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Rundbrief
  Rundbrief Nummer 54  
San Francisco, den 19.03.2005
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Rundbrief


Abbildung [1]: Die "Post Street" auf Englisch und Japanisch ("Po-su-to" und das Kanjii-Zeichen für Straße)

(Angelika) Jeder kennt San Franciscos Chinatown. Selbst wer noch nie San Francisco besucht hat, ist durch so manchen Film mit diesem asiatischen Stadtteil vertraut. Wer könnte die Verfolgungsjagd in dem Klassiker "Ist was Doc?" durch den chinesischen Neujahrsumzug vergessen? Auch wenn das heutige "Chinatown" zu viele billige und kitschige Andenkenläden aufweist, gehört es doch immer noch zum Pflichtprogramm eines jeden Touristen, und auch wir schlendern gern durch die schmalen, bunten Gassen.

Nach Japantown verirren sich hingegen wenige Touristen. Neuerdings erwähnen allerdings einige Reiseführer dieses Viertel, was wir immer daran erkennen, dass Touristen -- mit den besagten Reiseführern bewaffnet -- in unseren japanischen Lieblingsrestaurants sitzen und tapfer das japanische Essen verzehren.

Der Charme Japantowns erschließt sich dem Besucher aber erst auf den zweiten Blick. Auf den ersten Blick ist es nicht mehr als ein großes Einkaufszentrum -- eingequetscht zwischen dem "Miyako Hotel" und dem Kino "Kabuki", umgeben von den Straßen Geary, Post, Fillmore und Laguna Street.

In Abbildung 1 seht ihr, dass die Straßennamen in Japantown zweisprachig ausgeschildert sind: Oben steht "POST", was in Amerika typisch ist, denn das Wort für Straße ("Street") steht, anders als in Deutschland, nie auf dem Schild. Ist ja irgendwie klar, dass es eine Straße ist. Der Amerikaner mag keine sinnlose Redundanz. Die kleine Tafel mit "1600" und dem Pfeil nach rechts deutet an, dass rechts vom Schild die Hausnummern ab 1600 beginnen. Links davon sind sie kleiner.

Darunter steht das japanische Schild. Darauf stehen vier japanische Schriftzeichen. Die linken drei sind "Katakana"-Zeichen, die dazu benutzt werden, auf japanisch ausländische Worte zu lautmalen. Die ersten drei Zeichen werden "Po-Su-To" ausgesprochen. Da Japaner keine harten Konsonanten ohne Vokale kennen, ist "Post" nicht ganz einfach auszusprechen. Deswegen werden an das "S" und das "T" in "Post" ganz einfach Vokale angehängt, denn "Su" und "To" sind gängige japanische Silben. Um das nochmal klarzustellen: Die drei Katakana-Zeichen bedeuten keineswegs "Post" auf japanisch. Sie lautmalen nur das englische Wort, das klingt zwar etwas merkwürdig, aber so reden Japaner englisch. Übrigens sagen waschechte Japaner zu "Yahoo!" immer "Yafoo!", denn den Laut "H" gibt es im Japanischen, wie auch im Französischen nicht. Das vierte Zeichen auf dem oberen Schild ist ein Kanjii-Zeichen, das "Straße" symbolisiert. Wenn ihr mal in einer Quiz-Show eingeladen seid, könnt ihr damit protzen, dass ihr wisst, dass alle japanischen Kanjii-Zeichen identisch mit den chinesischen Schriftzeichen sind, aber in China anders ausgesprochen werden.

Abbildung [2]: In der Shopping-Mall in Japantown

Hässlich ist Japantown zudem noch, da die beiden Einkaufspassagen, die "Kintetsu" und "Miyako" Mall in den späten 60iger Jahren in einem Anfall von Modernisierungswahn gebaut wurden, dem viele viktorianische Häuser zum Opfer fielen. Viel Beton, wenig Design. Das wiegt auch der so genannte Friedensplatz ("Peace Plaza"), der zwischen den beiden Passagen liegt, mit seiner Pagoda (ebenfalls aus Beton) und einem modernen Springbrunnen nicht auf. Aber wenn ihr ein Stück Japan in San Francisco entdecken wollt, oder wie wir einmal wöchentlich Sehnsucht nach dem Land der aufgehenden Sonne habt, macht euch auf nach "Nihonmachi". Das ist das japanische Wort für Japantown: Mit "Nihon" (oder Nippon) bezeichnen bekanntlich Japaner ihr eigenes Land Japan.

Vor dem Zweiten Weltkrieg war Japantown übrigens um einiges größer. Die Internierung der in Amerika lebenden Japaner im Zweiten Weltkrieg beendete diesen Boom abrupt. Da Japan sich damals mit den Deutschen verbündet hatte und vom Westen in Pearl Harbor angriff, erließ Präsident Roosevelt im Jahr 1942 die Order 9066. Alle aus Japan stammenden Bürger, die auf amerikanischem Boden lebten (sogar diejenigen, die die amerikanische Staatsbürgerschaft besaßen), wurden gezwungen, in Internierungslagern wie "Manzanar" zu leben (Rundbrief 12/2001). Nach ihrer Entlassung erhielten die meisten Japaner ihre Wohnungen nicht wieder und kehrten als Folge daraus nicht in ihre vertrauten Viertel zurück.

