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  Rundbrief Nummer 125  
San Francisco, den 01.05.2018


Abbildung [1]: Millennials brausen mit Elektrorollern durch die Landschaft.

Michael Hier in der Stadt und weiter südlich im Silicon Valley nimmt nicht nur die Zahl der Teslafahrer stetig zu, auch immer mehr muskelverstärkende Elektrofahrzeuge für die Kurzstrecke zischen inzwischen deutlich sichtbar durch die Straßen, meist gesteuert von sogenannten Millennials, oder Internet-Lemmingen, wie ich sie gerne nenne.

Im Rundbrief 08/2017 habe ich schon einmal über das Stadtfahrradprogramm "Ford GoBike" berichtet, das traditionelle Tretfahrräder ausleiht, die man nach einer halben Stunde wieder an einer der vielen Dockstationen in der Stadt abliefern muss. Der nächste Schritt waren sogenannte "Jump Bikes", die man nach Gebrauch einfach irgendwo abstellt, denn sie melden sich selbständig bei der Zentrale, und funken ihren Standort mittels eines GPS-Empfängers heim, damit der nächste Kunde sie gleich buchen kann. Ein weiterer Vorteil der Jump-Bikes: Sie fahren mit Elektromotor, der den Radfahrer tatkräftig beim Treten unterstützt, so dass dieser die Hügel San Franciscos hochbraust wie nichts und sich dabei vorkommt wie Supermann. Aber Vorsicht: Die Räder zischen so schnell bei Grün an der Ampel los, dass sich angeblich schon einige Unfälle ereignet haben, weil Autofahrer, wie in San Francisco gang und gäbe, in der Querrichtung noch schnell bei Dunkelrot durchdrückten.

Seit kurzem hat auch Ford GoBike, bei denen ich letztes Jahr im September eine Jahresmitgliedschaft erworben habe, sogenannte "Plus"-Fahrräder im Angebot, deren Elektromotor kraftvoll beim Treten hilft. Während ich sonst immer auf den letzten Metern hoch zu unserer Wohnung auf der Chattannooga-Straße bei 8% Steigung in den ersten Gang schalten und kräftig treten musste, um nicht ganz stehen zu bleiben, ging's mit dem eBike im Affentempo hoch, wie ihr auf meinem Video sehen könnt.

Video: Handy-Video des eBike-Aufstiegs

Allerdings gab das eBike nach 20 Metern auf, als ich versuchte, die 23% steile Hill Street hochzuradeln, dafür ist der Motor wohl zu schwach.

Abbildung [2]: Die Firma "Jump" verleiht Elektroräder per App.

Der neueste Trend sind bis zu 30km/h schnelle Elektroroller, mit denen junge Leute teilweise über die Gehwege der Stadt brettern. Die New York Times brachte neulich einen Artikel über Travis VanderZanden, den Gründer der Leihrollerfirma "Bird" aus Los Angeles, die ähnlich wie die Taxifirmen Uber und Lyft nach dem Motto "erstmal loslegen, dann Genehmigungen einholen" einfach Roller auf San Franciscos Gehsteigen verteilte, die die jungen Leute dann begeistert über eine Handy-App mieteten.

Abbildung [3]: Sogar auf ungeteerten Wegen sausen die Leute mit elektrischen Skateboards umher.

Die Gewerkschaftsfritzen und obersten Bürokratiehengste der Abteilung "San Francisco Public Works" beschlagnahmten denn auch gleich Dutzende auf dem Gehweg abgestellter Roller. Interessant nur, dass die gleiche Abteilung offensichtlich in tiefem Büroschlaf verweilt, während auf den Gehsteigen Zeltstädte entstehen, in denen Drogenabhängige ihre gestohlenen Fahrräder horten und sich in aller Öffentlichkeit Heroin spritzen und zur Freude der Anwohner anschließend die Nadeln einfach fallen lassen (Rundbrief 02/2016). Einer reichen Firma die Roller wegzunehmen ist halt weniger kontrovers.

Abbildung [4]: Die Leihroller lässt man nach Gebrauch einfach auf dem Gehweg stehen.

Auch bei elektrischen Skateboards (Rundbrief 10/2016) scheiden sich die Geister. Ihre Besitzer loben den Fahrspaß in den höchsten Tönen, doch die Autofahrer nervt der zusätzliche Verkehr auf den Fahrradspuren und alteingesessene Skateboardfahrer verachten die jungen reichen Flitzer als faul und eingebildet.

Wie immer, wenn etwas Neues kommt, streiten sich in San Francisco nun die Fraktionen der NIMBYs mit den forschen Trendsettern. NIMBY steht für "Not in my Backyard" und bezeichnet die Alteingesessenen, die am liebsten gar nichts verändern würden, alles beim Stand von 1985 belassen, und die Neuen zum Teufel wünschen. Die Neuen wollen mehr hässliche Wohntürme bauen und mehr Menschen in die eh schon zum Bersten überlastete Infrastruktur pressen. In dem oben zitierten New-York-Times-Artikel vermutet denn auch eine alte Frau, die Neuen wollten die "alten Fürze" mit ihren Rollern auf dem Gehweg über den Haufen fahren, um an deren mietpreisgebundene Altwohnungen zu kommen. Ob dieses Tauziehen wohl jemals endet?

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Letzte Änderung: 23-Sep-2018