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Rundbrief
  Rundbrief Nummer 32  
San Francisco, den 05.09.2001
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Rundbrief


Abbildung [1]: Kaputt, aber glücklich: Der marathonlaufende Rundbriefreporter.

Marathon

(Michael) Am 8. Juli 2001 lief der rasende Rundbriefreporter den San Francisco Marathon durch. Das war so hammerhart, dass sich das unter euch Weicheiern wahrscheinlich wieder keiner vorstellen kann. Wer Ohren hat zum Hören, der höre: Wer auch nur daran denkt, aufzugeben, wird dies spätestens bei Kilometer 35 tun. Schaffen kann die 42 Kilometer nur, wer fest daran glaubt, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, einen Marathon zu beenden: Auf den Beinen durch die Ziellinie oder liegend im Auto des Beerdigungsunternehmers.

Drei Monate lang habe ich nach dem Buch "The Non-Runner's Marathon Trainer" trainiert, angefangen mit 5km-Läufen, viermal die Woche, und am Wochenende jeweils einen langen Lauf. Jede Woche steigert sich das Pensum. Man läuft übrigens niemals die volle Marathondistanz im Training, der längste Trainingslauf ist 29km drei Wochen vor dem eigentlichen Marathon. Das Wichtigste ist aber nicht die körperliche Vorbereitung -- natürlich müssen die Muskeln gestärkt und der Körper darauf vorbereitet werden, sorgsam mit der Energie umzugehen. Man muss lernen, regelmäßig zu trinken und den Körper mittels farbigem Zuckerlwasser namens "Gatorade" mit Kohlenhydraten zu versorgen. Aber am wichtigsten ist es, sich mental vorzubereiten. Man lernt, Filme in seinem Kopf ablaufen zu lassen, für den Fall, dass es schwierig wird, weiterzulaufen. Man stellt sich zum Beispiel vor, an den jubelnden Zuschauern vorbei ins Ziel zu laufen. Oder dass man eine Dampfmaschine ist, die niemand anhalten kann. Es ist auch ganz wichtig, sich kein Zeitlimit zu setzen. Das Ziel ist es, den Marathon zu Ende zu laufen, ob in 3 oder 4 oder 5 oder sogar 6 Stunden ist vollkommen egal. Die Zuschauer waren dann auch phänomenal. Es war irre, wie viele wildfremde Leute mich angefeuert haben: "Way to go! You're all winners! Looking strong!".

Abbildung [2]: Topfit bei Kilometer 16 an der Bay-Bridge vorbei

Jeder Läufer kriegt übrigens einen kleinen Computerchip, den man am Schuh befestigt. Er sendet Signale an die Messstationen, an denen man vorbeiläuft. So kann der Marathonveranstalter nicht nur genau sehen, wie lange man von der Startlinie (über die man wegen der vielen Läufer erst einige Minuten nach dem Startschuß kommt) tatsächlich bis zum Ziel brauchte, sondern auch nachweisen, dass man an allen Messstationen entlang der Strecke tatsächlich vorbeigelaufen ist.

Abbildung [3]: Der Chip am Schuh sendet an den Meßstationen ein elektronisches Signal

Die ersten 32 Kilometer rattern dann auch ganz einfach runter, in San Francisco stehen zwar einige gemeine Hügel im Weg, aber das geht schon so-la-la. Ab Kilometer 32 wird's dann allerdings knüppelhart. Die Muskeln drohen, sich zu verkrampfen, die Knie schmerzen von den hämmernden Schlägen der Füße gegen den Asphalt, sogar die Armmuskeln tun weh und man muss sie regelmäßig ausschlackern. Das ist der Zeitpunkt, an dem viele Leute aufgeben -- entweder weil sie sich ein Zeitlimit gesetzt haben, das nunmehr unmöglich zu erreichen ist oder weil es sinnlos erscheint, sich durch die letzte Etappe durchzuquälen, nur um ein paar Kilometer weiterzukommen. Man meint, dass wer 32 Kilometer läuft, auch die letzten 10 noch runterspult, aber das täuscht. Alte Hasen wissen: Ein Marathon teilt sich in zwei Etappen: Die ersten 32 und die letzten 10 Kilometer, beide sind nicht zu unterschätzen. Euer ehrwürdiger Rundbriefreporter konnte natürlich aus mindestens zwei Gründen nicht aufgeben: Erstens mal sah er überhaupt nicht ein, dass er nochmal 50 Dollar Eintrittsgeld für den nächsten Marathon berappen sollte und zweitens hatte er schon so vielen Leuten von diesem Lauf erzählt, dass die Schande, aufzugeben, bodenlos gewesen wäre. Die vielen Millionen Rundbriefleser hätten sich sicher scheckig gelacht! Und deswegen biss der rasende Rundbriefreporter die Zähne zusammen und galoppierte durch bis zur die Ziellinie. Danke, liebe Leser, ihr habt mich gerettet!

Zur Feier des Tages möchte ich ein Zitat wiedergeben, das ich extra für diesen Anlass (ich habe vorausgeplant) aufgehoben habe. Aus der Internet-Übertragung des Fußballspiels, in dem der Verein Bayern München kürzlich den Europapokal gewann: Effenberg tritt an und verwandelt sicher flach in die rechte untere Ecke. Keine Chance für Canizares, der in die andere Richtung gesprungen ist. Effes Gesichtsausdruck nach dem Tor drückt absolute Entschlossenheit aus. Fast ist sein Ausdruck schon wahnsinnig zu nennen. Es ist ihm anzumerken: Er will diesen Pokal mit aller Macht. Ach ja, meine Zeit: 4:38:20, wie man sehr leicht auf dem Internet sehen kann: "http://www.chroniclemarathon.com" -- auf "2001 Finish Results" geklickt, in das "Bib"-Feld meine Startnummer 2003 eingegen und "Find a Runner" aktiviert!