Abbildung [3]: "Soko Hardware" auf der Post-Street

Trotzdem findet man auch heute noch Geschäfte in Japantown, die schon seit Generationen in Familienbesitz sind. "Soko Hardware" ist eines davon. Hier findet ihr nicht nur typische Heimwerker-Artikel wie Kabel, Werkzeuge und Farbtöpfe sondern auch originelle japanische Waren wie Reiskocher, Sushi-Messer, Tatami-Matten und japanisches Geschirr. Über Monate war dort im Schaufenster eine Hightech-Toilette ausgestellt, die wir schon von unser Japanreise kannten (Rundbrief 06/2002). Michael war hin und weg und liebäugelte damit, sie zu kaufen. Ich konnte ihn nur mit Mühe davon abhalten.

Der Schreibwarenladen "Kinokuniya" ist wiederum einer meiner Lieblingsläden. Ich habe ja seit jeher einen Fimmel für gut schreibende Stifte und das Geschäft führt hunderte davon. Schon im zarten Schulalter gab es für mich nichts Besseres als die nagelneue Geha-Filzstift-Packung. Ich gebe es offen zu: Der Herr Japaner weiß, wie man einen guten Stift produziert. Und so stehe ich versonnen vor den Stiftregalen und probiere einen nach dem andern aus, während Michael unruhig von einem Bein auf das andere tritt. Der gleichnamige, dazugehörende Buchladen, hinter dem sich eine bekannte japanische Buchladenkette verbirgt und der direkt gegenüber vom Stifteparadies liegt, führt nicht nur eine riesige Auswahl von Literatur, Magazinen und Comics ("Mangas") in japanischer Sprache sondern auch Bücher über alle möglichen japanischen und aiatischen Themen auf Englisch.

Abbildung [4]: Fotoautomat in Japantown

"Ichiban-Kan", die japanische Variante eines "Dollarstores" oder eines 1-Euro-Ladens, erfreut sich bei uns ebenfalls größter Beliebtheit. In diesem Laden gibt es lauter Krimskrams, von Stäbchen über japanische Süßigkeiten und Knabbereien hin zu Kosmetika zu kaufen. Neulich entdeckten wir dort unser Lieblingsgetränk Gokuri (Rundbrief 06/2002) zum Schlagerpreis. Das Getränk ist auch in San Franciscos Japantown schlecht zu kriegen. Aber leider war das Grapefruit-Getränk wie immer in solchen Läden schnell ausverkauft.

Unsere Hauptbeschäftiung bei unseren Japantown-Besuchen besteht natürlich darin, unsere kulinarischen Gaumen zu verwöhnen. Steht uns der Sinn nach einem japanischem Süppchen mit Udon (dicke weiße Nudeln)- oder Soba (dünne Buchweizen-Nudeln) frequentieren wir das "Mifune".

Ist die Schlange vor dem "Mifune" einmal wieder zu lang, schlendern wir weiter zum "Sapporo-Ya", dessen Spezialität in der Suppe Ramen- Nudeln (mehr der chinesischen Art angelehnt) sind. Ins "Isobune" führen wir unsere Gäste aus, die sich selber noch als Sushi- Anfänger bezeichnen. Denn im "Isobune" schwimmt das Sushi in kleinen Booten platziert direkt vor der eigenen Nase vorbei -- immer im Kreis herum. Man sieht also, was man isst und nimmt sich einfach das Tellerchen vom Boot runter, dessen Sushi man sich zu verzehren traut. Die Sushi-Chefs stehen in der Mitte und bereiten in rasender Geschwindigkeit und mit großer Fingerfertigkeit die rohen Fischspezialitäten auf Reis zu. Viele Insider in San Francisco meinen, dass die Qualität des Sushis im "Isobune" eher durchschnittlich ist. Spaß macht der Laden trotzdem.

Und nun kommt der absolute Geheimtipp, denn ihr hoffentlich für euch behaltet: das "Takara", in dem es ausgezeichnete japanische Hausmannskost gibt. Unserer bescheidenen Meinung nach gibt es im "Takara" das authentischste Essen -- einschließlich der Bedienung: Michael und ich bestellen in der Regel immer ein spezielles Mittagessen, in dem man sich drei Happen japanischer Köstlichkeiten aus einer umfangreichen Liste aussuchen darf. Als Michael aber einmal eine Makrele, einen Lachs und ein Schnitzel bestellte, verdrehte die Bedienung völlig empört die Augen und weigerte sich fast, die gewünschte Bestellung entgegen zu nehmen. Zweimal gegrillter Fisch; das war für ihre japanische Seele zu viel.

Abbildung [5]: "Andersen Bakery" in Japantown

Abbildung [6]: Mein verstauchter Knöchel

Wenn ihr nicht gerade Abendbrot esst, schaut euch mal den dicken Fuß in Abbildung 6 an! Ich konnte wirklich nicht mehr laufen, jeder Schritt schmerzte, als bohrte jemand mit einem Messer in meinem Knöchel herum.

