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  Rundbrief Nummer 41  
San Francisco, den 06.12.2002


Abbildung [1]: Die Hauptinsel Oahu hat gut ausgebaute Autobahnen.

Die Insel Oahu ist bekannt für die Hauptstadt Honolulu, die Fernsehserie "Magnum", den Strand von Waikiki, der als Geburtsort des Surfens gilt und natürlich Perl Harbor, der Militärhafen, das Synonym für das geschichtliche Ereignis, das jeder Amerikaner kennt, selbst wenn er im hinterletzten Winkel von Amerika wohnt. Für die Geschichtsmuffel unter euch schnell ein wenig Nachhilfe: Die Japaner griffen Perl Habor im Zweiten Weltkrieg überraschenderweise an und zwangen somit die USA, in den Zweiten Weltkrieg einzutreten. Oahu, präziser gesagt Waikiki, ist eine Mischung aus Mallorca und Ibiza; nur dass sich dort nicht deutsche und britische Touristen sondern japanische und amerikanische tummeln.

Abbildung [2]: Waikiki Beach: Ist der nicht aus Baywatch? Hm, nein.

Eine Bettenburg nach der anderen, soweit das Auge reicht und davor ein kleiner "sehen und gesehen werden"-Sandstrand. Ansonsten besteht Waikiki aus zig "Shopping-Centern" und Kaufhäusern, die vor allen Dingen japanische Touristen umwerben, für die Hawaii das nächstgelegene Reiseziel mit Sonne ist. Vieles ist mit japanischen Schriftzeichen versehen. Als wir in dem Bierrestaurant "Gordon Biersch" in Honolulu essen gingen, händigte uns der Ober doch tatsächlich zunächst eine japanische Speisekarte aus. Was haben wir gelacht.

Abbildung [3]: Honolulu: Preise auch auf Japanisch

Wir ahnten schon, dass es in Waikiki so zugehen würde und buchten deshalb ein kleines Apartement in Kailua (ca. 30 Autominuten von Waikiki und Honolulu entfernt) in einer ruhigen Wohngegend -- ein Glückstreffer, wie sich bald herausstellte, denn das Apartement war groß und geräumig und verfügte über einen Balkon mit Blick aufs Meer. Zum wunderschönen langen Sandstrand konnten wir sozusagen spucken. Der "Kailua Beach" gilt nicht nur als eines der besten Schwimm-Strände -- und zwar das ganze Jahr über -- sondern als Top-Strand zum Windsurfen.

Abbildung [4]: Die neuen Drachensurfer

Unter Windsurfen verstanden wir bisher, dass man sich ein Surfbrett unter die Füße schnallt und dass darauf ein Segel angebracht ist, das den Wind einfängt. Ich sage euch, damit ist man in Kailua sowas von "out". Jeder der Windsurfer brauste hier mit einem riesigen fallschirmartigen Gebilde über das Meer. Dabei steht der Windsurfer auf einem Surfbrett und hält mit beiden Armen den Fallschirm hoch am Himmel in Schach. Da sich am Strand von Kailua darin auch so mancher Anfänger versucht, mussten wir immer höllisch aufpassen, dass uns so ein Riesenfallschirmteil nicht überrennt. Michael, der ja sonst eher alle sportlichen Verrückheiten ausprobiert, kriegte sich überhaupt nicht mehr ein über diese Art des Windsurferns. Er meinte, dass sich die Leute doch gleich einen Propeller an die Stirn schrauben sollten, denn das sähe genauso "elegant" aus.

Abbildung [5]: Am Strand in Kailua/Oahu

Die Nordküste Oahus hingegen ist im Winter das Paradies der besten Wellensurfer. Wir erwähnten ja schon einmal, dass die hawaiianischen Inselbewohner wegen der ganzjährig gleichbleibenden Temperaturen Winter und Sommer häufig dadurch beschreiben, dass sie die Wellenhöhe in diesen Jahreszeiten angeben: Im Winter (ca. Oktober bis April) erwarten sie an vielen Stränden mörderisch hohe Wellen, in die sich nur noch erfahrenste Surfer und Schwimmer trauen, im Sommer hingegen haben auch die mittelmäßigen Schwimmer eine Chance.