Der nächste Tag war natürlich furchtbar, ich entdeckte, dass man auch kürzeste Strecken mit dem Auto fahren kann und dass viele Gebäude über gut funktionierende Aufzüge verfügen. Aber das Erlebnis war einmalig. Ich kann's nur jedem empfehlen -- es war einfach irre, nach so einer Anstrengung, angefeuert von tausenden von Zuschauern, über die Ziellinie zu humpeln. Dann war gleich Angelika da, ich kriegte meine Medaille, wir verließen den Golden Gate Park durch einen Seitenausgang, wie durch ein Wunder kam ein Taxi vorbei, aus lauter Schreck gab ich dem Fahrer gleich fünf Dollar Trinkgeld, humpelte daheim die Treppen hoch und glitt in eine Badewanne heißen Wassers. Nur einmal im Leben! Um das zu toppen, muss ich nächstes Jahr barfuß durch die Antarktis.

Abbildung [4]: Die hart erkämpfte Marathon-Medaille.

Nach dem Marathon stellte ich fest, dass alle meine Turnschuhe abgelaufen waren. Alle Trainingsläufe zusammengerechnet waren schließlich etwa 600km lang! Da ich schon wusste, welche Marke und Größe ich wollte, dachte ich mir, probiere ich mal was Neues aus: Turnschuhe auf dem Internet bestellen. Auf www.eastbay.com ein paarmal herumgeklickt, mit Kreditkarte gezahlt und schon stand ein paar Tage später ein Schuhkarton bei AOL im Büro, wo ich sie mir hinschicken hatte lassen. Superbillig! Superschnell! Superzuverlässig! Ein paar Tage später gab ich im Kaufrausch gleich nochmal zwei Bestellungen auf.

Abbildung [5]: Neue Turnschuhe, online bestellt. In Half Moon Bay am Strand fotografiert.

Abbildung [6]: Zwei Delfine im Wasser bei Morro Bay

Auch für Robben braucht man nicht in den Zoo zu gehen. Mitten in San Francisco kommen sie an die "Fisherman's Warf" geschwommen und sonnen sich dort auf einigen Holzdecks. Unten am Big Sur, direkt an der Autobahn "Highway 1" gibt's einen Strand, an dem sich die etwas größeren Seeelefanten in der Sonne räkeln -- und man kann ganz nah an sie rangehen. Ohne Schmarr'n, da lagen mindestens ein paar hundert. Sie müffeln zwar etwas fischig und grunzen unanständig, aber die Leute sind begeistert.

Abbildung [7]: Seeelefanten am Strand bei Big Sur

Abbildung [8]: Süssigkeiten zur Auswahl in meinem Cubicle

In Abbildung 8 seht ihr den Schleckerkram, den euer Onkel in Großpackungen im Supermarkt kauft, hin und wieder in der Arbeit nascht und auch seinen Kollegen zum Einkaufspreis feilbietet. Wer einen Riegel rausnimmt, lässt einfach etwas Geld in der Kaugummischachtel liegen, damit ich beim nächsten Mal wieder eine Großpackung kaufen kann.

Abbildung [9]: Amerikanischer Schleckerkram

Was ist das nun im einzelnen? Von links nach rechts in Abbildung 9: "Nutter Butter" sind kleine Kekslein, am ehesten noch mit "Spekulatius" vergleichbar. Schlecker-Note 2. Die blaue "Oreo's"-Packung enthält schwarze runde Doppelkekse mit weißer Füllung -- nicht so mein Fall, aber als ich neulich daheim eine Großpackung vom Supermarkt unbeaufsichtigt herumstehen ließ, riss Angelika sie auf und schluckte gierig eine Tüte weg, noch bevor ich einschreiten konnte. Note 3. Zweite Reihe von links: der "Clif-Bar". Ein "gesunder" Riegel (mit wichtigen Vitaminen und Nährstoffen und so) aus Berkeley! Note 1, der ist wirklich superstark, esse ich oft. Der kostet im Laden übrigens $1.75, was für amerikanische Riegel ein echter Mondpreis ist. Beim Costco gibt's ihn für $1 in der Großpackung. Weiter: "Reese's" -- kleine Schokoladentörtchen mit Erdnussbutterfüllung. Als ich zum ersten Mal in Amerika damit in Berührung kam, kam mir dieses Naschwerk immer leicht pervers vor. Leicht salzige Erdnussbutter in süßer Schokolade? Haltet mich für verrückt, aber mittlerweile habe ich mich so daran gewöhnt, dass ich Note 1 dafür vergeben muss. Weiter: "Hershey's"-Schokoladenriegel. Amerikaner können keine Schokolade herstellen, ich würde 10 Paletten "Hershey's" gegen nur eine Tafel Milka eintauschen. Seufz! Note 4. "Chips Ahoy": sogenannte Cookies (auf deutsch Plätzchen oder schwäbisch Loibla) mit Schokoladenflocken. Nicht schlecht, Note 3. Letzte Reihe von links: "Reese Sticks", wie die "Reese's" weiter oben ebenfalls erdnussbasiert, aber eher mit der Konsistenz von Erdnussflips, in Twix-ähnliche Schokoladenriegel eingepresst. Ganz gut, Note 2. Weiter: "Luna", der Fitnessriegel für Frauen. Ohne Schmarr'n, das steht auf der Verpackung. Anfangs hatte ich ja Sorgen wegen unerwünschter Nebenwirkungen und so aber mittlerweile nasche ich hin und wieder einen, wenn keiner herschaut. Note 2. Und zuletzt ganz unten rechts in Abbildung 9: "Fig Newtons", Feigenmus im Waffelteig, sehr lecker, Note 2 plus.