Wo ich arbeite, zuhause oder im Büro, spielt keine große Rolle, und so habe ich am nächsten Morgen einfach im Büro angerufen, und eine Woche Heimarbeit angemeldet. Wir haben ja daheim einen supereleganten Fernsehsessel, aus dem eine Fußstütze herausschnellt, wenn man sich zurücklehnt, und zusammen mit dem Laptop und einem drahtlosen Netzwerk war es wirklich ein Genuss, so zu arbeiten. Als der Fuß aber nach ein paar Tagen nicht besser wurde, wurde ich doch unruhig. Vielleicht sollte man doch mal eine Röntgenaufnahme machen lassen?

Das Problem ist freilich, dass die Krankenhäuser in den USA eine Katastrophe sind. Die Ärzte dort finden glaube ich einen Bruch nicht mal dann, wenn er mit einem dicken roten Filzstift auf dem Röntgenbild markiert ist. Zwar kann man sich von Super-Spezialisten problemlos einen Vierfach-Bypass legen oder vielleicht das Gehirn rausnehmen und wieder einsetzen lassen, aber die alltägliche Versorgung ist wie in der dritten Welt.

Meine Abneigung, in Amerika zum Arzt zu gehen, ist schon legendär: Letztes Jahr, Angelika war gerade auf Reisen, zog ich mir durch eine unachtsame Handbewegung bei der Installation eines Computerkabels unter meinem Schreibtisch eine zirka 1cm lange Holzfaser in den Finger, direkt unterhalb des Nagels. Die Faser war mit einer Pinzette nicht zu fassen, zu tief war sie unter die Haut gerutscht. Es war Samstag, und ich hätte in die Notfallaufnahme des Krankenhauses fahren müssen, das zwar direkt um die Ecke liegt, allerdings in einer recht, ähm, lebhaften Gegend. Ich war schon einmal dort gewesen, und während meines etwa einstündigen Aufenthalts dort wurde ein Angeschossener blutüberströmt mit einem Rollstuhl reingefahren. Ich bin zwar kein Weichei, aber in die Notfallaufnahme gehe ich so schnell nicht mehr.

Schließlich trank ich ein großes Glas Whiskey, glühte eine Nähnadel ab, sprühte Desinfektionsmittel auf und schlitzte die Haut unterhalb des Fingernagels auf. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis ich nach etlichen Versuchen endlich die Holzfaser mit einer Pinzette zu fassen bekam. Mein Siegesgebrüll konnte man bis ins Krankenhaus hören.

Außerdem muss man sich nach einem Arzt- oder Krankenhausbesuch oft monatelang mit der Krankenkasse herumschlagen. Weil die Krankenhäuser auch Leute ohne Versicherung oder Vermögen zumindest notdürftig behandeln müssen, und oft auf den Kosten sitzen bleiben, zocken sie die Leute mit Versicherung oft gnadenlos ab. Die Versicherungen weigern sich dann, die überhöhten Forderungen zu begleichen, und der Patient darf sich dann mit den rüpelhaften und gnadenlosen Geldeintreibern der Krankenhäuser herumstreiten.

Außerdem müssen wir bei unserer Krankenkasse (wie Angelika schon in Rundbrief 11/2004 ausgeführt hat) mit einer jährlichen Selbstbeteiligung von $250 geradestehen. Mit meinem neuen Job seit Ende September hatte ich die neue Krankenkasse noch nicht lange und stand vor der Frage: Soll ich $250 zahlen, um den Knöchel röntgen zu lassen? Ich ging schließlich doch zum Arzt. Der schickte mich ins Krankenhaus zum Röntgen, wo man nichts fand. Na, aber wenigstens war ich beruhigt, das war das Geld schon wert.

Abbildung [7]: Die Rechnung vom Krankenhaus

Beim Arzt zahlen wir nur $15 Praxisgebühr und unsere Krankenkasse übernimmt alles Weitere. Nicht so bei Krankenhausdiensten wie Röntgenaufnahmen: Bei denen zahlt die Krankenkasse nur 90% und, wie gesagt, bin ich als Patient mit $250 Selbstbeteiligung im Jahr dabei.

Abbildung 7 zeigt die Rechnung, die danach ins Haus flatterte. Das Krankenhaus hat tatsächlich $526 für die Aufnahmen verlangt. Wahrscheinlich war die Röntgenkamera aus Gold. In Spalte B seht ihr, dass die Versicherung aber vorher mit dem Krankenhaus für Röntgenaufnahmen des Knöchels ein Maximum von $341.90 ausgekartelt hat, und das ist die Summe, die das Krankenhaus kriegt. Wäre ich nicht versichert, hätte mir das Krankenhaus eiskalt $526 abgeknöpft. In Spalte E seht ihr die Selbstbeteilung von $250, die euer Erzähler leider selbst berappen musste. Von den $341.90 bleiben also $91.90, von denen die Krankenkasse 90% erstattet, und beim lieben Michael bleiben nochmal $9.19. Also haben wir einen Scheck über $259.19 ans Krankenhaus geschickt und die Sache war erledigt. Aetna ist eine der besseren Versicherungen und es gab keine Komplikationen. Na, das war eine teure Formel-1-Kurvenlage!