Abbildung [6]: Michael planscht im Wasser

An der Nordküste Oahus findet man in den Wintermonaten kaum einen Strand, an dem sich Schwimmer ins Wasser wagen. Wellen, die sich zu 10 bis 12 Metern Höhe aufbäumen, sind ganz normal. Als das sichere Erkennungszeichen für einen tollen Strand oder gute Wellen gilt in Hawaii (verwirrenderweise sagt man in Amerika auch dann Hawaii, wenn man sich auf die ganze Inselgruppe und nicht nur auf Big Island bezieht), dass plötzlich am Straßenrand unzählige Autos wahllos parken. Darunter befinden sich dann immer auch einige Pickup-Trucks, denn auf der Ladefläche hat das Surfbrett gut Platz. Jaja, die Surfer sind schon ein lustiges Völkchen.

Trotz Autobahnen, riesiger Hotelanlagen und typisch amerikanischer Einheitsläden fanden wir wunderschöne einsame Plätze auf Oahu. Den ganzen Urlaub beschäftigte mich allerdings die Frage, warum der Amerikaner seine Geschäftsketten so liebt, dass er selbst im tropischen Oahu nicht auf LongDrugs, Safeway-Supermarkt, Starbucks und Walgreens verzichten kann. Warum muss selbst auf Oahu jede "Shopping Mall" gleich aussehen und mit den immer gleichen Geschäften aufwarten? Was treibt diesen Drang zur Gleichförmigkleit an?

Abbildung [7]: In Chinatown hat jemand eine Stinkfrucht auf ein Auto gelegt

Ein Alibi-Multikulti-Viertel gibt es allerdings auf Honolulu: Ein so genanntes "Chinatown", mit vorwiegend vietnamesischen Restaurants, vor denen Leute stundenlang anstehen, um "Pho"-Suppen zu essen. Aus San Francisco kommend, kann man darüber nur lachen, denn dort "Pho" zu essen, ist etwa so exotisch wie sich einen Hamburger einzuverleiben, dafür braucht man nicht anzustehen, auf der Geary-Street allein gibt es sicher zwanzig Restaurants.

Eine Ecke auf der Insel Oahu gibt es, die touristisch noch völlig unerschlossen ist. An der "Waianae Coast" wohnen die meisten Urhawaiianer und wehren sich mit Händen und Füßen, dass die reichen Schnösel kommen und die Landschaft mit Bettenburgen und Golfplätzen zubauen. Zu unserer Freude lasen wir im Reiseführer, dass sie damit bisher recht erfolgreich waren. Der Reiseführer warnte allerdings, dass es an der Waianae Coast immer wieder zu unerfreulichen Zwischenfällen kommt. Da werden schon einmal Mietautos aufgeknackt oder die Seitenscheibe eingeschlagen, oder Touristen ausgeraubt und angepöbelt.

Das schreckte uns aber nicht ab, obwohl wir uns, durch unser Mietauto bedingt, drei Kilometer gegen den Wind als Touristen zu erkennen gaben. Wir erlebten diesen Landstrich als eine der interessantesten Ecken Oahus. Es geht ziemlich anarchisch zu -- überall sieht man Leute wild zelten oder in alten VW-Bussen campieren.

Abbildung [8]: Honolulu: Großstadt im Grünen

Michael und ich lieben es, für unsere Gaumen ungewöhnliche kulinarische Köstlichkeiten auszuprobieren. So beschlossen wir, die traditionelle hawaiianische Küche zu testen. Das sonderbare "Poi"-Mus gehört dazu wie der Reis zur asiatischen Küche. Es wird aus der Wurzel der Taro-Pflanze gewonnen. Taro gilt als eine der ältesten Gemüseplanzen und war über Jahrtausende das Grundnahrungsmittel der Polynesier. Auch heute findet man auf den hawaiianischen Inseln überall Tarofelder. Poi sieht aus wie ein hellbrauner, grauer Babybrei ohne starken Eigengeschmack, nur leicht säuerlich mit verhaltenen Bitterstoffen. Natürlich strotzt Poi nur so vor gesunden Nährstoffen und wird wegen seiner leichten Verdaulichkeit als Babynahrung oder Schonkost für Magenkranke eingesetzt (nun könnt ihr euch ungefähr vorstellen, wie es schmeckt). Wir aßen dazu Schweinefleisch und Hühnchen und die gekochten grünen Blätter der Taro-Pflanze, die Spinat ähneln, aber noch viel besser schmecken. Während Poi nicht gerade zu meinen Lieblingsessen zählt, wünschte ich, es gäbe Taro-Blätter in San Francisco zu kaufen.

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