Das war die Kinderbeilage "Rundi". Bis zum nächsten Mal! 'Nacht, ihr Racker! Zackzack, Zähneputzen, ab ins Bett, es ist schon spät! Zurück in die brutale Welt der Erwachsenen.

Japanisch-Kurs

Weil wir ja entweder dieses oder nächstes Jahr nach Japan wollen, lernen wir mittlerweile die Sprache in einem Kurs, der jeden Samstag in Japantown in San Francisco stattfindet. Dort bringt uns eine Japanerin japanisch in Wort und Schrift bei. Das ist natürlich total irre -- Japanisch hat nicht nur absolut nichts mit europäischen Sprachen gemein, sondern schreibt sich auch noch völlig anders. Da gibt es keine einzelnen Buchstaben, sondern tausende von Symbolen, die entweder Dinge bedeuten oder aber die Aussprache oder die Grammatik regeln.

Abbildung [10]: Meine Japanisch-Übungen in Hiragana

Deswegen lernt man in zwei Stufen: Praktische Redewendungen lernt man akustisch und schreibt sie in einer "romanisierten" Schrift nieder, also mit westlichen Buchstaben, die in etwa die Aussprache wiedergeben. So heißt zum Beispiel "Hajimemashite. AOL no Schilli desu. Dozo yoroshiku onegai itashi masu." auf deutsch "Hallo, wie geht es Ihnen? Ich heiße Schilli und arbeite für AOL. Sehr erfreut, Sie kennenzulernen". Gesprochen wird's "Haschieme-maschte. AOL no Schilli dess. Dooso yoroschko onegai-itashimass."

Die Schrift teilt sich in drei Abteilungen: Kanji, die chinesischen (!) Schriftzeichen, die Dinge oder Konzepte bedeuten. Dann Katakana-Zeichen, mit denen die Japaner ausländische Wörter lautzumalen versuchen. So gibt's natürlich kein Kanjii-Zeichen für "Computer", weil's den vor ein paar tausend Jahren, als Kanjii entstand, noch nicht gab. Also sagt der Japaner etwas, was so ähnlich klingt ("Co-n-pyu-ta") und klaubt dazu ein paar Katakana-Zeichen zusammen. Die dritte Schrift ist Hiragana, eine Art Lautschrift, mit der man grammatische Endungen an Begriffe anhängt oder auch Wörter lautmalerisch buchstabieren kann. So gibt's zum Beispiel für "Ka" oder für "Gu" ein Hiraganazeichen. Manche japanischen Kinderbücher sind ganz in Hiragana geschrieben. Bahnstationen in Japan sind übrigens sowohl in Kanjii als auch (unterhalb) in Hiragana ausgeschildert.

Die drei Schriften werden bunt gemixt. Den Satz "Bringen Sie mich bitte zur amerikanischen Botschaft" schreibt man zum Beispiel mit allen dreien: Für "Botschaft" gibt's drei Kanjii-Zeichen, die hintereinandergehängt "Botschaft" bedeuten. "Amerikanisch" ist natürlich kein japanisches Wort, wird also in Katakana gelautmalt ("A-me-ri-ka"). Und der Rest ist Grammatik ("ma-de" für "zur" und "onegai shimasu" für "bitte") und besteht aus Kanjii und Hiragana.

Abbildung [11]: Der Satz "Bitte bringen Sie mich zur amerikanischen Botschaft" auf japanisch

Wir lernen Hiragana, damit wir gerade mal wie die Kinder lesen können. Aber, glaubt uns, das ist schon schwer genug (Abbildung 10).

Die Platte des Monats

Abbildung [12]: Das Album "Comfort Eagle" der Gruppe "Cake"

Und hier was Neues: Der Rundbriefmusikreporter stellt eine neue superstarke CD aus amerikanischen Gefielden vor, die er gerade Tag und Nacht hört. Heute: Die Gruppe "Cake", die aus der kalifornischen Hauptstadt Sacramento stammt, hat eine neue Scheibe namens "Comfort Eagle" rausgebracht, deren Cover ihr in Abbildung 12 sehen könnt. Auf dem Internet kann man unter http://www.sonymusic.com/artists/Cake/Video/SSLJFullVid_56.asx das superwitzige Video zum Song "Short Skirt/Long Jacket" anhören -- zum Schluß tritt dort sogar ein deutscher Tourist auf! Eine Wahnsinns-Platte! Sofort kaufen!

Autounfall

Neulich am Samstag fuhr ich mit unserem Auto "PERLMAN" auf der breiten Castro Street entlang, als plötzlich aus einer Seitenstraße mit Stoppschild ein Auto der Marke "Lexus" geschossen kam und mir voll in die Fahrerseite reinknallte -- es tat einen gewaltigen Schlag, ich bremste ab und konnte beim Aussteigen kaum noch die Tür öffnen, so eingedullt war diese (Abbildung 13).

