Mike Schilli Angelika Schilli
Zwei Deutsche in San Francisco
und ihre Sicht der Welt.

  Rundbrief Nummer 13  
San Francisco, den 15.01.99

Deutsches Essen in den USA    Im Hauptquartier von AOL    Der deutsche Akzent wenn man Englisch spricht    29 Palms und der Joshua-Nationalpark    You've got Mail    "Perl Power" -- Goto Perl auf Englisch    Verkaufssteuer und Mail-In-Rebatt    Weihnachtsbaum in San Francisco    Internetanschluss    Deutschlandbesuchsplanung    Stromausfall    Sylvester auf der Bay    Jahresrückblick

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Der deutsche Akzent wenn man Englisch spricht

Das mit dem deutschen Akzent ist eine Sache, an der ich zwar konstant arbeite, in der allerdings kein Land in Sicht ist: Wer sein Leben lang Deutsch gesprochen hat, kann wohl nie 100%ig tönen wie ein Amerikaner oder Engländer. Das ist wie wenn ein Amerikaner zwar fließend Deutsch spricht, aber an den "r"s und "w"s merkt man doch, dass die angloamerikanische Welt Buchstaben leicht anders ausspricht als die deutschsprachige. Damit da keine Missverständnisse aufkommen: Ich spreche weder wie Helmut Kohl oder grammatikalisch falsches Englisch und auch die Wörter, um das auszudrücken, was ich meine, wähle ich, soweit ich das draufhabe, entsprechend den lokalen Gegebenheiten, so sagt man in Amerika zum Beispiel oft Sachen, die man in keinem Englischkurs der Welt lernt wie "I'm gonna do this" für "Ich mach das" oder in Kalifornien "What's up, dude?" für "Wie geht's, Kumpel?" -- also am Slang liegt's nicht, das ist einfach zu kopieren. An was es tatsächlich hakt, ist, dass die Laute anders klingen. Da die Unterschiede minimal und für Nicht-Amerikaner kaum festzustellen sind, war mir das lange Zeit nicht bewusst, ich war immer der Auffassung, irgendwann würde das keiner mehr unterscheiden können, aber weit gefehlt: Je länger ich meinem Englisch zuhöre, desto klarer wird mir, wo die Unterschiede liegen. Aber natürlich gebe ich nicht auf, zur Zeit spiele ich bei AOL jeden Tag Pool-Billard mit einem Typen, der in einem schlechten Viertel von San Francisco aufgewachsen ist und mir die exakte Aussprache von Fachausdrücken aus den "Hoods" beibringt wie "Whyya sweaten me?" für "Ey, mach mich nicht an!", "Whaddup gee?" für "Hey, Kumpel!" und "Audi 5000" für "Tschüss". Mache ich dazu auch noch die Handbewegung, mit der schwarze Jugendliche in Straßen-Gangs eine Pistole symbolisieren, brechen die Jungs bei AOL endgültig vor Lachen zusammen. Mein alter Englischlehrer Haueisen dreht sich im Grabe herum.

Zurück zur Ostküste: Die Gegend, in der das Hauptquartier von AOL steht, besteht nur aus Autobahnen und Riesen-Supermärkten und ist wirklich schnarchlangweilig, da merkt man echt, was San Francisco mit seinem internationalen kunterbunten Durcheinander für eine Ausnahme an amerikanischen Städten ist. Wer wollte woanders wohnen!

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Letzte Änderung: 06-Jul-2008