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  Rundbrief Nummer 28  
San Francisco, den 17.01.2001


Abbildung [1]: Death Valley Junction

Abbildung [2]: Gerümpel in "Death Valley Junction"

Dieses einsame Amerika fasziniert mich immer besonders -- und das Licht spielt so genial wie nirgends sonst auf der Welt. Es sieht fast irreal aus, klickt fleißig auf die Bilder, um sie zu vergrößern. Schon vor fast vierzehn Jahren, als ich das erste Mal die USA bereiste, hat mich diese Weite gepackt und nie mehr losgelassen. Was machen die Leute, die da wohnen? Über zwei Autostunden von der nächsten, einigermaßen großen Stadt weg? Essen die jeden Tag Steak? Sehen jeden Abend fern? Das mit dem Essen war echt furchtbar. Außerhalb Las Vegas mit seiner mittlerweile echt abwechslungsreichen Küche gibt's nur Steakhouses und diese uramerikanischen Restaurants, die man "Diner" nennt. Da sitzt man in sogenannten "Booths", die wie früher die offenenen Eisenbahnabteile in Nahverkehrszügen aussehen. Dicke rote, komfortabel gepolsterte Bänke und jeder Tisch hat sein eigenes Kabüfflein. In San Francisco gibt's nur ein gutes Diner, das heißt übrigens Max's und ich warte stündlich darauf, dass Max Schuster uns besuchen kommt und ich ihn dort hin ausführen kann. Außerdem zwinge ich Angelika alle zwei Monate, zu diesem für San-Francisco-Verhältnisse exotischen Laden zu gehen, damit ich mir einen fettigen Bacon-Burger reinziehen kann, auf dass mir den Rest des Tages schlecht ist. In der Pampa gibt's aber außer Tankstellen und Diners nix anderes -- und das nervt auf die Dauer.

Abbildung [3]: Die rasende Rundbriefreporterin fotografiert den Salzsee für die Rundbriefleserschaft von nahem

Abbildung [4]: "Badwater" heißt der Salzsee

Abbildung [5]: Salzkristalle von nahem

Was gibt's im Tal des Todes? Eine total skurrile Wüstenlandschaft mit Bergen, Canyons, irrem Licht und ausgetrockneten Salzseen! Der Name rührt von einer rührseligen Geschichte her, die ich euch nicht vorenthalten will: Es begab sich zur Zeit der Pioniere und Goldgräber, die sich damals noch, frisch vom Schiff aus Europa kommend, auf dem Landweg an die Westküste Amerikas aufmachten. Viele Gefahren galt es zu überwinden! In ihren Planwagen zogen sie monatelang dahin. Nahe dem heutigen Bundesstaat Nevada glaubte eine Gruppe, eine neue Abkürzung nach Kalifornien gefunden zu haben -- sie fuhren in das Tal ein, kamen aber nicht weiter.

So zogen zwei Mannsbilder los, um einen Weg aus dem Tal zu finden und ließen die Gruppe zurück. Als die beiden auch nach zwei Wochen nicht zurückkamen, teilte sich die verbliebene Gruppe in zwei Hälften, die eine versuchte, auf eigene Faust aus dem Tal zu entrinnen -- und schaffte das auch glatt. Die andere Gruppe wartete auf die ausgesandten Pioniere. Einen von denen derbatzte es, dem anderen gelang es, zur Gruppe zurückzukehren und diese auf einem ausgespähten Pfad aus dem Tal herauszuführen. Eine der Damen auf dem Planwagen sagte beim Verlassen des Tales dann dramatisch "Good bye, Death Valley" und so ward der Name des Tales geboren: Tal des Todes. Hach.

Auf der Straße kam uns ein putziger kleiner Koyote entgegen. Man darf die Gesellen aber nicht füttern, weil sie das Jagen nicht verlernen sollen. Sogar Hundehasser Angelika wurde das Herz weich.

Abbildung [6]: Ein total gefährlicher Koyote kommt betteln! Die rasenden Rundbriefreporter in Angst und Schrecken!

