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  Rundbrief Nummer 130  
San Francisco, den 08.09.2019


Abbildung [1]: Zuerst das Loch ausputzen und aufrauhen ...

Michael Irgendwie haben Angelika und ich eine besondere Begabung dafür, die Reifen unserer beiden Autos andauernd plattzufahren. Mindestens einmal im Jahr passiert es, dass irgendeine Schraube oder neulich bei Angelika sogar ein Teil einer rostigen alten Schere im Reifen steckt und aus diesem dann schnell die Luft entweicht. Sogar in Deutschland ist uns das vor zwei Jahren mal bei einem Besuch passiert, da war dann der Mietwagenreifen platt und wir mussten mit aufgezogenem Reserverad mit 80km/h über die Autobahn zurück zur Niederlassung am Münchner Flughafen fahren, Sternstunden der Fahrkunst!

Das Prozedere bei platten Autoreifen ist für uns hier in den USA deswegen schon Routine: Wagen aufbocken, Reserverad draufmachen, zum Reifenfritzen fahren und flicken lassen. Von amerikanischen Bekannten erfuhr ich allerdings vor einiger Zeit, dass man Reifen hier auch selber flicken kann, mit für etwa 10 Dollar gehandelten Reparaturkits. Also bestellte ich bei Amazon vorsorglich so ein Patchkit und lagerte es sorgsam ein.

Vor ein paar Tagen war es dann soweit: Der Integra stand auffällig schief in der Garage, und bei näherem Hinsehen stellte sich heraus, dass aus dem rechten Hinterreifen die Luft entwichen war. Eine Holzschraube steckte tief im Profil, und da dachte ich mir: Das probier ich jetzt mal mit dem Selberflicken.

Abbildung [2]: ... dann den Klebestreifen aufziehen ...

Das Patchkit war in einer grell orangen Plastikkiste verstaut und enthielt zwei martialisch aussehenden korkenzieherartige Werkzeuge, zusammen mit etwa 40 Stück von mir so genannter Klebewürmchen. Das sind leuchtend orangene Baumwollkordeln, etwa 10cm lang und 5 Millimeter dick, satt umwirkt von ganz gemein pappendem Klebstoff. Zur Reparatur des Reifens entfernt man zuerst das spitze Objekt, das das Malheur ausgelöst hat, dann sticht man mit dem ersten Korkenzieher in die Wunde und rauht das Loch durch rabiate Auf- und Abbewegungen auf, denn das Werkzeug verfügt über eine feine geritzte Maserung, wie eine Feile.

Dann spannt der Reparateur eines der 40 Klebewürmchen aus der Packung symmetrisch in den zweiten Korkenzieher, der unten ein Nadelöhr aufweist, das allerdings bei Druckausübung nach unten federartig aufgeht. Der Reifenflicker stopft nun das Klebewürmchen mittig im Korkenzieher gefaltet, und mit Wucht in das Loch, aber nicht ganz bis zum Anschlag, sondern so, dass noch ein paar Zentimeter der beiden Seiten der klebstoffgetränkten Kordel oben rausschauen. Dann zieht er den Korkenzieher langsam und vorsichtig nach oben raus. Dabei öffnet sich im Reifeninneren das Nadelöhr des Korkenziehers und gibt das Würmchen frei. Das Loch ist so gestopft, und die entstehende Blatschare der Würmchenenden an der Reifenoberfläche kann man nun entweder mit einer Schere zurechtstutzen oder einfach so belassen und abwarten, bis der Reifenabrieb beim Fahren die Unebenheit geglättet hat. Durch das chemische Wunder der Vulkanisation verschmelzen Loch und Würmchen zu einem luftdichten Pfopfen, und der Reifen ist nun luftdicht geflickt.

Abbildung [3]: ... und in das Loch reinstopfen.

Das Verfahren sollte man allerdings nur anwenden, falls das Loch im Reifen nicht am Reifenrand ist, denn sonst könnte es die Reifenstruktur schwächen und unschön geplatzte Reifen nach sich ziehen. Und man kann mit geflicktem Reifen auch nicht mehr auf Autobahngeschwindigkeit beschleunigen, aber in Amerika ist bei 130 km/h eh Schluss. Bis jetzt hat der Pfropfen gut gehalten, und ich habe noch 39 Würmchen übrig, der nächste Platten kann also kommen.

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Letzte Änderung: 09-Sep-2019