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  Rundbrief Nummer 125  
San Francisco, den 01.05.2018


Abbildung [1]: Die Rundbrief-Redaktion fährt im Winter in die Wüste.

Angelika Es ist schon über zehn Jahre her, dass wir in Santa Fe im Bundesstaat New Mexico waren (Rundbrief 10/2006) und da es uns dort damals sehr gut gefallen hat, beschlossen wir, den Jahreswechsel mal wieder in der Wüste zu verbringen. Apple schließt zwischen Weihnachten und Neujahr und ich habe mittlerweile mehr Urlaub als Michael, so dass ich locker ein paar Tage freinehmen kann. Wir flogen am 25.12. los. Nun ist der 25. Dezember hier nicht etwa nur der erste Feiertag, sondern auch gleichzeitig Heiligabend, denn morgens macht der Amerikaner in aller Frühe mit der Familie erst die Geschenke auf. Durch diesen Umstand ergatterten wir zwar einen super günstigen Flug am Vormittag nach Albuquerque, denn um die Zeit sitzt jeder noch unter dem Weihnachtsbaum, aber leider ist selbst im kapitalistischen Amerika alles geschlossen am 25. Dezember.

Abbildung [2]: Michael hat wegen der kalten trockenen Wüstenluft Reptilhände bekommen.

In weiser Voraussicht hatte ich uns ein Hotel an unserem Flugziel Albuquerque gebucht, dessen Hotelrestaurant auch am 25. Dezember in Betrieb war. Und tatsächlich es war sonst alles zu und die Innenstadt fast menschenleer. Nur ein japanisches Restaurant hatte noch auf, das man wegen Überfüllung allerdings nicht betreten konnte. Albuquerque gilt ein wenig als das Stiefkind von New Mexico im Schatten von Santa Fe und hat sicher nicht soviel zu bieten, aber wir verbrachten dort einen netten Abend. Santa Fe liegt etwa eine Autostunde von Albuquerque weg, wunderschön in 2194 m Höhe und obwohl Santa Fe nur ca. 84.000 Einwohner hat, bietet es zahlreiche Museen und 240 Galerien. Das Klima ist staubtrocken und im Winter ist es sonnig, aber kalt. Meine vom San-Francisco-Klima verwöhnten Nebenhöhlen meckerten auch gleich wegen der Trockenheit, aber die Broschüre unseres Vermieters in der Ferienwohnung versicherte uns, dass man sich an die Trockenheit plus Höhe gewöhnt. Wir haben auf jeden Fall tonnenweise Handcreme verbraucht.

Abbildung [3]: Typisches Adobe-(Lehm)-Gebäube in New Mexico.

Santa Fe und der Bundesstaat New Mexico faszinieren mich, weil sich hier Indianerkultur mit spanischer (durch die spanischen Eroberer) und mexikanischer Tradition sowie tiefer Naturverbundenheit, Spirtualität und Katholizismus vermischen. New Mexico hat dann auch den höchsten Anteil an Latinos (aus Südamerika) und Hispanics (aus Spanien) sowie den zweitgrößten Anteil an Indianern, verglichen mit anderen Bundestaaten. Wie San Francisco ist auch Santa Fe anders als das restliche Amerika. Kein Wunder, dass die Wüstenlandschaft mit ihrer klaren Luft und dem blauen Himmel und den im Sonnenlicht sich verfärbenenden Steinsformationen stets Künstler angezogen hat. Beim Wandern fiel mir immer wieder die Stille auf.

Abbildung [4]: Blöder Tourist auf Wanderweg bei Santa Fe.

Schon als ich das erste Mal in den USA war, hat mich erzürnt, dass es den Indianern nicht überall erlaubt ist, ihren eigenen Schmuck zu verkaufen. Geschenkeläden in den diversen Touristenhochburgen verkaufen dann auch nicht immer authentischen Schmuck oder streichen einen Großteil des Gewinns ein. Auf dem Marktplatz in Santa Fe unter den Arkaden des "Palace of the Governors" kann man sich allerdings sicher sein, dass der Schmuck, die gewebten und getöpferten Waren authentisch sind. Hier verkaufen seit über 60 Jahren indianische Künstler ihre Kunstwerke. Nur wer einem Indianerstamm angehört und seine Ware selbst zeichnet, darf hier eine Decke ausbreiten und den Schmuck verkaufen. Der Kunstmarkt findet fast jeden Tag statt und es gibt insgesamt 69 Plätze. Es war natürlich klar, dass ich mir dort etwas kaufen musste. Ich erstand einen Ring von Marvin Slim.

Abbildung [5]: Angelika hat sich auf dem Indianermarkt einen Ring gekauft.

40 Meilen von Santa Fe entfernt liegt der kleine 3000-Seelen-Ort Chimayo, für Katholiken ein Walfahrtsort wie Lourdes. Die Erde hier soll heilende Wirkung haben und so pilgern jedes Jahr zig tausend Gläubige in die im spanischen Kolonialstil erbaute Kirche in den Bergen, um mit einem Schäufelchen die Erde aus der im Jahre 1816 erbauten Kirche in mitgebrachte Container umzufüllen.

Abbildung [6]: Chimayo, Wallfahrtsort mit heiliger Erde.

Die feine Erde kommt aus einem Loch in einem kleinen Raum der Kirche. Fotos durften wir dort nicht machen und wir ließen die Erde auch in der Kirche, aber mehrere Besucher füllten kleine Plastikbeutelchen voll. Die Erde muss übrigens immer wieder aufgefüllt werden und Kirchenangestellte holen sie angeblich jeden Tag aus den umliegenden Sangre de Christo Mountains. Einigen Gläubigen sagt man nach, dass sie die Erde essen oder trinken, um sich die heilende Kraft sozusagen einzuverleiben, wobei es reichen soll, entsprechende Körperteile mit der Erde einzureiben, während ein Gebet gesprochen wird. Die alte Kirche ist wunderschön mit dicken Adobewänden und Holzbalken und folkloreartigen Altarbildern.

Abbildung [7]: Der kleine Laden verkauft Erdeimer an die Pilger.

Das ganze Drumherum war für unseren Geschmack allerdings sehr touristisch und kommerzialisiert. In einem Nebenraum hingen zum Beispiel Hunderte von Krücken, die angeblich geheilte Besucher zurück gelassen haben. Ich glaube zwar nicht an Wunderheilungen, aber ich habe mal mehrere Semester Psychologie studiert, und wir haben das Phänomen des Placeboeffekts ausreichend untersucht. Dennoch faszinieren mich solche Orte und die Menschen, die für ein Fünkchen Hoffnung nichts unversucht lassen.

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Letzte Änderung: 23-Sep-2018