Abbildung [13]: Der kranke Perlman

Ein Alptraum, in Amerika in einen Unfall zu geraten! Zum Glück war der andere Fahrer versichert (in Amerika gar nicht selbstverständlich, obwohl gesetzlich vorgeschrieben) und ich stand vor der Frage, die Polizei zu rufen oder nicht. Da der andere einen ganz vernünftigen Eindruck machte, schrieb ich nur seine Adresse vom Führerschein ab und nahm die Daten seiner Versicherung entgegen. Gerüchtehalber holt man in Amerika nur dann die Polizei, falls es Verletzte gibt oder der andere Zicken macht. Am darauffolgenden Montag rief ich bei unserer Versicherung an und da wir nur eine Haftpflicht- aber keine Vollkaskoversicherung haben, riet mir unsere Sachbearbeiterin, mich selbst mit der Versicherung des anderen herumzuschlagen. Verfügen beide Parteien nämlich über eine Vollkaskoversicherung, meldet einfach jeder den Unfall der seinen, worauf diese sich jahrelang über die Schuldfrage bekriegen und um jeden Pfennig feilschen. Allen Bekannten, denen wir davon erzählten, fassten sich entsetzt an den Kopf, dass ich keinen Zeugen hatte, der den Hergang bestätigen konnte! Wir sollten uns auf jahrelange Prozesse gefasst machen! Ich rief daraufhin selbst bei der Versicherung des anderen an und schilderte den Vorfall. Nach ungefähr fünfmal "Buchbinder Wanninger" akzeptierte der Sachbearbeiter dort schließlich die Haftung für den Unfall -- es war wohl ziemlich klar, dass der andere Fahrer ein Stoppschild überfahren hatte. Daraufhin bekam ich einen Mietwagen zugesprochen und die Adresse einer Werkstatt mitgeteilt. Eine Woche und 2400 Dollar später wurde der kranke PERLMAN dort als geheilt entlassen -- die Versicherung hat die Kosten getragen. Jetzt sieht das Auto zwar etwas lustig aus, da überall außer dem neuen Kotflügel und der neuen Tür die Farbe abfällt, aber wir sind froh, dass alles so glimpflich abging.

Abbildung [14]: ... und eine Woche später wieder heile!

Und hier noch eine letzte Meldung, bevor Angelika in die Tasten haut: Kürzlich hat uns ein in San Francisco lebender Exildeutscher verklickert, wie man die Freitagsausgabe der Süddeutschen Zeitung samt unserem geliebten Magazin an die Haustür geliefert bekommt: Die Firma GLP-News (www.glpnews.com) macht das zuverlässig und noch unter dem in San Francisco üblichen Ladenpreis von $4.50 pro Ausgabe! Wir sind wieder happy und bedanken uns bei den freundlichen Rundbrieflesern, die uns in der Saurengurkenzeit mit mitgebrachten SZ-Magazinen verwöhnten! Bahn frei für Angelika!

Wie kriegt man die Greencard?

[#gc] (Angelika) Beginnen will ich heute mit einem Bericht über unseren noch immer andauernden Greencard-Prozess, denn in den letzten Wochen quälten wir uns diesbezüglich einmal wieder durch die bürokratischen Mühlen. Ich schrieb ja vor geraumer Zeit schon einmal darüber (Mai-Rundbrief 2000), aber aufgrund des aktuellen Anlasses und da wir immer wieder Anfragen erhalten, fasse ich es gerne noch einmal zusammen.

Das begehrte Papier heißt aus alter Tradition "Greencard", da es früher einmal grün war. Es versteckt sich dahinter die dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung, d.h. amerikanische Greencard-Besitzer dürfen überall in den USA jede beliebige Arbeit annehmen (oder auch gar nicht arbeiten), ihren amerikanischen Wohnort frei wählen und permanent auf amerikanischen Boden leben. Das Ein- und Ausreisen in die USA ist unbeschränkt möglich. Die amerikanische Staatsbürgerschaft kann nach fünfjährigem Besitz der Greencard beantragt werden. Greencard-Besitzer dürfen aber nicht wählen und verlieren ihre Greencard, wenn sie ihren amerikanischen Wohnsitz aufgeben. Dass Greencard-Besitzer auch außerhalb der USA leben können und es reicht, einmal im Jahr für einige Wochen in Amerika Urlaub zu machen, ist ein Mythos. Verlässt man die USA für länger als ein Jahr, riskiert man, seine amerikanische Greencard zu verlieren. Das Ausüben krimineller Aktivitäten ist ebenfalls nicht empfehlenswert, wenn man seinen Greencard-Status behalten möchte.

Abbildung [15]: Die Greencard

Hinzu kommt, dass es schon 100 und einen Grund gibt, warum einem die amerikanische Einwanderungsbehörde die Greencard erst gar nicht zugesteht. Schlechte Karten haben u.a.: Terroristen, Spione und Nazis, aber auch Prostituierte, Drogenhändler, Polygamisten und verurteilte Straftäter jeglicher Art. HIV-Infizierte, an Tuberkulose Erkrankte, psychisch Kranke (wenn sie aufgrund ihrer Erkrankung die Sicherheit von anderen gefährden), Drogenabhängige und Ausländer, die höchstwahrscheinlich dem amerikanischen Staat auf der Tasche liegen, sprich Sozialhilfe beantragen, erhalten die begehrte Greencard in der Regel ebenfalls nicht. Aber auch hierbei gibt es feine Unterschiede. Ein Ausländerehepaar würde die Greencard z.B. nicht erhalten, wenn einer von ihnen HIV-infiziert wäre. Ist man hingegen mit einem amerikanischen Staatsbürger verheiratet, wird einem die Greencard im Falle einer HIV-/Aids-Erkrankung nicht verwehrt.