Wie in allen amerikanischen Nationalparks gibt es auch im Death Vaelly jemanden, der schon mal darin umgekommen ist -- und deswegen stehen tausend Warnschilder herum. Diesmal war's ein Österreicher, der sich im Sommer auf einem Weg durch den "Golden Canyon" versuchte, wo's ungefähr 45 Grad im Schatten hatte, und der einen Hitzschlag erlitt. Deswegen die Tafel, die am Wegeingang in typisch deppertem Übersetzerdeutsch warnte (siehe Bild 20): "Die Wüstenhitze und Trockenhett kann sie unbringen. Kein Wasser, daher genuegend Wasser mitnehmen. Am frühen Morgen ist es an kühlsten." Manchmal frage ich mich, woran es liegt, dass es in Amerika Leute gibt, die meinen, sie sprächen deutsch, die aber total hirnrissige Fehler machen. Deutsche Austauschstudenten, meldet euch massenhaft! Aber ich schweife ab. Der "Golden Canyon" besteht aus der Chemikalie "Borax", die man laut Angaben der Ranger für Putzmittel und Kakerlakenvernichtung gebrauchen kann. Demgemäß sieht der Canyon wie eine Kiesgrube aus, nur schöner.

Abbildung [7]: Warnschild in deppertem Übersetzerdeutsch am Wanderweg

Abbildung [8]: Der "Golden Canyon" im Death Valley. Wie eine Kiesgrube, nur schöner.

Außerdem wurden überall Höhlen gebuddelt, um Bodenschätze wie Silber herauszuholen. Man darf aber nicht in die Minen hineingehen, weil man sonst, den Warntafeln zufolge, leicht explodiert. Insofern blieben wir den Minen fern und legten nur 20km zu Fuß durchs Gebirge zurück. Aber zum Glück gehen wir ja mittlerweile beide ins Fitnessstudio, sonst wären wir zusammengebrochen. Soviel bin ich seit der Bundeswehr nicht mehr gelaufen. Dort mussten wir mal zur Strafe 40km laufen, weil wir während eines 20km Marsches im Biergarten eingekehrt waren. Dass ich aber statt der unnützen schweren Ausrüstung nur ein großes Kopfkissen im Rucksack trug, merkte keiner, harhar!

Abbildung [9]: Der Eingang zu einer alten Silbermine

Abbildung [10]: Warnung vor der Mine

Abbildung [11]: Ein komischer Stein vor der Mine. Kostbares Borax zur Schädlingsbekämpfung!

Im Park gibt es noch diese völlig irreale Landschaft mit den Sanddünen. Die hat Ansel Adams übrigens in den 50ern mal mit einem Schwarz-Weiß-Film fotografiert, das ist das Foto, auf dem die Düne wie ein Halbmond aussieht. Wir gingen gleich zweimal dorthin, weil's das erste Mal schon fast zu dunkel war und die Frau Fotografin optimale Lichtverhältnisse forderte. Seht ihr in Abbildung 25 oben auf der Düne den kleinen schwarzen Fleck? Das ist Angelika, die dort oben mit ihrer Fotoausrüstung herumgeschaftelt. Wenn ihr das Bild auf dem Internet durch draufklicken vergrößert, seht ihr Angelika mit zwei Rucksäcken.

Abbildung [12]: Angelika auf der Sanddüne

Abbildung [13]: Wer hat denn da "perlmeister.com" in die Sanddüne geschrieben??

Und noch eine Geisterstadt namens Rhyolite gibt's nahe dem Tal des Todes. Die Geisterstädte sind einfach verlassene Städte, die aufgegeben wurden, nachdem der Grund für die Besiedlung (z.B. Goldrausch) wegfiel -- im Fall von Rhyolite wurde einfach die Borax-Gewinnung unlukrativ und die Leute zerstoben in alle Himmelsrichtungen. Heute sieht man dort vergammelte Autos und 50 Jahre alte verfallene Häuser -- das ist in Amerika schon uralt!

Abbildung [14]: Die rasenden Rundbriefreporter besuchen die Geisterstadt "Rhyolite"

Abbildung [15]: Ein verrostetes altes Auto in der Geisterstadt
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