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  Rundbrief Nummer 118  
San Francisco, den 22.12.2016


Abbildung [1]: Südamerikanische Einwanderer warten an der Straßenecke auf Gelegenheitsjobs.

Angelika Auf Ausländer, Asylbewerber und Zugewanderte im Wahlkampf zu schimpfen, ist ja eine bekannte Strategie, denn diese Bevölkerungsgruppen eignen sich immer gut als Sündenbock für alles, was schlecht läuft. Trump hat es besonders auf die Leute abgesehen, die illegal in den USA leben und arbeiten, schlappe elf Millionen Menschen. Nun ist es zwar richtig, dass dieses Problem irgendwann einmal vernünftig gelöst werden muss. Bush versuchte sich daran und hätte wahrscheinlich sogar Erfolg gehabt, wäre der 11. September während seiner Amtszeit nicht passiert. Obama konzentrierte sich auf Obamacare und ließ das Thema illegale Einwanderer ein wenig links liegen.

Trump tönte dann im Wahlkampf groß, dass er nicht nur eine Mauer zwischen Mexiko und den USA errichten wird, sondern auch plant, alle elf Millionen illegalen Einwanderer abzuschieben. Schon die Umsetzung der Mauer ist ein fragwürdiges Unterfangen, denn das Ganze ist kostspielig und zeitaufwendig. Wahrscheinlich wird es darauf hinauslaufen, dass der schon jetzt an vielen Stellen der Grenze bestehende Zaun ausgeweitet wird. Elf Millionen Einwanderer ohne Papiere abzuschieben, das ist schon logistisch unmöglich. Es gibt weder genug Leute bei der Einwanderungsbehörde ("Homeland Security"), um die Leute aufzuspüren, noch genug Abschiebecenter. Von den Kosten und den Folgen für die Wirtschaft ganz zu schweigen.

Abbildung [2]: Stundenlöhner warten an der Cesar-Chaves-Street auf Baustellenjobs.

In Kalifornien, wo nach Schätzungen fast ein Viertel der elf Millionen illegalen Einwanderer ohne Papiere leben, und anderen Bundesstaaten mit fast so hohen Zahlen würde dann sicher ganze Wirtschaftszweige zusammenbrechen. Praktisch keine Gaststätte oder Baustelle kommt ohne illegal eingereiste Kräfte aus. Kinder von illegalen Einwanderern, die in den USA geboren wurden, sind übrigens amerikanische Staatsbürger und dürfen nicht mit den Eltern abgeschoben werden. Der Polizeichef von Los Angeles, Charlie Beck, sowie die Bürgermeister von Los Angeles, New York City, Chicago und San Francisco haben sowieso schon angekündigt, dass sie bei einer etwaigen großangelegten Deportationswelle nicht mitmachen würden.

In Städten wie Los Angeles und San Francisco fragen Polizisten nicht nach dem Immigrantenstatus. In Los Angeles gibt es schon seit 1979 eine spezielle Anordnung mit der Nummer 40, die besagt, dass die Polizisten nicht einfach Personen verhaften dürfen, weil sie illegal im Land sind und nur bei bestimmten Straftaten eine Meldung an die Einwanderungsbehörde geht. Das hat vor allen Dingen den Grund, dass die Polizei darauf angewiesen ist, dass auch illegale Einwanderer der Polizei vertrauen und nicht aus Angst vor der Abschiebung beobachtete Verbrechen nicht melden. Los Angeles hat in Kalifornien nach Schätzungen einen der höhsten Bevölkerungsanteile von Einwanderen ohne Papiere, und es gäbe dort sicherlich tumultartig Zustände, wenn Trumps angekündigte Deportationen Wirklichkeit würde. Übrigens ist es falsch, zu glauben, dass unter Obama keine illegalen Einwanderer abgeschoben wurden. Obama schob insgesamt 2.5 Millionen illegal ins Land gelangte ab und konzentrierte sich dabei auf diejenigen, die Straftaten begangen hatten.

Abbildung [3]: Auf ausländische Fachkräfte angewiesen: Google. Foto: nbhattac

Aber nicht nur illegale Einwanderer hat Trump auf dem Kieker. Auch auf bestimmte Arbeitsvisa hat er es abgesehen, wenn sie angeblich amerikanischen Arbeitern die Jobs wegnehmen. Dabei erwähnt Trump immer wieder das sogenannte H1B-Visum für hochqualifizierte ausländische Arbeitskräfte. Das ist übrigens das Visum, das Michael über viele Jahre hatte. Bei dem Visum musste der Arbeitgeber immer schon nachweisen, dass es keinen qualifizierten Amerikaner für den Job gibt und Firmen sind gesetzlich verpflichtet, ortsübliche Gehälter zu zahlen. Das läuft bei Firmen wie Google, Apple, Yahoo, Facebook undsoweiter auch so. Aber es scheint immer einmal wieder schwarze Schafe zu geben, die gerade an Kandidaten aus Ländern mit wesentlich niedrigerem Lohnniveau geringere Gehälter zahlen.

Nun ist es aber so, dass Firmen in Silicon Valley händeringend Leute suchen und ohne das H1B-Visum sähe es für die Softwarbranche noch düsterer aus, es wäre völlig unmöglich auch nur einen Teil der offenen Stellen zu besetzen. Die Anzahl der H1B-Visa, die pro Jahr ausgeben werden, ist zur Zeit sowieso schon auf 85.000 begrenzt, reicht aber nach Arbeitgeberstudien hinten und vorne nicht, so dass amerikanische Techfirmen immer wieder dafür plädieren die Anzahl zu erhöhen. Es sieht aber so aus, dass das unter Trump wohl nicht geschehen wird.

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