Terror-Warnlevel

Abbildung [8]: Das Terror-Warnsystem

Jeden Tag, wenn ich mit dem Fahrrad über das Gelände der Firma Lockheed Martin zu Yahoo! brause, fällt mir beim Pförtner eine Tafel mit der aktualisierten Terror-Warnskala auf. Sie geht von "Low" (grün), über "Guarded" (blau), "Elevated" (gelb), "High" (orange), bis "Severe" (rot). Seit Monaten steht der Zeiger in der Mitte auf "Elevated".

Dieses Warnsystem hat das Department of Homeland Security, eine von Präsi Bush neu ins Leben gerufene Institution, herausgebracht.

Das System erinnert an die Feuerwarnungen in amerikanischen Waldgebieten. Dort stehen meist Tafeln mit Feldern in vier verschiedenen Farben, "Low" (grün), "Medium" (gelb), "High" (orange), "Extreme" (rot). Und der Förster stellt jeden Tag, je nach Wetterlage, einen Zeiger auf das entsprechende Feld ein, damit die Leute wissen, wenn der Wald strohtrocken ist und man am besten kein Lagerfeuer anzündet. Durchaus sinnvoll.

Aber das Terror-Warnsystem? Während des kalten Krieges in den siebziger und achtziger Jahren wurden wenigstens noch Empfehlungen herausgegeben, was zu tun ist, wenn z.B. eine Atombombe einschlägt (Kopf in den Sand, Zeitung drauf!). Aber was soll ich machen, wenn die Terrorwarnung auf Orange rutscht? Auf Rot gar?

Das Witzblatt "The Onion" kam danach freilich sofort mit einer Warntafel für den Irak heraus. Die niedrigste Warnstufe war dort "Dumpfe Explosionen in einiger Entfernung". Und etwas weiter oben war die Warnstufe "Let me put it this way; I wouldn't take any long drives." ("Ich will es mal so ausdrücken: Ich würde keine weiten Fahrten unternehmen").

Geiz ist geil

Abbildung [9]: Die Website von slickdeals.net

In den USA gibt es einfach die besseren Sonderangebote. Einen neuen PC von Dell mit Intel 2.8 Ghz und 512MB RAM und 17 Zoll LCD-Bildschirm für $575? Kein Problem. Allerdings gibt es so etwas immer nur für ein paar Stunden irgendwo, oft nur Online, und man müsste ständig herumbrausen, um davon Wind zu kriegen.

Zum Glück gibt es Websites wie slickdeals.net und dealcatcher.com, auf denen Freiwillige ständig herumgeschafteln und die neuesten Sonderangebote der konkurrierenden Läden melden. Hat Dell einen Coupon für einen kostenlosen Drucker, Amazon ein Freitagsangebot, oder der Computer-Riese Comp-USA einen Router, der $17 Dollar kostet und man $20 Dollar Mail-in-Rebate (siehe Rundbrief 01/1999) kriegt? Auf diesen Seiten steht's. Nach der morgentlichen Lektüre muss man dann schnell entscheiden und Online bestellen, dann kriegt man die unglaublichsten Deals. Ich habe schon 200-GB-Festplatten zu $59, Wireless-Router für $20 und, wie gesagt, Spitzenklasse-Computer mit Flachbildschirm für $575 erstanden.

Klarer Fall: Die Läden verkaufen diese Artikel mit Verlust. Das ist in den USA legal. Freilich rechnen sie damit, dass dann Kunden in die Niederlassung strömen oder auf der Webseite heraumbrausen, um mehr als nur das Schlagerangebot zu bestellen.

Aber besonders im Silicon-Valley hat sich mittlerweile eine Truppe von (von mir) so genannten "El Cheapos" herausgebildet, die immer Samstag morgens in die Läden drängen, um die Schlagerangebote (und sonst nichts) abzustauben. Und ich weiß das von einigen Arbeitskollegen, die durchaus in den oberen 10 Prozent der Einkommensskala verdienen -- es geht lediglich um den Sparkick.

Teilweise sieht man Auktionen auf Ebay, die Artikel feilbieten, die zweifelsohne in einem der Supermärkte im Silicon Valley gekauft wurden: Kuckt man sich die Abbildungen genau an, sieht man originalverpackte Artikel mit Preisschildern von Silicon-Valley-Verkaufriesen wie "Fry's". Um den Mail-In-Rabate (Rundbrief 01/1999) einzulösen, wurde meist der Barcode von der Verpackung abgelöst. Dann hat der Ebay-Verkäufer für einen DSL-Router bei Fry's $20 bezahlt, bekommt von der Herstellerfirma (Dlink, Belkin, Airlink) einen Mail-in-Rebate von $20 und verkauft den Artikel dann auf Ebay für $30 an einen Kunden in South Dakota, der froh ist, ihn zu diesem Preis zu kriegen. Alles 100% legal und eine Win-Win-Situation für alle Verbraucher!

Außerdem führt es zu einem umgedrehten Kaufverhalten: Man kauft eine Ware nicht mehr, weil man sie braucht, sondern weil sie gerade billig ist. Das freut natürlich die Wirtschaft. Die sich übrigens in den USA, im Rundbrief lest ihr es zuerst, wieder erholt hat und kurz vor einem neuen Boom steht.

