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  Rundbrief Nummer 55  
San Francisco, den 01.07.2005


Abbildung [1]: Vancouver: Modernes Kanada, Hafen vor Hochhäusern

Angelika: Schon lange wollten wir unseren kanadischen Nachbarn im hohen Norden einen Besuch abstatten. Im April war es endlich soweit. Wir setzten uns ins Flugzeug und starteten ins kanadische Vancouver durch, denn schon so viele hatten diese Stadt in den höchsten Tönen gelobt. Kanada wird ja häufig in einen Topf mit den USA geworfen, was die Kanadier zurecht aufregt. Es stimmt zwar, dass vieles gleich ist: So überraschte uns zum Beispiel, dass das Englisch in Vancouver genauso klang wie das in Kalifornien -- keinen kanadischen Akzent konnten unsere Ohren ausmachen.

Auch die Trinkgeldsitten sind austauschbar. Geht man essen, wartet der Gast brav bis die Empfangsdame einen an den Tisch führt. Und die Unsitte, dass die Steuern nicht schon im Endpreis mitaufgefürt werden, kennt der Herr Kanadier ebenfalls. Dafür gibt es dann gleich zwei verschiedene Verkaufssteuern: die staatliche und die der jeweiligen kanadischen Provinz. Trinkt man im Restaurant Alkohol, kommt noch eine dubiose Alkoholsteuer hinzu. Die Taxifahrer stöhnen genauso wie überall auf der Welt über die Höhe der Steuern und die obligatorische amerikanische Kaffeehauskette "Starbucks" gibt es ebenfalls an jeder Ecke. Auf der anderen Seite kennen die Kanadier solche Errungenschaften wie eine nationale Krankenkasse für alle und Vancouver bietet ein öffentliches Verkehrssystem, das zuverlässig nach Fahrplan fährt. Gleich bei der Ankunft fiel uns auf, dass Vancouver viel sauberer und weniger "verhaut" ist als amerikanische Städte mit vergleichbaren Ausmaßen.

Abbildung [2]: Vancouver: Oller Ureinwohner-Krempel im anthropologischen Museum

Trotz dieser freundlichen Bedingungen kamen wir bei der Einreise nicht um die kanadische Grenzkontrolle herum. Vor den Terroranschlägen in Amerika war es wohl recht locker, als amerikanischer Staatsbürger oder Greencard-Besitzer nach Kanada einzureisen. Aber das war einmal. So legten wir brav unseren deutschen Pass und unsere amerikanische Greencard vor. Ansonsten verhielten wir uns aber, als hätten wir noch nie vor einem Beamten irgendeiner Einwanderungsbehörde gestanden. Als man uns nämlich fragte, was uns nach Kanada führte, schwiegen wir beide zunächst beharrlich, nur um dann gleichzeitig das Reden zu beginnen, was die Beamtin hinter ihrem Schalter gleich mißtrauisch vermuten ließ, dass wir unsere Geschichten nicht aufeinander abgestimmt hätten. Wir überzeugten sie dann aber in Windeseile davon, dass wir nur zu rein touristischen Zwecke kanadischen Boden betreten wollten.

Auf der Rückreise stolperten wir gleich wieder über eine "Einwanderungsfalle". Gleich beim Einchecken am Alaska-Airlines- Schalter am Flughafen in Vancouver fiel uns auf, dass sich neben und hinter dem Schalter kein Laufband für das Gepäck befand. "Seltsam!", dachte ich mir noch. Und schon forderte uns die freundliche Dame auf, während sie uns unsere Bordkarten reichte, mit unserem Gepäck hinter den Schalter zu treten, also genau da, wo sonst das Gepäck verschwindet. Weitere Erklärungen gab es nicht. Also schlenderten wir mit dem Gepäck einen Gang entlang, bis wir vor dem Duty-Free-Shop standen, vor dem eine weitere Tante in Uniform stand, die nach unserer amerikanischen Zollerklärung fragte.

Das verwirrte uns nun vollends, denn diese füllt man normalerweise frühstens im Flugzeug aus, denn schließlich befanden wir uns ja noch in Kanada. Sie deutete dann auf kleine Pulte mit den Formularen und wies uns an, mit dem ausgefüllten Formular zu ihr zurück zu kommen. Gesagt, getan. Nachdem sie die Zollerklärung begutachtet hatte, durften wir samt Zollerklärung und Gepäck durch den Duty-Free-Shop stapfen und standen plötzlich vor den Schaltern der amerikanischen Einwanderungsbehörde. Zumächst dachten wir, wir befänden uns im falschen Film. Nur nocheinmal zur Erinnerung: Wir befanden uns immer noch im Flughafengebäude in Vancouver. Aber nein! Wir reisten sozusagen in Vancouver schon wieder in die USA ein. Hinter den Schaltern der Einwanderungsbehörde erbarmte man sich auch schließlich unseres Gepäcks. In San Francisco sparten wir uns somit die Passkontrolle und landeten gleich in dem Terminal für die amerikanischen Inlandsflüge.

Abbildung [3]: Vancouver: Noch mehr Hochhäuser

Ansonsten überraschte uns, wie hypermodern Vancouver ist. Überall ragen architektonisch ausgefuchste Wolkenkratzer in den Himmel und gebaut wird wie nichts Gutes. Vancouver, so bestätigte man uns mehrfach, boomt und jeder will hier wohnen. Es fehlte uns allerdings etwas das Alte und Gemütliche. Es gibt zwar eine für den Touristen hergerichtete "Old Town" und auch ein chinesisches Viertel besitzt Vancouver, was allerdings den Vergleich mit San Franciscos Chinatown nicht standhält. Der Reiz der Stadt lag für uns in der landschaftlichen Schönheit: von Wasser umgeben, die Berge als Panorama und ein riesiger Park, der Stanley Park, mitten in der Stadt. Besonderen Spaß machte es uns mit den kleinen Fähren, die einen wie Taxis von einem Punkt zum anderen bringen, auf dem Wasser herum zu schippern. Und neidlos mussten wir anerkennen, dass Vancouver sich kulinarisch sehr wohl mit San Francisco messen kann. Die Restaurants, die wir besuchten, waren vielfältig und ausgezeichnet.

Abbildung [4]: Die putzige kleine "Aquabus"-Fähre
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