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  Rundbrief Nummer 41  
San Francisco, den 06.12.2002


Abbildung [1]: Der verrückte Immobilienhändler auf der 24. Straße, der die Republikaner anhimmelt

Zu verstehen ist der Wahlsieg der Republikaner, auf den ersten Blick sowieso nicht, denn die amerikanische Wirtschaft liegt brach, die Arbeitslosenzahlen steigen, ein Firmenskandal reiht sich an den nächsten und viele Amerikaner haben durch den abgeschwächten Aktienmarkt große Teile ihrer privaten angesparten Rente verloren.

Natürlich versteht es Bush auf der einen Seite meisterhaft, von der innenpolitischen Lage durch sein Kriegsgebabbel abzulenken. Der wahre Grund für den Wahlsieg der Republikaner ist allerdings, wenn ihr mich fragt, die zur Waschlappen-Partei mutierten Demokraten und die amerikanischen Nachrichtensendungen in Fernsehen. Aus Angst, als unpatriotsch zu gelten, reden die demokratischen Politiker Bush nämlich nach dem Mund und stellen sich hinter ihn. Eine Opposition gibt es in Amerika zur Zeit nicht. Das erboste viele liberale Wähler so, dass sie ihre Stimmen Unabhängigen oder Kanditaten der Grünen Partei gaben oder erst gar nicht zur Wahl gingen. Nur leider dauert es in Amerika wahrscheinlich noch weitere 20 Jahre bis die Grünen zur ernsthaften dritten Partei aufsteigen.

Abbildung [2]: Er treibt seine Späße mit den Linken

Aber wieso trägt das Fernsehen die Mitschuld? Die amerikanischen Nachrichtensendungen haben durch die Bank Bildzeitungsniveau. Selbst CNN, der Nachrichtensender, der vielerorts immer noch als seriös gilt, kann man in der Pfeife rauchen. Niemand bringt Hintergrundinformationen oder ein ausgewogenes Bild. Die amerikanischen Fernsehsender befinden sich eben fest in privater Hand. Unabhängigkeit ist da ein Fremdwort. Hinzukommt, dass es riesige Medienkonzerne gibt, denen meist mehrere Sender gehören, weswegen die Zuschauer überall den gleichen Mist vorgesetzt bekommen. Und dann müssen natürlich noch die Interessen der Werbekunden berücksichtigt werden.

Allerdings verlassen sich schätzungsweise 90% der Amerikaner auf diese Art der Meinungsbildung. Um sich in Amerika umfassend zu informieren, muss man auf Zeitungen, öffentliche Radiosender (ja, so etwas gibt es hier auch) oder das Internet zurückgreifen: Die New York Times, die ihr natürlich kennt, und der New Yorker (wöchentlich) gehören dazu -- die Berichte zeigen Ausgewogenheit und gute Recherche. Zu uns kommt dann noch eine Zeitschrift mit dem Namen "The Nation" (www.thenation.com) geflattert. Sie erscheint wöchentlich, ist unabhängig und existiert schon seit 1865. Politisch lässt sie sich als linksliberal charakterisien. In ihr kommt zum Vorschein, dass es auch in Amerika eine Linke gibt. Mit Spannung studiere ich immer die Leserbriefe, schaue, in welchem Bundesstaat die Leute leben und freue mich dann, wenn man auch in anderen Ecken Amerikas liberal denkende Leute findet.

Abbildung [3]: Manche sind gegen den Krieg

In letzter Zeit klicke ich oft auf die Artikel auf "salon.com". Die Publikationen sind nur im Internet zu lesen, aber leider geriet "salon.com" vor kurzem in Geldschwierigkeiten, sodass die meisten Artikel nur noch diejenigen abrufen können, die eine monatliche Gebühr zahlen.

Radio höre ich nicht viel, aber unsere gut informierten Bekannten schwören auf den öffentlichen Sender NPR (= National Public Radio: www.npr.org), der seit 1970 existiert oder den lokalen Sender KQED Public Radio (www.kqed.org), der 1969 gegründet wurde. Hier erhält der Zuhörer, was er im Fernsehen vergeblich sucht: Journalisten, die unbequeme Fragen stellen, Hintergrundberichte zu Krisensituationen, detaillierte Analysen verschiedener politischer Themen.

Und da ich gerade beim Politischen bin, möchte ich schnell von einer Sache berichten, die mich in den letzten Wochen immer wieder in Erstaunen versetzte: Amerikanische Wähler finden es ganz normal, ihre zuständigen Kongressabgeordneten und Senatoren anzurufen, um ihre politische Meinung kund zu tun. Natürlich rufen sie dabei im Büro des Politikers an und sprechen mit einem Mitarbeiter. Klasse finde ich es trotzdem. So erhielten die Abgeordneten vor der Abstimmung im Kongress und Senat bezüglich eines Krieges mit dem Irak tausende von Anrufen und die Wähler artikulierten, wie ihr Abgeordneter stimmen sollte.

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