So gibt es zum Beispiel die Website woot.com, eine kleine von ein paar in die USA eingewanderten Indern gegründete Startup-Firma, die täglich nur ein Produkt anbietet und damit Millionen von Dollars umsetzt. Die Auswahl ist völlig irre, an einem Tag ist's eine Küchenmaschine, am anderen ein Netzwerk-Router oder eine Armbanduhr. Das Zeug gibt's, solange der Vorrat reicht, dann ist für den Rest des Tages Schluss. Bis am nächsten Tag das nächste Woot! Sonderangebot kommt. Der Name der Firma leitet sich übrigens von dem Spruch "Woot! There it is!" ab, der sich etwa mit "Schwupps, da ist es!" übersetzen lässt.

Oder nehmt die Firma TiVo: Die startete am 17.12.2004 eine Werbeaktion: In der Zeitung wurde verkündet, dass jeder, der ab zehn Uhr morgens an einer bestimmten Stelle im Silicon Valley steht, einen digitalen Videorekorder im Wert von $200 bekommt. Die Aktion war ein voller Erfolg, tausende (!) von Leuten standen Schlange und mehr als 1000 Geräte wurden verschenkt. Hubschrauber aller Fernsehstationen waren da, Zeitungsreporter, die Geschichte war in aller Munde und einige Yahoo!s erschienen erst gen Mittag zur Arbeit. Wenn man umrechnet, wie wenig Publicity man sonst für $200,000 bekommt, war das ein voller Erfolg.

Topprodukt: Mr. Steam

Das Topprodukt dieses Monats ist leider (noch) nicht in unserem Besitz. Vielmehr fanden wir es in einem Cottage in Sonoma County, in das wir uns nach Silvester zwei Tage lang einnisteten. Dort gab es eine Dusche mit einem "Mr. Steam"-Knopf. Dahinter verbirgt sich ein hochmodernes eingebautes Gerät, das auf Knopfdruck einen derart höllisch heißen Nebel in der Dusche produziert, dass man kaum noch Luft kriegt. Nicht umsonst wies ein kleiner Aufkleber außen an der Dusche daraufhin, dass "Mr. Steam" nichts für Schwangere oder Leute mit Herzbeschwerden sei.

Abbildung [10]: Der Knopf von Mr. Steam, der den höllisch heißen Nebel produziert.

Abbildung [11]: Der Topprodukt-Tester in der Dusche

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne lange und heiß dusche und alles volldampfe, aber so einen Nebel hab' ich mein Lebtag noch nicht produziert. Volle 10 Saunapunkte!

Platte des Monats

Abbildung [12]: Coldplay - "A Rush of Blood to the Head"

Zwar schon zwei Jahre alt und aus Großbritannien, aber ich hab's erst neulich entdeckt und war hingerissen: Coldplay's zweite Platte (nach "Parachute"), "A Rush of Blood to the Head" schlägt ruhige Töne an, aber die Melodien setzen sich im Kopf fest: Neulich habe ich gut gelaunt den ganzen Tag den Refrain von "Politik" gesummt. Erinnert mich irgendwie an die früher von mir sehr geschätzte Gruppe "The Alan Parson's Project", obwohl euch "No-Dialtoner"-Kiddies das jetzt wahrscheinlich nichts sagt. "No-Dialtoners" nennt man in den USA übrigens Leute, die so um 1990 geboren wurden und niemals das Freizeichen im Telefon gehört haben, weil sie ausschließlich mobil telefonieren, wo's kein Freizeichen gibt. Soll ich zugeben, dass ich mich sogar noch daran erinnern kann, dass es ganz früher keinen Dauerton im Festnetz gab, wenn man den Hörer abhob, sondern intervallartiges Tuten? Ächz, ächz, die Knochen!

Ansonsten höre ich "Depeche Mode" Tag und Nacht. In den Achtzigern hielt ich die immer für zu kommerziell, aber heutzutage finde ich Songs wie "World in Your Eyes" einfach umwerfend. Und auch "New Order" werden neuerdings im Radio rauf und runter gespielt. Und jetzt kommen auch noch lauter neue Remixes raus, die scheinen der Renner in den Discos so sein, aber leider bin ich dafür schon zu alt. Ein "He, was macht'n der Opa da?" wollte ich mir dann doch ersparen.

Hund beißt Postboten

Neulich flatterte ein lustiger Brief vom Hauptpostamt San Francisco ins Haus: Es werden zu viele Briefträger von Hunden gebissen und das geht so nicht weiter! In dem Schreiben in Abbildung 13 könnt ihr nachlesen, dass in einem solchen Fall der Hundebesitzer vor Gericht muss und mit bis zu 1000 Dollar Strafe rechnen kann.

Abbildung [13]: Das Postamt mahnt an, Hunde anzuleinen.

Eigentlich ist diese Strafe ja noch zu milde. Es kommt leider immer wieder vor, dass Hunde durchdrehen, weil ihre verantwortungslosen Besitzer sie unangeleint herumrennen lassen. Mir ist es schon mehr als einmal passiert, dass der Hund irgendeines Deppen plötzlich meinem Fahrrad nachrannte. Das Gute in Amerika ist freilich, dass man den Verantwortlichen ordentlich zur Sau machen darf. Solange man nicht tätlich wird, ist alles erlaubt. Das erste Amendment der Verfassung garantiert's.

