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  Rundbrief Nummer 118  
San Francisco, den 22.12.2016


Abbildung [1]: Unser neues King-Size Bett.

Michael Als wir 1996 in die USA gezogen sind, brachten wir unser Bettgestell samt Matratze im Format 2 x 1.60 Meter aus Deutschland mit. Aus der Erfahrung zahlreicher Hotelübernachtungen wussten wir, dass die in Amerika üblichen Queen-Size-Betten etwas schmäler sind (203cm x 152cm) und die per Aufpreis erhältlichen King-Size-Betten im Vergleich rund 40cm mehr Komfort bieten (203cm x 193cm).

Manchmal stehen in Hotelzimmern auch zwei Einzelbetten, die sind dann oft im sogenannten "Twin"-Format, also 191cm x 99cm, aber die sind normalerweise nur für Einzelpersonen gedacht. In der Größe "Double" (auch "Full Size" genannt) messen Miniatur-Doppelbetten manchmal auch 191cm x 137cm, aber das ist eher selten. Und in Super-Luxus-Hotels bieten Suiten manchmal "California King"-Betten für lange Lulatsche an, die zwar 10cm schmäler als King-Betten sind, aber 10cm länger: 213cm x 183cm.

Für ein Bett mit deutschen Maßen in den USA eine neue Matratze zu kaufen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, normale Läden bieten nur Twin, Queen oder King-Matratzen an. Herr und Frau Rockefeller lassen sich Matratzen maßschneidern, aber für Otto Normalverbraucher lohnt sich das nicht, der wirft lieber sein preiswertes deutsches Bett auf den Sperrmüll und kauft sich ein neues amerikanisches mit Standardmaßen samt neuer Matratze. Deutsche Spannbettücher ("fitted sheets") für ein 160cm breites Bett passen übrigens auf eine Queen-Matratze. Umgekehrt passen amerikanische Queen-Spannbettücher aus dehnbarem Material mit etwas Muskelkraft auch auf eine 160cm breite Matratze, aber das nur am Rande.

Amerikaner teilen sich in Ehebetten immer eine große Bettdecke, die die ganze Breite des Bettes abdeckt. Wenn einer der beiden Schläfer die Angewohntheit hat, im Schlaf möglichst viel Deckenmaterial an sich zu raffen, kann das jedoch zu Streitigkeiten führen. Wir bevorzugen deswegen schon seit Urzeiten Einzeldecken in Twin-Größe, dann kann jeder sich an seiner austoben, ohne den anderen zu wecken.

Viele Matratzen hier in den USA, vor allen die mit Sprungfederkernen ("spring mattress"), sind manchmal bis zu 50cm hoch ragen so weit aus dem Bettrahmen heraus, ähnlich wie in den Gemächern des Schlosses Neuschwanstein. Matratzen aus Latex-Material oder sogenanntem Memory-Foam sind nur etwa halb so dick. Letztere "merken" sich beim Einsinken die Konturen des Körpers und sind vor allen Dingen für Leute mit Rückenproblemen hilfreich. Allerdings stinken sie nach der Installation wochenlang mörderisch nach Chemikalien und heizen sich durch die Körpertemperatur gerade im Sommer stark auf, sind also nur in kühleren Klimazonen oder Wohnungen mit Klimaanlage zu empfehlen, sonst liegt man in schwül-heißen Nächten im eigenen Saft.

Abbildung [2]: Ein amerikanischer Lattenrost, genannt "slats". Foto: brownpau

Matratzen liegen unten auf dem Lattenrost ("slats") des Bettes auf, der bei King-Size-Betten oft aus zwei gleich großen Einzelteilen besteht, die nebeneinander im Bettrahmen liegen. Auch beim Lattenrost bietet Amerika einige unerwartete Optionen. Viele Hersteller von Memory-Foam-Matratzen schreiben in ihren Garantieanweisungen vor, dass kein traditioneller Lattenrost mit biegbaren Latten drunterliegen darf, sondern nur ein sogenannter Box-Spring, ein unnachgiebig starres aber luftdurchlässiges Gestell aus dünnem Holz, das keinerlei Polsterung bietet, aber dafür sorgt, dass die Matratze nicht einsinkt und ausleiert.

Wir haben uns schließlich für die Ikea-Matratze "HESSTUN" im König-Ludwig-Format und ein Bett von EQ3 entschieden und sind sehr zufrieden damit. Allerdings ist die Anlieferung einer King-Size-Matratze in einem Mietshaus mit erstaunlichen Schwierigkeiten verbunden. Die beiden Ikea-Fritzen, die die 70kg schwere Matratze im Format 203cm x 193cm x 50cm stöhnend aus ihrem Lastwagen hoben, brachten das Monster nicht in unseren Aufzug hinein. Sie ließen sich nur mit Engelszungen dazu überreden, sie übers Treppenhaus in den zweiten Stock zu schleppen, denn die Matratzenschleppergewerkschaft bei Ikea verbot ihnen angeblich das Vordringen höhere Stockwerke wie zum Beispiel unseren dritten Stock.

Abbildung [3]: Ein Rollwagen hilft beim Schleppen von Matratzen.

Nach einigem hin und her stellte sich dann leider heraus, dass das Riesenteil im Treppenhaus gar nicht um die Ecke passte. Zähneknirschend ließ ich die Kerle die Matratze am Hauseingang abstellen und abfahren. Mit einem Zollstock und geometrischen Formeln bewaffnet fand ich heraus, dass die Matratze sich nach dem Entfernen der Kartonverpackung mittels eines Teppichmessers (die beiden Spezialisten hatten sich mit Verweis auf ihr umfangreiches Schlepperregelwerk geweigert, das zu tun) hyperbelförmig in den Aufzug quetschen ließ. Ich stieg in den Aufzug und zog, Angelika schob von außen, und als die Matratze die Türschwelle überschritten hatte, trat Angelika zurück, und ich drückte blitzschnell den Knopf zum dritten Stock.

Die Türe schloss sich, und der Aufzug setzte sich nach oben in Bewegung. Im dritten Stock angekommen, war es ein Leichtes, die Matratze mit Hilfe eines sogenannten "Möbeldollies", den ich immer parat habe, in die Wohnung zu rollen und im Schlafzimmer abzulegen. Viel einfacher ging es bei der Bettanlieferung einige Wochen später: Der von EQ3 beauftragte Lieferservice konnte zwar auch nicht alles in Aufzug stopfen, aber die zwei Anlieferer schleppten das nicht hineinpassende passende Brett am Kopfende des Bettes behende übers Treppenhaus nach oben und schraubten den Bausatz in unter einer Stunde zusammen. Erfreut gab ich ihnen gleich ein mörderisches Trinkgeld.

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Letzte Änderung: 11-May-2017