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  Rundbrief Nummer 28  
San Francisco, den 17.01.2001


Abbildung [1]: PG&E: We deliver Energy -- oder auch nicht!

Ja, und von noch einem Politikum muss ich berichten. Kalifornien kämpft gerade mit einer dicken Energiekrise. Jeden Tag wird uns angedroht, dass sprichwörtlich die Lichter ausgehen für einige Stunden, da der produzierte Strom nicht mehr ausreicht. Auch heute befinden wir uns energietechnisch gesprochen auf Alarmstufe 3, das heißt, es kann sein, dass die Elektrizitätswerke am späten Nachmittag den Hahn zudrehen und wir ein paar Stunden stromlos zubringen. Lästert nur über dieses angeblich hochtechnologische Land! Bis jetzt ist es allerdings noch zu keinem sogenannten "Black-out" gekommen, aber nur, weil viele Firmen freiwillig früher schließen, um Strom zu sparen. Ich kann euch sagen, es ist echt lästig, überall mit einer Taschenlampe herumzulaufen, vor allen Dingen in der Dunkelkammer habe ich letzte Woche arg gezittert. Wenn da nämlich der Strom und somit auch noch das Rotlicht ausfällt, sieht man die Hand vor Augen nicht mehr, da die Wände schwarz gestrichen sind und es keine Fenster gibt. Nun ist es ja bekannt, dass der Amerikaner nicht gerade der Meister im Stromsparen ist. Es ist deshalb sehr amüsant, zu beobachten, wenn Maßnahmen diskutiert werden, wie man Strom sparen kann. Bei AOL wurden die Mitarbeiter zum Beispiel angewiesen, die Computer auszustellen, wenn sie nach Hause gehen.

Die kalifornische Krise ist natürlich hausgemacht. Da ist zunächst einmal das boomende Silicon Valley, das mit den High-Tech-Firmen riesige Mengen von Strom verpulvert. Dann das nicht endende Wachstum der kalifornischen Bevölkerung. Die Hauptursache ist aber, dass 1996 unter dem Gouverneur (Ministerpräsident) Pete Wilson der Energiemarkt dereguliert wurde: Preise, die die Energiekonzerne auf der Verbraucherseite erheben können, dürfen eine bestimmte Höhe nicht übersteigen. Müssen die Energiekonzerne aber selber Strom einkaufen, gilt der freie Markt. Eine sehr unlogische Geschichte. Da kalifornische Energiekonzerne den meisten Strom aus anderen Bundesstaaten (es gibt in Kalfornien viel zu wenig Stromkraftwerke und es wurden zu wenig neue gebaut, um der Nachfrage Herr zu werden) beziehen und die Energiekonzerne dort knallhart die Situation ausnutzen, sind die Preise auf dem freien Markt in astronomische Höhen geschnellt. Das bedeutet, dass die kalifornischen Energiekonzerne wesentlich teurer einkaufen als verkaufen und Schulden über Schulden machen, so dass zum Beispiel der Gesellschaft PG&E (Pacific Gas and Electric Company) die Pleite droht. Als erste Notmaßnahme wurde zwar beschlossen, dass die Preise kurzfristig erhöht werden dürfen (ich bin ganz bleich geworden, als ich unsere Stromrechnung aufmachte), aber das ist wohl nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie gut, dass ich vor einigen Monaten so eine riesige Taschenlampe, wie man sie auf dem Bau, hat gekauft habe. Ich hatte zwar an Stromausfälle nach einem Erdbeben gedacht und musste mir Michaels spöttische Kommentare anhören, aber wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Ha, so können sich die Informationen in Minuten ändern. Gerade hat es die ersten sogenannten "rolling black outs" gegeben: Immer ein anderes Viertel ist ohne Strom, es wird rotiert. Unser Viertel war bis jetzt noch nicht betroffen. Ich habe aber gerade erfahren, dass wir uns in Block 12 befinden. Wir sind also an zwölfter Stelle und um 17 Uhr wurde der Strom der Leute in Block 5 abgedreht. Zu welchem Block man gehört, erfährt man übrigens, indem man auf seine Stromrechnung schaut (unten links, falls das jemanden interessiert). Da muss ich jetzt also noch schneller in die Tasten hauen, damit der Rundbrief noch vor dem vermeintlichen Stromausfall fertig wird.

Abbildung [2]: Die Karaoke-Maschine
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