Buchtipp "Amerikanische Verhältnisse"

Abbildung [14]: Ein interessantes, wenn auch nicht ganz wahres Buch.

Es gibt eigentlich kaum jemanden, der fundiert und ausgewogen über die USA berichtet. Zwei Extreme fallen auf: Zum einen die "Hurra!"-Schreier, meist gutsituierte Unternehmertypen, die in Deutschland alles annervt und die die amerikanischen Verhältnisse idealisieren. Am anderen Ende der Skala stehen die Amerika-Hasser, die noch nie in den USA waren, aber Schauergeschichten über den "American Way of Life" zu erzählen wissen.

Unser Rundbrief versucht ja, eine Balance zu finden. Wir wohnen zwar in den USA, aber wir verschließen nicht die Augen vor den Problemen.

Das Buch "Amerikanische Verhältnisse" von Olaf Gersemann, das ich kürzlich auf Englisch gelesen habe, wo es "Cowboy Capitalism: European Myths, American Reality" heißt, ist auf der "Hurra!"-Schreier-Seite der Skala zu finden. Der Gersemann-Olaf hat sich aber zumindest bemüht, einige interessante Fakten zusammenzutragen.

Er analysiert typisch deutsche Vorurteile über die USA und widerlegt sie dann anhand von interpretierten Statistiken. Dass zum Beispiel nur 5.3% der amerikanischen Bevölkerung zwei oder mehr Jobs haben. Auch seine Sichtweise, dass die deutschen Studiengebühren mehrheitlich von Leuten getragen werden, die nicht studiert haben, fand ich interessant. Oder dass in Deutschland die Reichen erstaunlich viel wieder vom Staat zurückerhalten, während die Umverteilung von Staatseinnahmen in Amerika tatsächlich mehr den Armen zugute kommt.

Und er gibt auch zu, dass etwa 1% der USA-Bevölkerung hinter Gittern sitzt, dass die Pharmaindustrie die Politiker schmiert und enorme Gewinne einstreicht, dass das Gesundheitssystem das teuerste und eines der schlechtesten auf der ganzen Welt ist und dass die Gehaltsunterschiede zwischen Arm und Reich enorm sind.

Allerdings ist der Gersemann-Olaf eine Art Michael Moore der Finanzmagnaten, der's auch mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Wenn er nur ein Vorurteil widerlegen kann, biegt er die Statistiken teilweise schon ziemlich nach seinen Wünschen zurecht. Einmal demonstriert er einen Trend mit drei verschiedenen Einkommensgruppen, aber um eine weitere Tendenz zu zeigen, kann er nicht das unterste Drittel nehmen, sondern wechselt schnell ohne Begründung ins untere "Fünftel" über. Oder er argumentiert abenteuerlich, dass es schon in Ordnung ist, wenn die Pharmaindustrie überhöhte Preise fordert, weil damit bessere Medikamente entstehen und das Bruttosozialprodukt steigt, wenn die Leute länger leben.

Von diesen Ausrutschern mal abgesehen, ist das Buch aber durchaus interessant, es stehen eine Menge Fakten drin, die kaum jemand kennt, der nicht längere Zeit sowohl in Deutschland als auch in den USA gelebt hat. Wenn ihr eher auf der linkeren Seite der politischen Skala zu finden seid, werdet ihr bei der Lektüre allerdings teilweise toben, haltet Baldriantropfen bereit.

Medicare: Die staatliche Krankenkasse für Rentner

Abbildung [15]: Amerikanische Rentner

(Angelika) Wir haben in den Rundbriefen in letzter Zeit viel über die amerikanischen Krankenkassen gelästert und dabei unterschlagen, dass es auch im knallhart-kapitalistischen Amerika eine staatliche Krankenkasse gibt, nämlich die für die Rentner -- genannt "Medicare". Eine rühmliche Ausnahme! Jeder Rentenberechtigte kann ab (zur Zeit) 65 Jahren in diese staatliche Krankenversicherung. Unter 65 erhalten Menschen mit bestimmten Behinderungen oder schwerem permanenten Nierenversagen Medicare-Leistungen. Finanziert wird das Ganze, in dem der Staat 1.45% (Stand 2005) vom Bruttogehalt des Arbeitnehmers einbehält. Der Arbeitgeber trägt ebenfalls 1.45% -- also ein ähnliches Prinzip wie ihr es aus Deutschland kennt. Selbständige zahlen 2.9% (Arbeitgeber- plus Arbeitnehmeranteil) in den Topf ein. In der Regel muss man selbst oder der Ehepartner mindestens 10 Jahre Beiträge geleistet haben, um später Leistungen zu erhalten. Die staatliche Versicherung "Medicare" entstand 1965.

