Mike Schilli Angelika Schilli
Zwei Deutsche in San Francisco
und ihre Sicht der Welt.

  Rundbrief Nummer 31  
San Francisco, den 1.7.2001

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Die Straßen von San Francisco

Außer den untragbaren Verkehrsverhältnissen gibt es noch einen anderen Grund, warum ich unser Auto nicht gerne bewege: Es ist sehr schwierig, bei uns in San Francisco einen Parkplatz zu finden. Da wir keine Garage haben, müssen wir, falls einer von uns nach sieben Uhr abends mit dem Auto nach Hause kommt, teilweise bis zu einer halben Stunde um den Block fahren und suchen, um einen zu ergattern. Falls wir das Auto mal zufällig in der Nähe der Wohnung geparkt haben, überlegen wir uns gut, ob wir's nochmal bewegen. Man bewertet die Parkplätze nach den Straßenreinigungstagen -- einen "Montagsparkplatz" muss man montags aufgeben, da dann das Kehrauto kommt. Am Dienstag einen Montagsparkplatz zu bekommen, auf dem das Auto dann theoretisch eine ganze Woche stehenbleiben kann, gilt als übermenschliche Leistung, die gerne mit Champagner belohnt wird. Wer sein Auto hingegen am späten Dienstagabend mangels Alternativen auf einem 7-Uhr-Mittwochsparkplatz parkt, muss mit der Narrenkappe ins Bett.

Der beste Parkplatz ist übrigens die von mir so benannte "Pole Position" -- direkt vor dem Haus. ("Pole Position" nennt man bei Autorennen die beste Startposition). Diesen Parkplatz kriegen wir extrem selten, vielleicht einmal in drei Monaten. Dann wird nur noch gefahren, falls einer in die Notaufnahme vom Krankenhaus muss.

Abbildung [1]: Ein historisches Ereignis am 9.6.2001: Der "PERL MAN" in der Pole Position.
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Außerdem darf man nicht an Hydranten parken, irgendwie achteinhalb Fuß oder so muss man Abstand halten. Damals, als ich den kalifornischen Führerschein erwarb, musste ich das auswendig lernen, mittlerweile weiß ich das natürlich nicht mehr. Das erinnert mich immer an einen alten Film mit den Marx-Brothers, in dem der Groucho Marx einen aufblasbaren Hydranten im Auto hatte, den er bei Bedarf auf den Gehsteig stellte und an dieser Stelle parkende Autofahrer verscheuchte. Vor Kreuzungen gibt's auch irgendeine Regel, aber die wird nicht so ernst genommen. Es gilt vielmehr: Was niemandem direkt schadet, wird auch nicht bestraft. In Deutschland erhielt ich mal einen Strafzettel, weil ich gegen die Fahrtrichtung geparkt hatte -- hier interessiert niemanden, wie rum das Auto steht. Wichtig auf steilen Straßen ist, dass man die Räder so einschlägt, dass das Auto, falls der Gang rausrutscht und die Handbremse versagt, gegen den Randstein rollt und dort stoppt. Macht man das nicht, kriegt man einen Strafzettel, weil es wohl schon schwere Unfälle gab, als alterschwache Autos sich selbständig machten und die Berge herunterdonnerten. Angelika schimpft mich immer, wenn ich die Räder nur sanft einschlage und nicht, wie die Dame es wünscht, so, dass sie halb aus der Verankerung herauskullern. Mein Traum ist es aber, einmal einen solchen Strafzettel zu bekommen, den rahme ich mir dann ein und hänge ihn im Klo auf.

Abbildung [2]: Die Räder des vorderen Autos sind falsch herum eingeschlagen -- es würde in die Straße reinrollen! Die hinteren beiden haben's richtig gemacht.
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Abbildung [3]: Ein Strafzettel für das Auto, das die Räder falsch herum einschlug -- 23 Dollar!
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Ein aktueller Nachtrag: Neulich wollte ich in der Früh ins Büro fahren, ging hinüber zur 23. Straße, wo unser Auto geparkt war und traute meinen Augen nicht: Bei 30% Steigung stand da ein schwarzer Acura Integra quer auf dem Gehsteig, direkt vor einer Garage. Und das Nummernschild war "PERL MAN"! Eine ungefähr hundertjährige Frau turnte aufgeregt darum herum und ein jüngerer Herr, der deswegen nicht mehr aus seiner Garage herauskam, hatte gerade den Abschleppdienst angerufen. Es stellte sich heraus, dass die Frau beim Einparken mit ihrem tonnenschweren 60er-Jahre Oldsmobile von oben gegen unser Auto gebumst war, worauf dieses sich selbständig machte und trotz angezogener Handbremse und eingelegtem Gang den Berg hinunterkullerte. Dank vorschriftsmäßig Richtung Randstein eingeschlagener Räder (Angelika hatte geparkt) hüpfte es nur den Randstein hinauf und kam kurz vor der Garage zum Stehen. Die Frau hatte freundlicherweise schon einen Zettel hinter meinen Scheibenwischer geklemmt: "Please ring 647-92.. -- will explain" ("Bitte anrufen (Telefonnummer). Werde erklären."). Na, auf diese Erklärung wäre ich ja gespannt gewesen. Zum Glück kam ich aber gerade vorbei, stellte fest, dass am Auto nichts weiter passiert war (kleinere Schrammen zählen in Amerika nicht), worauf die Frau sich mit "Thank you for being so nice" bedankte, der Garagenmann schnell den Abschleppwagen abbestellte, ich das Auto vom Gehsteig fuhr und ganz normal nach Mountain View in die Arbeit abzischte. In der ganzen Aufregung vergaß ich leider, die Szene zu fotografieren. Sachen erlebt man in dieser Stadt!

Abbildung [4]: Der Zettel der Frau, die unser Auto den Berg hinunterschubste.
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Letzte Änderung: 06-Jul-2008