Aber wer um Himmels Willen darf denn überhaupt die Greencard beantragen? Folgenden Personengruppen steht es frei, sich durch den Bürokratie-Dschungel zu kämpfen:

1. Unmittelbare Verwandte amerikanischer Staatsbürger ("immediate relatives"), keine Quotenregelung:
a) Ehepartner
b) unverheiratete Kinder unter 21 Jahren
c) Eltern eines amerikanischen Staatsbürgers, der über 21 ist.
Diese Art von Einwanderung unterliegt als einzige keiner zahlenmäßigen jährlichen Beschränkung.

2. Die Einwanderung über andere Verwandte ("family-sponsored immigrants"), jährliche Quote:
a) unverheiratete Töchter und Söhne von amerikanischen Staatsbürgern, die 21 Jahre oder älter sind
b) Ehepartner und unverheiratete Kinder jeglichen Alters von Besitzern der amerikanischen Greencard
c) verheiratete Söhne und Töchter amerikanischer Staatsbürger
d) Geschwister von volljährigen amerikanischen Staatsbürgern

Die Möglichkeit der Einwanderung aufgrund der aufgeführten Familienbande hört sich zunächst recht großzügig an. Sie unterliegt aber in dieser Kategorie der zahlenmässigen jährlichen Beschränkung, d.h. es kann Jahre (Wartezeiten von 10 Jahren sind durchaus nicht ungewöhnlich) dauern, bis der Antragsteller die Greencard tatsächlich in den Händen hält. Die Wartezeiten hängen eben auch davon ab, aus welchem Land man kommt. Denn wenn es eine Quotenregelung gibt, entfallen nicht mehr als 7% der Gesamtmenge auf ein bestimmtes Land. Auch die Gesamtmenge, die weltweit jährlich ausgegeben wird, ist nicht unbedingt üppig. Jährlich entfallen z.B. 65000 Greencards weltweit gesehen auf Geschwister von amerikanischen Staatsbürgern. Das entspricht der Anzahl der Geschwister die allein in Mexiko auf ihre Greencard warten.

3. Einwanderung aus Beschäftigungsgründen (Employment-Based Immigrants), jährliche Quote:
a) Höchstqualifizierte Arbeitskräfte, d.h Personen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten aus Wissenschaft, Kunst, Erziehung, Wirtschaft, oder Sportler sowie prominente Professoren und Forscher oder auch Geschäftsführer multinationaler Firmen.
b) Personen mit Hochschulabschluss oder Personen mit besonderen Fähigkeiten auf den Gebieten der Wissenschaft, Kunst oder Wirtschaft
c) gelernte und ungelernte Arbeitskräfte sowie Personen mit niedrigerem akademischen Grad
d) Investoren: 10000 Greencards gehen jährlich an Investoren, die bereit sind, 1 Millionen Dollar (500 000 Dollar in ländlichen und wirtschaftlich schwachen Gebieten) in eine neue amerikanische Firma zu investieren. Die Firma muss mindestens 10 Amerikaner auf Vollzeitbasis beschäftigen.

In dieser Kategorie "Einwanderung aus Beschäftigunggründen" ist meist ein sogenanntes "Labor Certificate" ("Arbeitszertifikat") erforderlich, ein Nachweis dafür, dass es tatsächlich keinen qualifizierten Amerikaner für den ausgeschriebenen Job gibt. Investoren und die hochqualifizierten Arbeitskräfte einschließlich der prominenten Professoren und Forscher sowie Geschäftsführer können sich glücklich schätzen, denn sie brauchen kein "Labor Certificate".

4. Greencard-Lotterie, jährliche Quote: Personen aus Ländern, aus denen eine vergleichsweise geringe Anzahl von Einwanderen in den USA leben. Es wird gelost. Um an der Verlosung teilzunehmen, braucht man neben der richtigen Länderzugehörigkeit auch eine abgeschlossene Schulbildung. Michael und ich spielen natürlich jedes Jahr mit. Und hier muss ich es einmal loswerden: Es scheint in Deutschland mittlerweile schick zu sein, einfach aus Spaß an der Freud an der Greencard-Lotterie teilzunehmen, auch wenn man niemals in Amerika arbeiten und wohnen möchte. Ja, liebe Leute, denkt doch einmal an diejenigen, die schon Jahre auf ihre Greencard warten...

5. Politisches Asyl/Flüchtlingsstatus, Quotenregelung für Flüchtlinge: Politische Asylanten und Flüchtlinge, die wegen ihrer Religion, Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit etc. verfolgt werden.

Es gibt zusätzlich noch einige Sonderfälle, die einen Greencard-Antrag erlauben. Ich erspare euch diese jetzt aber, damit ihr mir nicht beim Lesen einschlaft.

Und nun zur großen Quizfrage: In welche Kategorie fallen Michael und ich? Dass wir immer an der Greencard-Lotterie teilnehmen, erwähnte ich ja schon. Also, bleibt uns nur noch der Weg über den Arbeitgeber, sprich AOL. Hierbei gilt Michael übrigens nicht als höchstqualifizierte Arbeitskraft mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, denn diese ist für international bekannte Wissenschaftler und Schriftsteller u.ä. reserviert. Denn obwohl Michael schon Perl-Bücher verfasste, reicht dies der Einwanderungsbehörde nicht als Beweis für Berühmtheit, sehr zum Verdruss Michaels. Also gibt Michael sich mit der Kategorie "Personen mit Hochschulabschluss und besonderen Fähigkeiten" zufrieden. Ich gelte bei der ganzen Geschichte als "accompanying relative" (begleitender Verwandter) -- was man nicht mit der Rubrik "Einwanderung über Verwandte" verwechseln darf. Erhält Michael die Greencard mit Hilfe seines Arbeitgebers, kriege ich sie auch und erhalte die gleichen Privilegien - sprich: ich darf z.B. arbeiten (Michael freut sich schon sehr auf diesen Tag). Das Einzige, was ich nachzuweisen habe, ist, dass ich mit Michael verheiratet bin. Auch Kinder unter 21 Jahren gelten als "accompanying relatives". Wichtig ist, dass es für die aufgelisteten Angehörigen in diesem Fall keine Quotenregelung gibt. Ein richtig menschlicher Zug!