Die traditionelle Medicare-Versicherung unterscheidet zwei Bereiche: die Krankenhausversicherung (Teil A) und die Versicherung für Arztbesuche und andere ambulante Dienste (Teil B). Für die Krankenhausversicherung zahlt der Rentner keine monatlichen Beiträge, aber eine einmalige Selbstbeteiligung von $912 (Stand 2005) für Krankenhausaufenthalte von 1 bis 60 Tagen. Aufenthalte von 61 bis 90 Tagen kosten den Rentner $228 pro Tag. Dieser Betrag steigt auf $456 (!) (ihr habt richtig gelesen) pro Tag, wenn der versicherte Patient zwischen 91 und 150 Tagen im Krankenhaus bleiben muss. Nach 150 Tagen gibt es keine Medicare-Leistungen für Krankenhausaufenthalte mehr. Hat der Patient aber das Krankenhaus für 60 Tage verlassen, springt die Versicherung bei erneuter Einweisung wieder ein. Der Patient zahlt allerdings wieder die oben genannten Beträge zu, d.h. die Selbstbeteiligung gilt pro Aufenthalt und nicht pro Jahr.

Der zweite Teil von Medicare, der Arztbesuche u.ä. abdeckt, kostet eine monatliche Prämie von zur Zeit $78.20. Die jährliche Selbstbeteiligung beläuft sich in 2005 auf $110, danach erstattet Medicare 80% der anerkannten Arztgebühren -- der Patient bleibt auf 20% sitzen.

Wenn ihr beim Zitieren meiner Zahlen jetzt nicht eingeschlafen seid, ist euch nicht entgangen, dass die Zuzahlungen enorm sind. Selbst mit Medicare-Versicherung steht der Rentner bei langwieriger Erkrankung vor dem Bankrott. Deshalb bieten private Versicherer so genannten "Medigap"- Versicherungen ("gap" = Lücke) zum Kauf an, um die Versorgungslücken zu schließen und Zuzahlungen zu minimieren. Die privaten Medicap- Policen unterliegen dabei staatlichen Richtlinien. Die Prämien schwanken von Versicherung zu Versicherung. Die Höhe richtet sich natürlich auch danach, wieviel Absicherung der Einzelne wünscht. Weder die traditionelle Medicare-Versicherung noch die Medigap- Versicherungen kommen übrigens für den Zahnarztbesuch, Untersuchungen der Augen, Brillen oder Hörapparate sowie Langzeitaufenthalte im Altersheim auf.

Da der Herr Amerikaner ja bekanntlich gerne alles und jedes privatisiert, kam die Regierung schon früh mit der Idee daher, neben der traditionellen, staatlichen Medicare-Versicherung private Anbieter zu erlauben, solange diese dem Rentner Versicherungen mit mindestens den gleichen Leistungen wie die staatliche Medicare anbieten. Diese privaten Versicherungen werden mittlerweile unter dem Namen "Medicare Advantage" zusammengefasst. In der Regel ist ihr Leistungskatalog größer und die Zuzahlungen kleiner, aber der Versicherte unterliegt z.B. Einschränkungen bezüglich der Arztwahl ("managed care") und berappt oft zu der monatlichen Prämie von $78.20 (siehe oben) eine weitere für die Zusatzleistungen.

Interessanterweise hat die traditionelle Medicare-Versicherung bislang nicht für Medikamente gezahlt (ich meine hier verschreibungspflichtige -- für die anderen muss man eh selber aufkommen), was für viele Rentner eine Katastrophe darstellt, denn im Alter steigt ja der Bedarf an Medikamenten bekanntlich. Wer sich private Versicherungen diesbezüglich nicht leisten konnte, schaute in die Röhre oder fuhr am Wochenende nach Kanada, um dort billiger an die Medikamente zu kommen. Wir lesen immer einmal wieder in der Zeitung, dass ältere Menschen ihre eigentlich notwendigen Medikamente nicht regelmäßig nehmen, weil ihnen das Geld fehlt, um ein Rezept einzulösen oder sie nehmen nur die Hälfte der verordneten Menge.

Dieses Medikamententhema bestimmte jeden Wahlkampf, denn auch in Amerika stellen die Rentner eine wichtige Wählerschaft dar. Ende 2003 war es nach langem politischen Gezerre endlich soweit: Medicare nimmt per Gesetz das Zahlen von Medikamenten -- allerdings mit vielen Einschränkungen -- ins Programm auf. 2004 und 2005 gelten dabei als Übergangsjahre: Der Medicare-Empfänger erhält eine Discountkarte, die er beim Medikamentenkauf vorlegt, was ihm 10-15% Ersparnis einbringt. Ab 2006 gilt folgendes: Hat der Rentner seine $250 Selbstbeteiligung erfüllt, übernimmt Medicare 75% der Medikamentenkosten bis zu $2250. Bewegen sich die Ausgaben für Medikamente des Einzelnen dann in der nächsten Stufe zwischen $2250 bis $5100, zahlt die Versicherung nichts. Über die $5100 hinaus muss der Rentner 5% beisteuern. Hinzukommt eine allgemeine monatliche Prämie von ca. $35 für die Medikamentenversicherung. Nun hören sich $2250 vielleicht viel an, aber ich sage euch, verschreibungspflichtige Medikamente sind in Amerika zum Weinen teuer. Die Neuregelungen riechen für viele nach faulem Kompromiss, aber Präsident Bush und seine republikanische Partei erklärten sich nicht bereit, mit der Pharmaindustre zu verhandeln, um Preise für Medikamente festzusetzen, wie von vielen Demokraten gewünscht.

