäusern wie Mervyn's oder Macy's oder Sears. Die ersten Verkäuferinnen gehen zur Arbeit. Die Gegend wird ruhiger, es geht durch durch die Einfamilienhaus-Kolonie in San Mateo. Das ist typisches Mittelklasse-Amerika: Bungalows mit 10 Quadratmeter Rasen vornedran, sauber vom mexikanischen Schwarzarbeiter gemäht. Doppelgarage Minimum. So sehen ungefähr 80% aller amerikanischen Häuser außerhalb der großen Städte aus. In der Frühe macht der Ami gerne die Garagentür auf und lässt das Auto schon mal warmlaufen, während er noch frühstückt, Benzin kost' ja nix. Rauf auf die Anhöhe, wo das AOL-Gebäude steht! Der Berg ist ungefähr so hoch wie die Zugspitze, und so steil, dass der erste Gang rein muss (das heißt was bei einem Mountain-Bike!) und ich frage mich jeden Tag, wie lange ich gesundheitlich das noch machen kann. Aber oben ist es still wie auf dem Mount Everest, die Aussicht ist phantastisch und ich werfe ich noch einen kurzen Blick auf die Bay, summe leise "I lost my heart ... in San Francisco". Und auf geht's! Rein ins Büro, wo schon ein paar Jungs und Mädels in ihren Cubicles sitzen und es geht "Man, how are you?", "Hey buddy, how's it goin'?", "Man, I tell ya ...". Rechner an! Die "Silicon Graphics Challenge S", auf der ich arbeite, hab' ich noch nie gesehen - sie steht in Virginia, an der Ostküste! Und die Arbeit beginnt ... hacking away ... yippieh! So, liebe German Brothers & Sisters, ich hoffe, ihr hattet Euren Spaß an der Geschichte. Bis nächstes Jahr! Gehabt's euch wohl, ois Guade, take it easy! Angelika & Michael |
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Letzte Änderung: 06-Jul-2008 |