Das Trickreiche bei dem Greencard-Weg mit Hilfe des Arbeitgebers ist, dass im Prinzip der Arbeitgeber die Greencard für den ausländischen Arbeitnehmer beantragt, da er den Job zur Verfügung stellt. Und dadurch tauchen ungeahnte Probleme am Horizont auf. Denn verliert man den Job, löst sich der Greencard-Antrag in Wohlgefallen auf. Das Gleiche gilt übrigens, wenn man die Arbeitsstelle wechselt. Der laufende Greencard-Antrag wandert in den Mülleimer und man darf von vorne anfangen. Da es in Kalifornien aber momentan zwischen drei und fünf Jahren dauert, bis man überhaupt die Greencard erhält, will man unter allen Umständen vermeiden, dass man zurück an die Startlinie muss. Die zur Zeit auf der Tagesordnung stehenden Entlassungen, lassen so manchen (uns eingeschlossen) aber um die beantragte Greencard zittern.

Einen kleinen Lichtblick gibt es allerdings. Ich erklärte ja bereits im vorletzten Rundbrief, dass Clinton, kurz bevor er abdankte, das neue Gesetz "American Competitiveness in the Twenty-first Century Act of 2000" unterzeichnete. Dieses Gesetz besagt nun, dass man dann seine Arbeitsstelle wechseln darf, wenn man sich seit 180 Tagen im dritten und letzten Schritt (zu den einzelnen Schritten gleich mehr) des Greencard-Prozesses befindet und noch keinen Bescheid erhielt. Voraussetzung für die Mitnahme des Greencard-Antrages zum neuen Arbeitgeber ist allerdings, dass die Arbeitsstelle der alten ähnelt. Und schon stehen wir vor den nächsten Problemen, denn das Gesetz ist recht schwammig formuliert und keiner weiß momentan, wie die Einwanderungsbehörde z.B. "ähnlich" interpretiert. Jeder wartet sehnsüchtig darauf, dass die Einwanderungsbehörde mit den Regulierungen herauskommt, die beschreiben, wie das Gesetz in die Praxis umgesetzt werden soll. Dies kann allerdings Monate, manchmal sogar Jahre dauern. Auch berücksichtigt das Gesetz nur den Fall, dass der Arbeitgeber die Arbeitsstelle wechselt (es wurde unter rosigen wirtschaftlichen Verhältnissen auf den Weg gebracht). Aber was passiert, wenn einem gekündigt wird? Bleibt der Greencard-Antrag bestehen, wenn man schnell einen neuen, ähnlichen Job findet? Und wenn ja, wie schnell muss das geschehen? Ich bemühte mich letzte Woche, eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, in dem ich stundenlang im Internet surfte, aber jeder ist ratlos, selbst die Rechtsanwälte. Die Devise heißt zur Zeit: Lass dich nicht entlassen und wechsle nicht den Job!!!

Eine Greencard mit Hilfe seines amerikanischen Arbeitgebers zu erhalten, setzt in der Regel das erfolgreiche Durchlaufen von drei Schritten voraus:

Der erste Schritt: "Labor Certification" (Das Arbeitszertifikat). Der amerikanische Arbeitgeber reicht die erforderlichen Papiere bei der bundesstaatlichen ("state") und staatlichen ("federal") Arbeitsbehörde ein ("Department of Labor"). Es geht darum, zu beweisen, dass kein Amerikaner für den ausgeschriebenen Job zu finden ist. Der Arbeitgeber muss dabei nicht nur Anzeigen in Zeitungen oder ähnlichen öffentlichen Medien publizieren, sondern auch Bewerbungsgespräche mit potenziellen Kandidaten führen. Die Arbeitsbehörde legt fest, wie die Anzeigen auszusehen haben.

Der zweite Schritt: "The Immigrant Visa Petition" (Die Einwanderungspetition). Der amerikanische Arbeitgeber reicht die Petition für den ausländischen Arbeitnehmer bei der Einwanderungsbehörde ein. Geprüft wird, ob der Arbeitnehmer auch wirklich die benötigten Fähigkeiten besitzt, z.B. durch Abschlussurkunden und Arbeitszeugnisse. Darüber hinaus muss der Arbeitgeber beweisen, dass er wirklich jemanden mit den beschriebenen Fähigkeiten braucht und dass er die finanziellen Kapazitäten besitzt, das ortsübliche Gehalt für die ausgeschriebene Position zu bezahlen.