Medicaid: Gesundheitsfürsorge für die Armen

Da ich gerade schon dabei bin: Es gibt in Amerika tatsächlich auch ein Krankenkassenprogramm für die Ärmsten der Armen. Es heißt "Medicaid" und wurde ebenfalls 1965 eingeführt, ursprünglich für Familien, die Sozialhife beziehen, und Menschen mit Behinderungen. Es finanziert sich aus Steuergeldern vom Staat und den einzelnen Bundesstaaten. Die Bundesstaaten unterliegen dabei zwar staatlichen Richtlinien, haben aber großen Spielraum bei der Ausgestaltung von Medicaid. Nun reicht es nicht ein armer Schlucker zu sein, damit einem Medicaid zusteht, sondern man muss auch zu einer der folgenden Personengruppen gehören: Kinder; Schwangere; Eltern mit Kindern, die noch von der Fürsorge der Eltern abhängig sind; Menschen mit Behinderungen; Senioren. Ein 30-jähriger Single ohne Kinder, der keine einschränkenden Behinderungen hat, kann so arm sein wie er will. Er ist nicht "Medicaid"-berechtigt. es sei denn er lebt in einem großzügigen Bundesstaat, der die oben erwähnten Kategorien erweiterte. Sonst reiht er sich unter die zur Zeit 45 Millionen Nicht-Versicherten ein.

Medicaid übernimmt u.a. die Kosten für Krankenhausaufenthalte, Arztbesuche, Labor- und Röntgenuntersuchungen. Bei den Rentner springt Medicaid z.B. ein, um das Altersheim zu bezahlen oder es werden die Prämien und Zuzahlungen für Medicare finanziert.

Aber es zeichnen sich seit langem Probleme am Horizont ab. Erstens kämpfen die Bundesstaaten (sowie der Staat) mit hohen Haushaltsdefiziten und streichen deshalb Medicaid-Leistungen, um zu sparen. Zweitens sind die Medicaid-Ausgaben explodiert, weil durch die vor kurzem noch sehr angespannte Wirtschaftslage mehr Personen berechtigt sind, Medicaid-Leistungen zu erhalten. Drittens entstehen enorme Kosten, weil Medicare (siehe oben) langfristige Altersheimaufenthalte nicht zahlt und Medicaid oft einspringen muss. Und Bush hat gerade erst am letzten Montag bekannt gegeben, dass er weitreichende Streichungen bezüglich Medicaid vornehmen will, um sein Haushaltsdefizit zu stopfen. Hmmm, wie war das noch mal mit den Steuererleichtungen für die Reichen, die das Loch größer und größer werden lassen?

Greencard-Lotterie Online

Wir treffen in San Francisco erstaunlicherweise immer wieder auf Deutsche, die ihre amerikanische Greencard in der Lotterie gewonnen haben. Dabei ging mir neulich auf, dass wir noch gar nicht berichtet haben, dass seit 2003 die erforderlichen Daten nur noch elektronisch übermittelt werden dürfen -- auch das obligatorische Lichtbild. Angeblich soll das Verfahren genauer sein und Fehlern vorbeugen. Vielleicht hat ja einer von euch seitdem schon einmal mitgespielt und mag uns davon berichten. Ich finde diesen Schritt in die Moderne fast ein bisschen schade, denn das Einsenden der eigenen biografischen Daten und des Lichtbildes auf einem schlichten Blatt Papier, entbehrte nicht eines gewissen Charmes (Rundbrief 06/2000). Und die Richtlinen für den zu benutzenden Briefumschlag werden unvergessen bleiben. Ach, damals!

Eure Korrespondenten vor Ort:

Michael und Angelika

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Spezialthemen:
USA: Schulsystem-1, Schulsystem-2, Redefreiheit, Waffenrecht-1, Waffenrecht-2, Krankenkasse-1, Krankenkasse-2, Medicare, Rente, Steuern, Jury-System, Baseball, Judentum
Immigration: Visa/USA, Warten auf die Greencard, Wie kriegt man die Greencard, Endlich die Greencard, Arbeitserlaubnis
Touren: Alaska, Vancouver/Kanada, Tijuana/Mexiko, Tokio/Japan, Las Vegas-1, Las Vegas-2, Kauai/Hawaii, Shelter Cove, Molokai/Hawaii, Joshua Nationalpark, Tahiti, Lassen Nationalpark, Big Island/Hawaii-1, Big Island/Hawaii-2, Death Valley, Vichy Springs, Lanai/Hawaii, Oahu/Hawaii-1, Oahu/Hawaii-2, Zion Nationalpark, Lost Coast
Tips/Tricks: Im Restaurant bezahlen, Telefonieren, Führerschein, Nummernschild, Wohnung mieten, Konto/Schecks/Geldautomaten, Auto mieten, Goodwill, Autounfall, Credit Report, Umziehen, Jobwechsel, Smog Check
Fernsehen: Survivor, The Shield, Curb your Enthusiasm, Hogan's Heroes, Queer Eye for the Straigth Guy, Mythbusters, The Apprentice, The Daily Show, Seinfeld
Silicon Valley: Netscape-1, Netscape-2, Netscape-3, Yahoo!
San Francisco: SoMa, Mission, Japantown, Chinatown, Noe Valley, Bernal Heights
Privates: Rundbrief-Redaktion
 

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Letzte Änderung: 11-Mar-2017