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Zwei Deutsche in San Francisco und ihre Sicht der Welt. |
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Goodwill
So sicher wie das Amen in der Kirche ist in Amerika am 15. April die Steuer fällig. Und wie überall auf der Welt, versuchen am Jahresende Steuerfüchse, noch die ein oder andere Summe zu spenden, um es sich dann von der Steuer wiederzuholen. Neben Geldspenden erlaubt das amerikanische Fianzamt auch, Kleiderspenden an gemeinnützige Einrichtungen von der Steuer abzusetzen. Und da ich im Dezember meinte, es wäre dringend nötig, unseren Kleiderschrank auszumisten, weihe ich euch gleich ein, wie das geht. Natürlich darf man nicht den Neuwert der Kleidung in der Steuererklärung angeben, sondern den so genannten Second-Hand-Preis.
Ich glaubte ja zunächst naiv, dass das Finanzamt Preislisten heraus gibt. Weit gefehlt. Gut, dass es das Internet gibt, in dem ich Preisempfehlungen fand. Um später keine Schwierigkeiten bei einer eventuellen Steuerprüfung (in Amerika schickt man in der Regel keine Bescheinigungen oder Quittungen mit der Steuererklärung ein, nur bei einer Prüfung, genannt Audit, sind sie vorzulegen) zu bekommen, listete ich jedes einzelne Kleidungsstück brav auf, bin halt doch die Tochter eines Steuerberaters. Wichtig ist, dass man die Kleidung zu einer Organisation bringt, die das Finanzamt anerkennt, z.B. Obdachlosenheime, die Salvation Army oder auch Goodwill. Hinter Goodwill verbirgt sich eine riesige, mittlerweile internationale, gemeinnützige Einrichtung mit dem Ziel, Menschen mit Behinderungen oder anderen Benachteiligungen berufliche Perspektiven durch Training und Beschäftgungsmöglichkeiten zu eröffnen. Um dies zu finanzieren, verkauft Goodwill gespendete Kleidung und Haushaltwaren in ihren eigenen Geschäften.
In San Francisco befindet sich ein großer Goodwill, der auch Spenden annimmt, an der Ecke South Van Ness und Mission. Also brauste ich mit unserem Perlman vor. Auf einem Parkplatz stand ein Lastwagenanhänger, in den freundliche Männer sogleich meine Kleidersäcke luden.
Die Steuerbescheinigung für das Finanzamt lag schon bereit. Ich musste sie nur noch mit meinem Namen und meiner Adresse versehen, den Wert der gespendeten Kleidung angeben, schwupps unterschrieb sie ein Angestellter und lobte mich sehr wegen der beigefügten detaillierten Liste (scheinbar macht das keiner) und ich war um eine Erfahrung reicher. |
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Letzte Änderung: 06-Jul-2008 |