Der dritte Schritt: "The Green Card Application" (Das Greencard-Gesuch). Der formelle Antrag, die Greencard zu erhalten, wird bei der Einwanderungsbehörde gestellt. Man geht vom Nicht-Immigranten-Status in den Immigranten-Status über. In diesem Schritt taucht man übrigens erstmals selber als Antragsteller auf und nicht mehr nur der Arbeitgeber. Der Antrag wird entweder bei der Einwanderungsbehörde in Amerika ("adjustment of status") oder beim amerikanischen Konsulat ("consular processing") im eigenen Heimatland eingereicht. Das Letztere verwirrt euch jetzt vielleicht. Aber es ist theoretisch denkbar, dass man ein amerikanisches Stellenangebot hat und sich noch gar nicht auf amerikanischem Boden befindet, folglich ist das Konsulat im Heimatland zuständig, die Greencard auszustellen. Oder man reist einfach von den USA in sein Heimatland und wickelt den letzten Schritt dort ab. Bis vor einigen Jahren war das viel schneller als die übliche Prozedur innerhalb der USA, nachdem aber die deutsche Firma SAP gerüchtehalber Horden von Mitarbeitern ins Konsulat in Frankfurt einmarschieren ließ, um den Greencardprozess zu beschleunigen, wurde ein neues Formular auf den Weg gebracht, das diese Abkürzung wieder zustopfte. Also stellen die meisten Einwanderungswilligen den Antrag wieder in Amerika -- wir auch. In diesem dritten Schritt befinden wir uns jetzt. Hier erst beweist man, dass man über eine makellose Gesundheit sowie eine weiße Weste verfügt. Und was wir dabei alles für Abenteuer erlebten, erfahrt ihr im Rundbrief 07/2002, denn ich will euch erst die Gelegenheit geben, die Informationen sacken zu lassen.

Der Präsident schickt uns Geld

Abbildung [16]: Präsi Bush lässt's krachen mit 600 Dollar Steuerrückerstattung für uns

Von Präsident Bush und seinen politischen Ambitionen möchte ich noch berichten. Dieses Mal geht es um seine Steuerreform, die Ende Mai verabschiedet wurde. Während des Wahlkampfs brüstete sich Bush gern damit, die Amerikaner von der Geißel der hohen Steuerzahlungen zu befreien. Ich behaupte ja frech, dass viele Amerikaner ihm nur deshalb ihre Stimme gaben. Denn hört der Bürger -- egal wo auf der Welt -- das Zauberwort Steuersenkung, erscheinen bei den meisten die Dollarzeichen in den Augen und alles andere wird zur Nebensache. Schlechte öffentliche Schulen -- nie gehört. Millionen Amerikaner nicht krankenversichert -- halb so schlimm... Hauptsache wir zahlen weniger Steuern. Liberale Gemüter kritisieren die Steuerreform allerdings heftigst, weil sie die größten finanziellen Vorteile den ohnehin sehr gut Verdienenden bringt. Der demokratischen Partei gelang es zwar, Bushes ursprünglich geplante Reform zurechtzustutzen und auch den Schlechterverdienenden und Familien mit Kindern durch Erhöhung des Kinderfreibetrags ("child tax credit") etwas vom Kuchen abzugeben. Trotzdem bleibt dies eher ein Tropfen auf den heißen Stein.

Abbildung [17]: Der Scheck vom Finanzamt für uns "American Workers"

Damit ich euch nicht zu Tode langweile, fasse ich nur schnell die wichtigsten Veränderungen zusammen. Bisher gab es die folgenden fünf einkommensabhängigen Steuersätze ("federal tax") 15%, 28%, 31%, 36% und 39,6%. Die Steuerreform senkt die 15-Prozent-Rate ab sofort auf 10%. Der Spitzensteuersatz wird bis zum Jahr 2006 auf 35% (4.6 Prozentpunkte), die verbleibenden Raten (28%, 31%, 36%) im gleichen Zeitraum schleichend um jeweils drei Prozentpunkte reduziert.

Und damit auch jeder Steuerzahler, der für das Jahr 2000 eine Einkommenssteuererklärung abgegeben hat, die Reform gleich zu spüren bekommt, flattert einem schon dieses Jahr eine Rückerstattung ins Haus. Alleinstehende erhalten die Einmalzahlung von $ 300 und Verheiratete $ 600. Deshalb erhielten wir neulich einen freundlichen Brief vom Finanzamt, der uns darüber informierte, wann die 600 Dollar bei uns auftauchen. Nun müsst ihr nicht glauben, dass man das Geld so einfach auf sein Konto überwiesen bekommt. Wir berichteten ja schon öfter, dass das amerikanische Bankwesen sich noch etwas hinter dem Mond befindet und Überweisungen, wie man sie in Deutschland kennt, praktisch nicht existieren. Also schickt das Finanzamt an jeden Berechtigten einen Scheck mit der Post. Mich amüsiert dabei natürlich die Vorstellung, dass Tausende von Finanzbeamten Schecks in Briefumschläge eintüten. Denkt man an die Kosten, die diese ganze Aktion verursacht, können einem allerdings eher die Tränen kommen. Die New York Times berichtete in den letzten Tagen dann auch ausführlich darüber, dass der noch vor einiger Zeit vorhandende stattliche amerikanische Haushaltsüberschuss arg zusammengeschrumpft ist. Ein Phänomen, dass viele Kritiker der Steuerreform voraussagten.

Typisch amerikanisch wird der Scheck natürlich sofort ausgegeben. Der Baumarkt "Home Depot" (vergleichbar mit "OBI" in Deutschland) schaltet zur Zeit Werbespots im Fernsehen, die verkünden, dass man den Steuerscheck gar nicht erst zur Bank bringen muss, sondern direkt in allen "Home Depot"-Filialen beim Kauf diverser Waren einlösen kann. Auch hört man von ersten Betrügern, die z.B. offiziell aussehende Briefe versenden, die vor die Steuerrückerstattung frei erfundene Bearbeitungsgebühren stellen.

Hilfe beim Geldausgeben

Gemeinnützige Einrichtungen hoffen, dass viele sich ein Herz fassen und das Geld gleich wieder für einen guten Zweck spenden -- auch das "Tenderloin Childcare Center", in dem ich nach wie vor zweimal wöchentlich ehrenamtlich tätig bin, veröffentlichte Spendenaufrufe in verschiedenen Zeitungen. Und jetzt kommt es. Tata!!! Das Aufmacher-Foto für diese Aufrufe, das ein Kind des Childcare Centers zeigt, habe ich persönlich aufgenommen, entwickelt und vergrößert! Und das kam so: Die Leiterin des Dachverbandes des Tenderloin Childcare Centers war ganz begeistert von den Fotos, die ich immer von den Kindern mache, und wollte die Büroräume des Dachverbandes damit schmücken. Also spendete ich fünf meiner Schwarz-Weiß-Bilder und fünf Farbbilder. Diese Fotos gefielen wiederum der Mitarbeiterin, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, so gut, dass sie mich fragte, ob ich einverstanden wäre, wenn sie meine Fotos für ihre Öffentlichkeitsarbeit nutze, d.h. für Broschüren, Anzeigen etc. Ich stimmte dem natürlich postwendend zu.

Abbildung [18]: Die Anzeige zum Spendenaufruf für den Steuerrückerstattungsscheck mit Angelikas Foto

Vor einigen Wochen sagte dann eine Medienfirma zu, das Design der Anzeige kostenlos (das heißt hier übrigens "pro bono") zu gestalten. Ende Juli schlug ich den "Bay Guardian" auf und auf Seite 41 strahlte mir ein Werk meiner fotografischen Ambitionen entgegen. Bei dem "Bay Guardian" handelt es sich um eine kostenlose wöchentliche lokale Zeitung, die in San Francisco sehr beliebt ist, da sie nicht nur über Veranstaltungen, Restaurants etc. berichtet, sondern auch sehr kritisch die Dinge beleuchtet, die in der Stadt vorgehen. Die Ausgabe, in der mein Foto erschienen ist, hatte den Titel "Best of the Bay" und ist besonders begehrt. Einmal im Jahr veröffentlicht der "Bay Guardian" nämlich, welches die besten und beliebtesten Restaurants, Cafes, Parks, Ausflugziele, Strände, Kinos usw. usw. sind. Dabei kommen sowohl die Leser zu Wort als auch die Mitarbeiter des Bay Guardians. Die Woche darauf bewunderte ich mein Foto samt Anzeige in der "San Francisco Business Times". Diese Zeitung erscheint ebenfalls wöchentlich und man findet sie an den diversen Zeitungsständen in San Francisco. In Abbildung 18 seht ihr die Anzeige, und auch auf der offiziellen Webpage des Dachverbandes (www.compass-s.f.org) gibt es sie zu sehen. Ganz unten links seitlich im Kleingedruckten findet ihr auch meinen Namen. Jaja, ich gebe zu, dass man fast eine Lupe braucht, um ihn lesen zu können. In der abgedruckten Anzeige ist er allerdings besser zu entziffern.

Energiekrise

Nun noch einmal zu der kalifornischen Energiekrise, über die ich schon einmal berichtete. Eigentlich sollten wir ja im Sommer ständig ohne Strom dasitzen. Dies trat Gott sei Dank bisher nicht ein. Der Hahn wurde schon lange nicht mehr abgedreht, was nicht heißt, dass Kalifornien die Krise überwunden hat. Denn da der Mensch ja bekanntlich schnell vergisst, vor allen Dingen wenn der Strom wieder fließt, befürchten viele, dass das Stromsparen nicht mehr höchste Priorität hat. Deshalb laufen im Fernsehen nach wie vor Werbespots, die zeigen, wie man am besten mit seinem Strom haushaltet. Und nachdem die ersten Werbespots eher etwas dümmlich daher kamen, da sie nur mit erhobenem Finger mahnten, auch ja das Licht auszuschalten, fehlt es der zweiten Generation der Werbekampagne nicht an dem nötigen Humor. Witzig ist vor allen Dingen der Spot, in dem man einen Teenager am hellerlichten Tag schlafend im Bett liegen sieht und der dazu aufruft, an diesem Zustand nicht zu rütteln, da Teenager bekanntlich gern mit dem Strom aasen. Denn wer schläft, verbraucht keinen Strom. Ein sehr zu begrüßendes Konzept, denn ich schlafe bekanntlich auch recht gern. Der neueste Trend hinsichtlich der Energiekrise begegnete uns neulich in San Diego, wo wir einige Tage verbrachten, da Michael an der Perl-Konferenz teilnahm. Das Hotel, in dem wir abstiegen, forderte nämlich einen zusätzlichen Energiekostenbeitrag von 2,50 Dollar pro Tag! Aber Präsident Bush bemerkte doch neulich so treffend, dass die Kalifornier doch gar nicht über ihre höheren Stromrechnungen zu jammern bräuchten. Sollen sie doch gefälligst ihre Steuerrückzahlung dafür hernehmen. Ja, da fällt einem doch wirklich nichts mehr zu ein.

So, genug des Lesestoffes für euch. In der Hoffnung, dass wir noch nicht sobald um Asyl in Deutschland bitten müssen, grüßen wir euch alle herzlich.

Michael und Angelika

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Letzte Änderung: 11-Mar-2017